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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Japan > Monju (Japan)

Schneller Brüter • Leistung: 280 MW • Typ: - • Baubeginn: 10. Mai 1986 • Hersteller: PNC •
Inbetriebnahme: 5. April 1994 • Abschaltung: 8. Dezember 1995 ("Long-Term Shutdown") •[1][2] Projektende: 21. Dezember 2016[3]


Seit 20 Jahren in "Long-Term Shutdown"

Monju

AKW Monju (Japan)

Der Reaktor Monju, der sich an der Westküste Japans bei Shiraki, nördlich von Tsuruga in der Provinz Fukui, befindet,[4] ist Symbol für Japans gescheitertem Versuch, in die Wiederaufarbeitung und die Brütertechnologie einzusteigen.

Der schnelle Brüter wurde nur etwa anderthalb Jahre, nämlich vom 5. April 1994 bis 8. Dezember 1995, durch den Eigentümer Japan Atomic Energy Agency (JAEA) betrieben. Hersteller war die Power Reactor & Nuclear Fuel Development Corp. (PNC). Seit mittlerweile fast zwanzig Jahren verharrt die Einheit im Status "Long-Term Shutdown".[1][2]

Die Anlage enthält 1.600 Tonnen reaktionsfreudiges Natrium und 1,4 Tonnen hochradioaktives Plutonium (Stand: 2011) und stellt deshalb ein großes Risiko für die Region dar. Der Versuch, den Reaktor auf volle Leistung zu bringen, ist bis heute fehlgeschlagen und hat bis 2011 Kosten von mehr als 20 Mrd. US-Dollar verursacht. Der JAEA gelang es seit den Tests im Jahr 1991 nur, insgesamt eine Stunde lang Strom zu produzieren.[5]

1995: Natriumbrand und schwere Verwüstungen

Wegen eines Störfalls musste Monju am 8. Dezember 1995, anderthalb Jahre nach Betriebsbeginn, schon wieder heruntergefahren werden. Tonnen von Natrium waren aus defekten Rohren der Kühlanlage ausgelaufen und in Brand geraten. Das Natrium fraß ein großes Loch in ein Kühlrohr, zerschmolz Stahlträger und zerstörte sechs Stockwerke des Reaktorgebäudes. Der Betreiber versuchte, den Unfall und die schweren Schäden am Reaktor zu verheimlichen. Nachdem dies nicht gelungen war, nahm sich Shiego Nishimura, Manager des Betreibers, das Leben.[6][7][8] Der Störfall und die Krisenkommunikation des Betreibers verursachten eine schwere Vertrauenskrise in Bezug auf Atomkraft in Japan.[9]

Seit 2010: Wiederinbetriebnahme wegen Pannen fehlgeschlagen

Im Februar 2009 sollten Tests zur Wiederinbetriebnahme beginnen, die jedoch wegen einer Panne am Natriumleck-Detektor und Korrosion an einer Abgasleitung auf August 2009 verschoben wurden.[10]

Am 6. Mai 2010 begann der Testbetrieb; der kommerzielle Einsatz von Monju war für 2013 geplant.[11][12]

Am 26. August 2010 stürzte jedoch eine Maschine für den Brennstoffwechsel auf den Reaktorbehälter und wurde dabei so stark beschädigt, dass sie nicht mehr eingesetzt werden konnte. Die Entfernung der Maschine konnte mit konventionellen Methoden nicht erreicht werden.[13] Der Reaktor wurde abgeschaltet; nachdem der Zustand des Reaktors fast ein Jahr ungeklärt blieb, gelang es Arbeitern erst im Juni 2011, die Brennstoffwechselmaschine zu bergen. Aufgrund der Sicherheitsbedenken nach der Fukushima-Katastrophe war unklar, wann bzw. ob der schnelle Brüter wieder in Betrieb genommen wird.[14]

Nachdem im November 2012 die JAEO zugeben musste, 10.000 bis 11.000 Anlagenteile nicht ausreichend geprüft zu haben, lehnte die Aufsichtsbehörde NRA eine Wiederinbetriebnahme im Mai 2013 ab. Zudem stellte die NRA 2013 Erdbruchlinien unter der Anlage fest.[15][16] Im November 2013 verwarnte die NRA die JAEO wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen gegen Terrorismus und beim Schutz von radioaktivem Material. Im Januar 2014 wurden Malware und unerlaubte Zugriffe auf einen der Monju-Computer festgestellt.[17]

Im Februar 2014 kritisierte die "Japan Times", dass allein die Erhaltung der Anlage jedes Jahr 20 Mrd. Yen (153  Mio. Euro) koste, und forderte die Politik vor dem Hintergrund der Fehlschläge in Japan und im Ausland auf, den Traum vom Brennstoffkreislauf aufzugeben und Monju endlich zu schließen. "The policymakers fear that declaring an end to the nuclear fuel cycle program could put the nuclear power generation itself in paralysis."[18]

Aufgabe des Projekts im Dezember 2016

Wegen der ständigen Pannen und Probleme wurde der Japan Atomic Energy Agency (JAEA) von der japanischen Atomaufsicht die Verantwortung für den Betrieb des Reaktors am 4. November 2015 entzogen. Es wird zwar ein neuer Betreiber gesucht; gelingt es aber nicht einen zu finden, dürfte dies das Ende des schnellen Brüters bedeuten – und zugleich das Ende des Traum vom Brennstoffkreislaufs. Damit würde Japan alle Argumente für seine großen Plutoniumbestände verlieren, und es würde mit globaler Kritik konfrontiert, diese könnten möglicherweise für Atombomben genutzt werden.[19]

Nachdem umgerechnet acht Milliarden Euro an Steuermitteln verschleudert worden waren, beschloss die japanische Regierung am 21. Dezember 2016, das Projekt endgültig aufzugeben.[3] Aber auch die Stilllegung wird nochmal 375 Mrd.Yen (3,3 Mrd. Schweizer Franken) verschlingen. Der Brennstoff soll bis 2022 entfernt sein, der Rückbau bis 2047 abgeschlossen werden.[20]

Weitere Links

→ JAEA: Monju (Informationen des Betreibers, via WayBack)
→ miningawareness.wordpress.com: Japan Needs to Run Away from the Plutonium Monju Hoodoo vom 21. Oktober 2014
→ Nucleopedia: Kernkraftwerk Monju

Videobeiträge

Nuclear Monstrosity Monju Nuclear Power Plant05:47

Nuclear Monstrosity Monju Nuclear Power Plant

(Hochgeladen in YouTube am 5. Juni 2013)

Japan's Monju nuclear accident parts 1-3 A Coverup Revealed By Wikileaks Pre Fukushima25:16

Japan's Monju nuclear accident parts 1-3 A Coverup Revealed By Wikileaks Pre Fukushima

(Hochgeladen in YouTube am 28. September 2011, 25:15 Minuten)











(Letzte Änderung: 13.06.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Japan abgerufen am 5. März 2015
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 orf.at: Japan gibt AKW-Milliardenprojekt Monju auf vom 21. Dezember 2016
  4. WNA Reactor Database: Monju, Japan abgerufen am 9. April 2016
  5. New York Times: Japan Strains to Fix a Reactor Damaged Before Quake vom 17. Juni 2011
  6. DER SPIEGEL 51/95: Ritt auf dem Löwen vom 18, Dezember 1995
  7. DER SPIEGEL 6/1997: Phönix in der Asche vom 3. Februar 1997
  8. Spiegel Online: Atomindustrie: Japans einziger Schneller Brüter läuft wieder vom 6. Mai 2010
  9. nuklearforum.ch: Wiederanfahren des Schnellen Reaktors Monju verzögert vom 29. April 1999
  10. nuklearforum.ch: Monju: Wiederinbetriebnahme im März 2010 vom 26. August 2009
  11. nuklearforum.ch: Japan: Monju beginnt Testbetrieb vom 11. Mai 2010
  12. Spiegel Online: Atomindustrie: Japans einziger Schneller Brüter läuft wieder vom 6. Mai 2010
  13. NRA: Deformation of the In-Vessel Transfer Machine (Results of visual inspection corresponding to the "in-vessel transfer machine falling event") vom 9. November 2010 (via WayBack)
  14. New York Times: Workers Remove Device From Damaged Japanese Reactor vom 24. Juni 2011
  15. Japan Times: NRA wants Monju to remain shut down vom 14. Mai 2013
  16. FAZ.net: Japan vor der Wahl: Abe und das Atom vom 18. Juli 2013
  17. ZDNet: Malware in japanischem Kernkraftwerk gefunden vom 14. Januar 2014
  18. Japan Times: Time to shutter Monju vom 24. Februar 2014
  19. The Mainichi: Change of Monju reactor operator could spell end to Japan's nuclear fuel cycle dreams vom 5. November 2015 (via WayBack)
  20. nuklearforum.ch: Japan: Monju wird stillgelegt vom 26. Januar 2017

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