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Reaktoren in Betrieb > Neckarwestheim II (Baden-Württemberg)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.400 MW • Typ: Konvoi • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 9. November 1982 • Inbetriebnahme: 29. Dezember 1988 •[1][2]
Abschaltung: 31. Dezember 2022[3]


Atomkraftwerk bei Heilbronn

GKN 1&2

AKW Neckarwestheim

Der Druckwasserreaktor Neckarwestheim II (GKN-2) liegt direkt am Neckar, 10 km südlich von Heilbronn (Baden-Württemberg). Er ist am 29. Dezember 1988 in Betrieb gegangen und besitzt eine Leistung von 1.400 MW. Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU), Eigentümer sind mit 98.45 % EnBW und mit 1.55 % vier weitere Unternehmen. Betreiber ist die EnBW-Tochter EnBW Kernkraft GmbH (EnKK).[1][4][2]

Am gleichen Standort befindet sich der 2011 abgeschaltete Druckwasserreaktor Neckarwestheim I sowie ein Zwischenlager.

Erdbebengefahr

Geologen weisen schon seit vielen Jahren darauf hin, dass die Reaktoren im Rheingraben, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis, nur auf Erdbeben mit der Stärke 4,5 bis 5,5 auf der Richterskala ausgelegt sind. Im Rheingraben wurden jedoch im Jahr 1356 bereits Stärken von 6,5 bis 6,7 erreicht, 1775/56 von 6,1. Solche Erdbeben könnten sich jederzeit wieder ereignen.[5]

Auf die Erdbebengefahr wurde bereits in einem Gutachten in den 1970er Jahren hinwiesen – das Gutachten wurde nicht beachtet, und das AKW trotzdem gebaut. "Was die christdemokratische Landesregierung damals beharrlich ignorieren wollte, ist unter Geologen kein Geheimnis: Neckarwestheim steht auf einem alten Steinbruch. Im Untergrund befinden sich poröse Schichten von Gips und Kalk. "Jedes Jahr bilden sich unter dem AKW rund tausend Kubikmeter an Hohlräumen", erläutert [der Geologe] Behmel. Entweder weil Grundwasser das poröse Gestein wegspült oder weil es von selbst zerbröselt. Knapp fünf Kilometer von Neckarwestheim entfernt klaffte im November 2002 auf einem Acker ein 18 Meter tiefer Krater auf. "Ohne Vorwarnung", sagt Behmel. Der Kühlturm des Kraftwerks ist auch schon um 40 Zentimeter abgesackt. Dabei verlaufen unter anderem die Rohre des Kühlsystems unter der Erde. "Falls hier die Gesteinsschichten nachgeben, können alle Leitungen abreißen.""[6]

Störfälle

Seit Inbetriebnahme sind laut Bundesamt für Strahlenschutz 107 meldepflichtige Ereignisse registriert worden (Stand: 23. April 2017).[7]

Am 27. Juli 2004 trat schwachradioaktives Wasser aus dem AKW aus und floss unbemerkt in den Neckar. Da die Freisetzung radioaktiver Stoffe nicht gemeldet wurde, wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.[8]

Wegen einer Pannenserie Ende Oktober 2013 geriet Neckarwestheim II wieder in die Schlagzeilen. Nachdem am 25. Oktober der Reaktor wegen eines defekten Brennelements heruntergeschalten werden musste, emittierte er am folgenden Tag das 4fache des üblichen Wertes an Radioaktivität, am 27. Oktober sogar das 23fache. EnBW erklärte, dass dies ungefährlich sei und im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte liege. Das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn kritisierte, dass die Grenzwerte viel zu hoch angesetzt seien und die Interessen der Atomkonzerne unterstützten.[9]

Kein vorzeitiges Betriebsende, direkter Rückbau

Laut Atomgesetz muss das AKW spätestens am 31. Dezember 2022 endgültig abgeschaltet werden.[3] Am 6. Oktober 2014 erklärte EnBW, dass keine vorzeitige Abschaltung geplant sei.[10]

EnBW hat sich für den direkten Rückbau der AKW Neckarwestheim und Philippsburg entschieden und auch entsprechende Unterlagen für Neckarwestheim II und Philippsburg II erarbeitet.[11]

Am 18. Juli 2016 reichte die EnBW Kernkraft GmbH Anträge zu Stilllegung und Rückbau der AKW Neckarwestheim II und Philippsburg II beim Umweltministerium in Stuttgart ein.[12]

Weitere Links

→ EnBW: Kernkraft (Informationen des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Neckarwestheim I (Baden-Württemberg)
Arbeitsgemeinschaft AtomErbe Neckarwestheim (Bündnis von Bürgerinitiativen)
BBNM e. V. (Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar)

(Letzte Änderung: 05.08.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. 3,0 3,1 BfE: Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke abgerufen am 9. Juli 2017
  4. EnBW: Kernkraft abgerufen am 23. Juli 2014
  5. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 49.
  6. DER SPIEGEL 12/2011: Atomkraft - Landkarte des Schreckens vom 21. März 2011
  7. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 23. April 2017
  8. Landtag Baden-Württemberg: Antrag der Fraktion GRÜNE und Stellungnahme des Ministeriums für Umwelt und Verkehr - Atomaufsicht beim meldepflichtigen Ereignis vom 27. Juli 2004 im Gemeinschaftskraftwerk Neckarwestheim vom 9. September 2004 (via WayBack)
  9. taz.de: Neue Pannen im AKW Neckarwestheim - Radioaktive Strahlung tritt aus vom 4. November 2013
  10. Rhein-Neckar-Zeitung: Philippsburg/Neckarwestheim: EnBW plant keine vorzeitige Abschaltung von Atomkraftwerken vom 6. Oktober 2014
  11. EnBW: Rückbaustrategie verabschiedet: EnKK stellt Weichen für direkten Rückbau ihrer Kernkraftwerke vom 2. August 2012
  12. nuklearforum.ch: Deutschland: Stilllegungs- und Abbaugesuche für KKP-2 und GKN-2 eingereicht vom 22. Juli 2016

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