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Morsleben

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Atommüll - Zwischen- und Endlagerung > Morsleben

Zweifel schon in der ehemaligen DDR

Morsleben Schacht.jpg

Schacht Morsleben

Das "Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben" (ERAM) in Sachsen-Anhalt hat seinen Ursprung in der ehemaligen DDR. Anfangs wurde der angefallene Atommüll wie in allen anderen Ländern des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zur weiteren Verarbeitung und Entsorgung in die Sowjetunion transportiert.[1] Nach einer Eignungsprüfung von 10 Salzbergwerken entschied sich die DDR-Führung 1970, das Salzbergwerk Bartensleben in Morsleben zum zentralen Zwischenlager auszubauen. Nach einer befristeten Betriebsgenehmigung von 1981 wurde 1986 eine "unbefristete Dauerbetriebsgenehmigung" für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll erteilt.[2]

Schon in der DDR hatte es von Anfang an Zweifel an der Eignung des Salzbergwerkes gegeben: ""Die Grube ist einer großen hydrologischen Gefährdung ausgesetzt", warnte das Deutsche Brennstoffinstitut im sächsischen Freiberg bereits 1969. Zwei Jahre später stellten die DDR-Gutachter fest: "Der zentrale Teil der Grube lässt wahrscheinlich keine ausreichende Standsicherheit erwarten." Die DDR-Behörden ließen sich durch die Einwände der Experten nie beirren."[3]

Atompolitik in der ehemaligen DDR

Gefälligkeitsgutachten und Weiterbetrieb unter Merkel

Die Bundesregierung verhielt sich genauso wenig  verantwortungsbewusst. Nach dem Untergang der DDR 1991 wurde die Lagerung zwar kurzzeitig unterbrochen. 1994 jedoch wurde auf persönliche Weisung von Angela Merkel – allen Warnungen von Wissenschaftlern und Protesten des Umweltministeriums von Sachsen-Anhalt wegen der Einsturzgefährdung zum Trotz – das Endlager wieder in Betrieb genommen. Merkel ließ zur Beruhigung Gefälligkeitsgutachten erstellen und berief sich auf die Betriebsgenehmigung durch die DDR: "Im Westen der Republik gab es damals kein Endlager, und so stapelte sich der schwach- und mittelaktive Problemmüll in den Atommeilern. Morsleben schien die Rettung zu sein. Die schwarz-gelbe Koalition hatte schon bei der Wiedervereinigung mit der DDR vorgesorgt. Trickreich wurde juristisch festgelegt, die alte DDR-Betriebsgenehmigung für Morsleben von 1986 zu übernehmen, befristet auf zehn Jahre. (...) Morsleben sollte so lange wie möglich auf Grundlage des alten DDR-Rechts offengehalten werden, bevor das strengere Atomrecht der Bundesrepublik zum Zuge kommen konnte."[3] Beteiligt an der Durchsetzung des Weiterbetriebs von Morsleben war auch der Atomlobbyist Gerald Hennenhöfer.[4]

1998 wurde die Einlagerung aufgrund einer Klage des BUND und von Greenpeace gerichtlich gestoppt. Die neue rot-grüne Regierung vollstreckte den Gerichtsbeschluss, und es wurde unmittelbar danach mit Sicherungsarbeiten begonnen. Die Kosten für die Sicherung schätzt man auf 2,2 Mrd. Euro.[3] Das Bundesamt für Strahlenschutz, Betreiber des ehemaligen Endlagers, nimmt seit 2001 unwiderruflich keinen Atommüll mehr an, da dies "sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar ist".[2]

Stilllegungskonzept: Verfüllung und Abschluss

Laut Bundesamt für Strahlenschutz werden derzeit in Morsleben 36.754 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle, darunter 6.621 umschlossene Strahlenquellen endgelagert. "Von 1971 bis 1991 wurden radioaktive Abfälle mit einer Gesamtaktivität von 180.000 Gigabecquerel und von 1994 bis 1998 Abfälle mit einer Gesamtaktivität von 91.000 Gigabecquerel endgelagert. Auf Grund des radioaktiven Zerfalls nimmt die Aktivität der Abfälle mit der Zeit ab. Zum Ende des Jahres 2014 betrug die Gesamtaktivität aller in Morsleben endgelagerten Abfälle noch rund 93.000 Gigabecquerel."[5]

Vom Oktober 2003 bis Februar 2011 wurden zur Stabilisierung des einsturzgefährdeten Endlagers 27 ausgewählte Hohlräume, in denen sich keine radioaktiven Abfälle befanden, mit 935.000 Kubikmeter Salzbeton verfüllt, wofür 163 Millionen Euro investiert wurden. "Ohne diese Verfüllmaßnahmen wäre ein zukünftiges Versagen von tragenden Elementen im Zentralteil nicht auszuschließen gewesen. Herunterbrechendes Salzgestein hätte den Weg zu den Einlagerungskammern versperren und die Beschäftigten gefährden können."[6]

2005 beantragte das Bundesamt für Strahlenschutz die Stilllegung der Anlage beim Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt (MLU). Seit dem öffentlichen Erörterungstermin 2011 prüft das MLU 15.000 Einwendungen von Bürgern und Organisationen und wird anschließend einen Planfeststellungsbeschluss erarbeiten.[7]

Die Frage der Rückholbarkeit von Atommüll wird kontrovers diskutiert. Eigentlich bevorzugt das Bundesamt für Strahlenschutz eine rückholbare Lagerung.[8]

In diesem Fall sieht das Stilllegungskonzept des BfS jedoch vor, die Stollen nach einer Umrüstung mit vier Mio. Kubikmetern Salzbeton aufzufüllen und zu verschließen.[9] "Der langzeitsichere Abschluss der radioaktiven Abfälle von der Biosphäre soll mit dem Konzept der weitgehenden Verfüllung des Bergwerks und der Abdichtungen im Umfeld der Einlagerungsbereiche West-Südfeld und Ostfeld erreicht werden. Dazu sollen zirka 75 Prozent der Hohlräume verfüllt, 22 Abdichtungen errichtet und die Schächte Bartensleben und Marie abgedichtet und verfüllt werden. (...) Mit der weitgehenden Verfüllung werden das Grubengebäude mechanisch stabilisiert und die Hohlräume reduziert, sodass sich keine Risse im umgebenden Gestein und im Deckgebirge bilden können. Gleichzeitig sollen so Fließwege im Grubengebäude minimiert werden."[10]

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) möchte auf diese Weise den Atommüll für immer wegschließen und ist davon überzeugt, dass für Morsleben ein Langzeitsicherheitsnachweis erbracht werden könne. Eine Million Jahre lang soll keine Radioaktivität austreten, was Umweltschützer in Zweifel ziehen.[11] Sie kritisieren die Verfüllung, weil es danach keine Möglichkeit mehr gibt, die Abfälle zu bergen und eine langfristige Verseuchung des Bodens und des Grundwassers drohe.[12]

Mit einer Genehmigung für die Stilllegung wird 2014 bis 2015 gerechnet, die Verfüllung soll 15 bis 20 Jahre dauern.[13] Im Juli 2014 wurde gemeldet, dass sich die Stilllegung weiter verzögert, da immer noch kein Nachweis für die Langzeitsicherheit erbracht worden sei.[14]

Videobeiträge

  • Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben
    "Der Film "Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben" spannt den Bogen von der Einlagerung der Abfälle über die geplanten Stilllegungsmaßnahmen bis zu Fragen der Langzeitsicherheit und möglichen Freisetzungen radioaktiver Stoffe. Mit Hilfe von Animationen und Filmsequenzen werden die komplexen Zusammenhänge nachvollziehbar dargestellt." Quelle: YouTube
Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben07:50

Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben

Bundesamt für Strahlenschutz 2012

  • Die Lüge vom billigen Atomstrom
    "Atomstrom sei billig, behaupten die Befürworter von Atomstrom - und lassen dabei milliardenschwere Nebenkosten unberücksichtigt. Die werden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Zum Beispiel beim Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) in Sachsen-Anhalt. Die Kosten für den Gesamtverschluss des ehemaligen Salzbergwerks betragen nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) mindestens 2,2 Milliarden Euro. Diese Ausgaben übernimmt der Staat." Quelle: Video
Die Lüge vom billigen Atomstrom 29.07.0808:44

Die Lüge vom billigen Atomstrom 29.07.08

ZDF FRONTAL21 vom 29. Juli 2008

Weitere Links

→ Bundesamt für Strahlenschutz: Stilllegung des Endlagers Morsleben
→ Deutscher Bundestag: Entscheidungshistorie der Atommüll-Einlagerung ins Endlager Morsleben in den 1990er Jahren (Drucksache 16/14070) vom 21. September 2009

(Letzte Änderung: 05.02.2017)

Einzelnachweise

  1. Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Die Energiepolitik der DDR - Mängelverwaltung zwischen Kernkraft und Braunkohle, Verlag Neue Gesellschaft GmbH, Bonn, 1988. → online auf epub.ub.uni-muenchen.de
  2. 2,0 2,1 Bundesamt für Strahlenschutz: Geschichte des Endlagers Morsleben abgerufen am 4. Juli 2015 (via WayBack)
  3. 3,0 3,1 3,2 DER SPIEGEL 43/2008: Merkels Altlast vom 20. Oktober 2008
  4. taz.de: Atom-Lobbyist wird Chef der Abteilung für Reaktorsicherheit - Röttgen bekennt Farbe (Kommentar) vom 2. Dezember 2009
  5. BfS: Endgelagerte radioaktive Abfälle abgerufen am 4. Juli 2015 [Seite nicht mehr verfügbar]
  6. BfS: Stabilisierung des Endlagers abgerufe am 4. Juli 2015 (via WayBack)
  7. BfS: Stilllegung des Endlagers für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) - Die Beteiligung der Öffentlichkeit abgerufen am 4. Juli 2015 (via WayBack)
  8. FTD.de: Atomausstieg: Schwarz-gelbe Endlagersuche vom 31. Mai 2011 via WayBack
  9. bmu.de: Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) abgerufen am 14. Oktober 2014 (via Wayback)
  10. BfS: So soll das Endlager Morsleben stillgelegt werden abgerufen am 4. Juli 2015 (via WayBack)
  11. Focus Online: Jenseits von Gorleben: Endlager Morsleben vom 25. November 2011
  12. bewegung.taz: Endlager Morsleben stabilisiert – massive Kritik am Stilllegungskonzept vom 12. Mai 2011 (via WayBack)
  13. Volksstimme: Morsleben erst nach 2030 dicht vom 26. April 2012
  14. Focus Online: Stilllegung des Atommülllagers Morsleben verzögert sich weiter vom 16. Juli 2014

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