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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Japan > Mutsu (Japan)

Druckwasserreaktor • Leistung: 36 MW • Typ: - • Hersteller: Ishikawajima-Harima Heavy Industries •
Baubeginn: 17. November 1968 • Inbetriebnahme: 28. August 1974 • Stilllegung: 1992 •
Entfernung des Reaktors: 1995


Einziges nuklearbetriebenes Schiff in Japan

Nachdem schon drei atomgetriebene zivile Schiffe in Dienst gestellt worden waren – der Eisbrecher Lenin (Sowjetunion 1959) und die Frachtschiffe NS Savannah (USA 1962) und NS Otto Hahn (Deutschland 1968) – versuchte sich auch Japan mit einem Nuklearschiff, der Mutsu.

Nach Erteilung des Bauauftrags 1967 mit einem Volumen von 61,5 Mio. Deutsche Mark[1] hatte die Ishikawajima-Harima Heavy Industries am 17. November 1968 mit dem Bau des Schiffsrumpfes begonnen. Die als Prototyp für Atomschiffe geplante Mutsu lief am 12. Juni 1970 vom Stapel und wurde am 13. Juli 1970 im Hafen von Ohminato an der Bucht Mutsu bereitgestellt.[2]

Der Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 36 MW wurde am 25. August 1972 fertiggestellt und am 4. September mit nuklearem Brennstoff beladen. Da lokale Fischer und Bewohner von Ohminato unerwartet gegen das Projekt protestierten, mussten die ersten Tests verschoben und auf dem Meer durchgeführt werden.[2][3]

Störfall 1974

Nachdem die Mutsu am 26. August 1974, von Protesten begleitet, ausgelaufen war, ging der Reaktor zwei Tage später auf hoher See in Betrieb (Kritikalität). Die Leistung des Reaktors war lediglich auf 1,4 % der vollen Kapazität erhöht worden, als Strahlungslecks entdeckt wurden und Gamma- und Neutronenstrahlung die Reaktorhülle durchdrangen. Das Schiff lag zwei Wochen lang auf dem Meer, Nahrungsmittel und der Treibstoff für die Dieselhilfsmaschinen wurden knapp.[2][4]

Die Mutsu machte wegen des Störfalls Schlagzeilen in der japanischen Presse, und nach weiteren Protesten der Bewohner von Ohminato durfte die Mutsu erst am 15. Oktober 1974 wieder in den Hafen einlaufen. Die Ursache der Lecks war eine fehlerhaft konstruierte Reaktorabschirmung, die trotz vorheriger Warnungen von Westinghouse nicht korrigiert worden war.[2]

Der Störfall löste großes Misstrauen in der japanischen Bevölkerung gegen die Atomwirtschaft insgesamt aus und führte 1978 zu Veränderungen bei den gesetzlichen Vorschriften für Reaktoren.[5]

Reparaturen und Stilllegung

In den Folgejahren führte man diverse Reparaturen durch und schloss diese im Februar 1991 ab. 1992 wurde das Schiff jedoch stillgelegt.[2] Es hatte wegen der Konstruktionsmängel nur einige Testfahrten unternommen.[6]

Nach der Stilllegung wurde der Reaktorbehälter geöffnet und der Reaktor 1995 entfernt. Stattdessen wurde ein Dieselmotor eingesetzt, und die Mutsu erwachte 1996 unter dem Namen "Mirai" als ozeanographisches Forschungsschiff zu einem neuen, diesmal strahlungsfreien Leben.[7]

(Letzte Änderung: 26.11.2016)

Einzelnachweise

  1. Hamburger Abendblatt: Auch Japan baut Atomschiff vom 16. Dezember 1967
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 szogaku.com: Radiation Leaks from Nuclear Power Ship “Mutsu” und szogaku.com: Radiation Leaks from Nuclear Power Ship "Mutsu" abgerufen am 9. Juni 2015
  3. DER SPIEGEL 50/1973: Fliegender Holländer vom 10. Dezember 1973
  4. Hamburger Abendblatt: Atomschiff "Mutsu" ohne Lebensmittel vom 13. September 1974
  5. link.springer.com: Nuclear Safety Regulation in Japan and Impacts of the Fukushima Daiichi Accident von 2015
  6. kernenergie.de: Als die Kernenergie "Ahoi" rief vom November 2013
  7. jamstec.go.jp: Oceanographic Research Vessel Mirai abgerufen am 9. Mai 2015

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