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Philippsburg II (Baden-Württemberg)

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Reaktoren in Betrieb > Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.468 MW • Typ: PWR • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 7. Juli 1977 • Inbetriebnahme: 13. Dezember 1984 •[1][2]
Abschaltung: 31. Dezember 2019[3]


Reaktor im Rheingraben

20111023Kernkraftwerk Philippsburg05.jpg

AKW Philippsburg

Der Druckwasserreaktor Philippsburg II (KKP-2) mit einer Leistung von 1.468 MW befindet sich auf einer Insel im Rhein, 30 km nördlich von Karlsruhe in Baden-Württemberg. Er ist am 13. Dezember 1984 in Betrieb gegangen. Eigentümer ist die EnBW AG, Betreiber deren Tochter EnBW Kernkraft GmbH (EnKK).[1][4] Hersteller war die Kraftwerk Union (KWU).[2] Am gleichen Standort befindet sich der 2011 abgeschaltete Siedewasserreaktor Philippsburg I. 2006 wurde am Standort ein Zwischenlager mit einer Kapazität von 152 Castoren für maximal 40 Jahre in Betrieb genommen.[5]

Risiken und vertuschte Störfälle

Geologen weisen schon seit vielen Jahren darauf hin, dass die Reaktoren im Rheingraben, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis, nur auf Erdbeben mit der Stärke 4,5 bis 5,5 auf der Richterskala ausgelegt sind. Im Rheingraben wurden jedoch im Jahr 1356 Stärken von 6,5 bis 6,7 erreicht, 1775/56 von 6,1. Solche Erdbeben könnten sich jederzeit wieder ereignen.[6]

Laut Bundesamt für Strahlenschutz gab es bislang 244 meldepflichtige Ereignisse, womit der Reaktor zusammen mit Grohnde (Niedersachsen) Platz 1 in der Pannenstatistik belegt (Stand: 2. August 2015).[7]

Besonders hervorzuheben sind mehrere Vorfälle aus dem Jahre 2001. "Im August 2001 wurde der Reaktor hochgefahren, obwohl (unbemerkt) das Notkühlsystem nicht in Funktion war. Auch nachdem dies zwei Wochen später bemerkt wurde, blieb Block 2 rechtswidrig angeschaltet. Die folgenden Untersuchungen ergaben, dass das Notkühlsystem über Jahre hinweg nicht ordnungsgemäß befüllt war. Bei Problemen mit der Neutronenregulation kann dies zum Super-GAU führen."[8] Es wurde festgestellt, dass jahrelang "Füllstände in den Flutbehältern des Not- und Nachkühlsystems" und die Borsäurekonzentration unterschritten wurden.[9] Hinzuzufügen bleibt, dass der Betreiber diesen Vorfall von 2001 der Aufsichtsbehörde nicht gemeldet hatte.[10]

Im März 2011 geriet Philippsburg II neuerdings in die Schlagzeilen, da drei meldepflichtige Ereignisse aus den Jahren 2009 und 2010 nicht der Atomaufsicht gemeldet wurden. Die Wahrheit kam es erst durch ein anonymes Schreiben ans Licht. "Als besonders schwerwiegend wird (…) der dritte Fall vom 19. Januar 2010 eingeschätzt, der demnach drei Tage anhielt: Es hätten wegen eines Fehlers sämtliche drei Notfallkühlsysteme maximal für eine Stunde funktioniert. Wäre das Hauptkühlsystem ausgefallen, hätte es keine ausreichende Kühlung für den Reaktor gegeben." Es kam der Verdacht auf, die baden-württembergische Landesregierung habe EnBW gedeckt.[11][12]

Im Dezember 2012 erhoben Mitarbeiter des AKW Philippsburg schwere Vorwürfe gegen den Betreiber EnBW. Insbesondere seit der Abschaltung von Phillipsburg I "werde bei Sicherheitsmaßnahmen geschludert, die Atomaufsicht getäuscht, Zwischenfälle würden verschwiegen. Der Konzern wiegelt ab, doch das Umweltministerium in Stuttgart ist alarmiert."[13]

Neuere Ereignisse

Am 5. Oktober 2013 wurde der Reaktor wegen eines Brennelements mit erhöhtem Edelgasaustritt vorübergehend vom Netz genommen, Das Brennelement wurde ausgetauscht. Beim anschließenden Absaugen der Luft aus den Rohrleitungen des Primärkreislaufes stiegen die Emissionen laut Betreiber geringfügig an.[14]

Im März 2014 wurde an einer Schweißnaht im Abgassystem ein Leck entdeckt, das einen Druckabfall verursachte.[15]

Am 26. September 2014 wurde ein neuer Transformator von Philippsburg II vom Netz genommen und zur Prüfung an den Hersteller in Nürnberg transportiert. Der Trafo war erst bei der Revision 2014 eingebaut worden, hatte aber Auffälligkeiten gezeigt und war gegen einen Ersatztransformator ausgetauscht worden.[16]

Kein vorzeitiges Betriebsende, direkter Rückbau

Am 6. Oktober 2014 erklärte EnBW, dass Philippsburg II trotz sinkender Margen bis zum Ende der festgelegten Laufzeit (Ende 2019) weiterbetrieben werden solle. Eine vorzeitige Abschaltung sei nicht geplant.[17]

Schon zwei Jahre zuvor hatte EnBW in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass es sich für den direkten Rückbau der AKW Neckarwestheim und Philippsburg entschieden hat und auch entsprechende Unterlagen für Neckarwestheim II und Philippsburg II erarbeitet.[18]

Am 18. Juli 2016 reichte die EnBW Kernkraft GmbH Anträge zu Stilllegung und Rückbau der AKW Neckarwestheim II und Philippsburg II beim Umweltministerium in Stuttgart ein.[19]

Weitere Links

→ EnBW: Kernkraft (Informationen des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Philippsburg I (Baden-Württemberg)
Philippsburg II abschalten! (Kampagne der Südwestdeutschen-Anti-Atom-Initiativen)

Fernsehbeitrag

  • Vertuschte Pannen und Störfälle im AKW Philippsburg
    "Warum pries die Deutsche Bundesregierung deutsche Atomkraftwerke stets als so sicher an, wenn jetzt dringende Sicherheitsüberprüfungen angeordnet sind? Hat sie Gefahren ausgeblendet als sie längere Laufzeiten beschloss? Drei Monate neues Nachdenken hat sich Schwarz-Gelb verordnet; so lange bleiben acht Meiler abgeschaltet, manche davon wohl ganz. Das alles, weil das Schlimmste ja offenbar möglich sei, so die bemerkenswerte politische Begründung für das Wendemanöver." Quelle: YouTube
Vertuschte Pannen & Störfälle im AKW Philippsburg09:04

Vertuschte Pannen & Störfälle im AKW Philippsburg

ZDF, Frontal 21 vom 15. März 2011

(Letzte Änderung: 08.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 26. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. BfS: Laufzeiten deutscher Kernkraftwerke abgerufen am 16. Juni 2015
  4. EnBW: Kernkraft abgerufen am 23. Juli 2014
  5. EnBW AG: Kernkraftwerk Philippsburg Standortzwischenlager abgerufen am 15. August 2013
  6. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 49.
  7. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 2. August 2015
  8. BUND: AKW Philippsburg 2 (Baden-Württemberg) abgerufen am 2. Oktober 2012
  9. Wikipedia: Atomkraftwerk Philippsburg abgerufen am 2. Oktober 2012
  10. Mitteldeutsche Zeitung: Verspätete Meldungen von Störfällen in deutschen AKW vom 4. Juli 2007
  11. taz.de: Pannen-AKW Philippsburg alarmiert Berlin - Im Zweifel für die Vertuschung vom 15. März 2011
  12. Stuttgarter Zeitung: "Kaskadenversagen" im Reaktor vom 3. April 2012
  13. Spiegel Online: AKW Philippsburg - Mitarbeiter werfen EnBW Atom-Schludereien vor vom 13. Dezember 2012
  14. lifepr.de: Kernkraftwerk Neckarwestheim: Block II wieder am Netz vom 11. November 2013
  15. Stuttgarter Zeitung: Leck an Abgassystem vom 12. März 2014
  16. ka-news.de: Auf Nummer sicher: EnBW zieht 384 Tonnen schweren Trafo vom Netz vom 26. September 2014
  17. Rhein-Neckar-Zeitung: Philippsburg/Neckarwestheim: EnBW plant keine vorzeitige Abschaltung von Atomkraftwerken vom 6. Oktober 2014
  18. EnBW: Rückbaustrategie verabschiedet: EnKK stellt Weichen für direkten Rückbau ihrer Kernkraftwerke vom 2. August 2012
  19. nuklearforum.ch: Deutschland: Stilllegungs- und Abbaugesuche für KKP-2 und GKN-2 eingereicht vom 22. Juli 2016

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