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17. Januar 1966 • Absturz eines B52-Langstreckenbombers mit vier H-Bomben •
Bodenkontamination durch Plutonium


Kollision und Absturz mit vier H-Bomben

Palomares Bomb Casings

Entschärfte Atombomben von Palomares

Der Unfall, der sich bei einem Training der USA mit Atomwaffen am 17. Januar 1966 über Palomares in der spanischen Provinz Almeria ereignete, führte zu einer Kontamination der Umgebung, die bis heute nicht beseitigt worden ist. Südwesteuropa entging an jenem Tag nur mit Glück einer nuklearen Katastrophe, die das Potenzial gehabt hätte, weite Landflächen für immer unbewohnbar zu machen.[1]

Am 17. Januar 1966 kollidierte 9450 Meter über Palomares ein US-amerikanischer Langstreckenbomber vom Typ B-52, der mit vier Wasserstoffbomben beladen war, beim Auftanken in der Luft mit dem Tankflugzeug. Das Tankflugzeug explodierte; alle vier Insassen starben. Die B-52 stürzte ab, wobei sich nur fünf von sieben Mitgliedern der Besatzung retten konnten. Drei Wasserstoffbomben stürzten bei Palomares auf den Boden, die vierte wurde erst nach mehreren Wochen von Pentagon-Spezialisten und der US-Navy im Meer gefunden werden. Bei zwei der auf die Erde eingeschlagenen Bomben explodierte der konventionelle Sprengstoff. Plutonium und andere radioaktive Substanzen wurden auf mehrere Hundert Hektar Land verteilt oder in einer Aschewolke verweht. "n-tv" resümmierte 2015: "Es hätte sehr viel schlimmer kommen können: Hätten alle Sicherheitsmechanismen im Inneren der Bombe versagt, wäre über den Südwesten Europas eine atomare Katastrophe hereingebrochen."[1]

Verseuchung des Erdbodens und Krebserkrankungen

Die Diktatur unter Franco spielte das Ausmaß des Unfalls herunter. Das US-Militär transportierte 1.600 Tonnen kontaminierte Erde in die USA ab und bot den Bewohnern der Region an, sich regelmäßig kostenlos von Ärzten untersuchen zu lassen.[2]

The World Palomares and the H-Bomb03:14

The World Palomares and the H-Bomb

Hochgeladen auf YouTube am 1. Juni 2012

Die erste Säuberung des Bodens durch die USA wurde anscheinend nur oberflächlich durchgeführt, denn zwischen 1977 und 1980 maß die spanische Atomenergie-Kommission bei der Rodung von Brachland doppelt so hohe Plutoniumwerte wie zuvor. Die Erde enthielt also immer noch Plutoniumstaub. Diese Untersuchungen und die Diagnosen der Ärzte wurden lange vor den Anwohnern geheim gehalten. "Immer wurde ihnen mitgeteilt: "Sie sind völlig in Ordnung." (…) Erst nach den massiven Protesten im Herbst [1985] händigte die Atomenergie-Kommission Anfang November den Betroffenen Kurzfassungen der Untersuchungsberichte aus. Da war es allerdings schon zu spät, um die Gutachten noch vor Ablauf der Entschädigungsfrist von unabhängigen Ärzten beurteilen zu lassen."[3]

Die Vereinigten Staaten beteiligten sich lange an Kosten und Entschädigungszahlungen, kündigten 2010 aber eine Beendigung der finanziellen Leistungen an.[4]

Bis heute werden immer wieder neue radioaktiv verseuchte Gebiete entdeckt, und in der Provinz Almeria erkranken überdurchschnittlich viele Menschen an Krebs. Einige Wissenschaftler leugnen, dass dies auf den Atomunfall zurückzuführen sei. Aber: "Im Arzneimittelwerk in Palomares wird über verunreinigte Luftfilter, in denen sich regelmäßig Americium verfängt, geklagt. Vor drei Jahren ließ die Energiebehörde in Palomares eine Herde Schafe notschlachten, die auf kontaminierten Wiesen graste. Physiker aus Barcelona fischten radioaktives Plankton vor Palomares aus dem Meer. Als 2006 auch noch strahlende Schnecken eingesammelt wurden, ließ die Regierung Land enteignen und einzäunen." Die radioaktive Belastung ist weitflächiger als angenommen, weshalb von der Region 2011 eine erneute Dekontaminierung gefordert wurde.[5]

Neue Sanierungsmaßnahmen ab 2015

Auf dem Gelände stehen mittlerweile Ferienwohnungen, und es wird vermutet, dass unter der Erde noch ein halbes Kilo Plutonium liegt. Die USA haben Spanien bislang nicht bei dessen Bergung unterstützt.[2]

Dazu gab es im Januar 2011 eine Anfrage an die Europäische Kommission. "Laut einem Bericht der spanischen Tageszeitung El País vom 10. Dezember 2010 zeigen von WikiLeaks veröffentlichte Depeschen, dass sich die USA an der Dekontamination von Palomares nicht beteiligen werden, obwohl dort nach wie vor 0,5 kg Plutonium lagern und ungefähr 50 000 m³ Boden kontaminiert sind."[6] In seiner Antwort lehnte der ehemalige EU-Kommissar Günther Oettinger eine Kommentierung von Wiki-Leaks-Depeschen ab.[7]

Die USA konnten sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. 2015 kam es zu Verhandlungen mit Spanien, die im Oktober zu einer neuen Vereinbarung führte. Beide Länder einigten sich darauf, dass die Absturzstelle noch einmal saniert werden soll. 1.400 Tonnen verseuchtes Erdreich werden möglicherweise zur Endlagerung in die USA transportiert. Wer die "Kosten der Nachsorge, der Überwachung und die künftige medizinische Untersuchung der betroffenen Anwohner" trägt, muss noch geklärt werden.[1]

→ Wikipedia: Palomares
→ AtomkraftwerkePlag: Spanien

(Letzte Änderung: 18.01.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 n-tv.de: Bomber-Absturz über Palomares - Atomunfall verfolgt die US-Regierung vom 19. Oktober 2015
  2. 2,0 2,1 Schweizer Fernsehen: US-Atomunfall: Plutonium in Spaniens Erde vom 1. März 2011 (via WayBack)
  3. DER SPIEGEL 4/1986: Wie Versuchskaninchen vom 20. Januar 1986
  4. heise.de: USA zahlen nicht mehr für Atomwaffenunfall vom 29. August 2010
  5. Welt Online: Als vier US-Bomben Palomares radioaktiv verseuchten vom 16. Januar 2011
  6. Europäisches Parlament: Betrifft: Dekontamination von Palomares und WikiLeaks vom 24. Januar 2011
  7. Europäisches Parlament: Answer given by Mr Oettinger on behalf of the Commission vom 1. März 2011

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