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Atomkraftwerke Plag

Philippsburg I (Baden-Württemberg)

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Reaktoren außer Betrieb > Philippsburg I (Baden-Württemberg)

Siedewasserreaktor • Leistung: 926 MW • Typ: BWR-69 • Hersteller: AEG/KWU •
Baubeginn: 1. Oktober 1970 • Inbetriebnahme: 9. März 1979 • Abschaltung: 6. August 2011 •[1][2]
Beginn Rückbau: 2017 • Ende Rückbau: offen


Stilllegung nach 32 Jahren Betrieb

20111023Kernkraftwerk Philippsburg05.jpg

AKW Philippsburg

Der Siedewasserreaktor Philippsburg I (KKP-1) liegt auf einer Insel im Rhein, nur 30 km nördlich von Karlsruhe, und wird von der EnBW-Tochter EnBW Kernkraft GmbH (EnKK) betrieben. Eigentümer ist die EnBW AG.[3] Eine zweite, 1971 bestellte baugleiche Einheit Philippsburg I-2 wurde 1975 verworfen. [2] Später wurde dort jedoch der leistungsstärkere Druckwasserreaktor Philippsburg II errichtet.

Philippsburg I (KKP 1) besaß eine Leistung von 926 MW, wurde am 9. März 1979 ans Netz genommen und ging am 6. August 2011 (offizieller Termin wegen der Änderung des Atomgesetzes) außer Betrieb.[1] Hersteller waren AEG/Kraftwerk Union (KWU).[2]

Seit Inbetriebnahme sind laut Bundesamt für Strahlenschutz 366 meldepflichtige Ereignisse registriert worden (Stand: 2. August 2015).[4] Im November 2001 wurde beispielsweise durch das Stuttgarter Umweltministerium gemeldet, dass kontaminiertes Wasser ausgetreten war.[5] Da "eine Pumpe bei der jährlichen Überprüfung am Schnellabschaltsystem nicht abgestellt wurde", flossen Im April 2004 30.000 Liter radioaktives Wasser in den Rhein. EnBW meldete den Störfall erst einen Tag später der Atomaufsicht.[6]

Geologen wiesen schon seit vielen Jahren darauf hin, dass die Reaktoren im Rheingraben, Neckarwestheim, Philippsburg und Biblis, nur auf Erdbeben mit der Stärke 4,5 bis 5,5 auf der Richterskala ausgelegt sind. Im Rheingraben wurden aber im Jahre 1356 bereits Stärken von 6,5 bis 6,7 erreicht, 1775/76 von 6,1. Solche Erdbeben könnten sich jederzeit wieder ereignen.[7]

Direkter Rückbau geplant

Am 2. August 2012 gab der Konzern EnBW in einer Pressemitteilung bekannt, dass er sich für den direkten Rückbau der Atomkraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim entschieden hat. "Sowohl sicherheitstechnische als auch ökonomische Aspekte sprechen aus unserer Sicht für den unmittelbaren Rückbau und damit gegen den sogenannten sicheren Einschluss." Für die Erstellung der Genehmigungsanträge für Neckarwestheim I und Philippsburg I rechnet EnBW zwei Jahre; in den kommenden Jahren sollen auch entsprechende Unterlagen für Neckarwestheim II und Philippsburg II erarbeitet werden, die 2022 bzw. 2019 vom Netz gehen sollen. Die Kosten für den Rückbau seien durch Rückstellungen gedeckt.[8]

Mit dem Rückbau der abgeschalteten Reaktoren Neckarwestheim I und Philippsburg I kann nach Einschätzung von EnBW frühestens ab 2017 begonnen werden. "Neckarwestheim (GKN I) und Philippsburg (KKP 1) sind im »Nachbetrieb«. Nicht mehr benötigte Systeme werden außer Betrieb genommen und Komponenten dekontaminiert. (…) Die hochradioaktiven Brennelemente werden nach früheren EnBW-Angaben zunächst in Castoren zwischengelagert, bevor sie irgendwann in ein Endlager kommen. Für den Rückbau seiner Atommeiler hat der drittgrößte deutsche Stromkonzern knapp 6,6 Milliarden Euro zurückgestellt." Der BUND wirft EnBW mangelnde Transparenz beim Ablauf des Rückbaus und der Planung von Zwischenlagern vor.[9]

Im Mai 2013 reichte EnBW Anträge für die offizielle Stilllegung der AKW Neckarwestheim I und Philippsburg I sowie für Rückbaumaßnahmen beim Umweltministerium in Stuttgart ein. Für den Zeitraum des Rückbaus plant der Konzern die Einrichtung temporärer Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Abfall an den Standorten.[10]

Der Dienstleistungskonzern Bilfinger soll EnBW beim Rückbau der AKW Philippsburg I und Neckarwestheim I unterstützen.[11]

Im September 2015 beauftragte der Betreiber EnKK das Unternehmen Westinghouse, den Reaktordruckbehälter einschließlich der Einbauten und der Peripherie zu zerlegen.[12]

Weitere Links

→ EnBW: Kernkraft (Informationen des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Philippsburg II (Baden-Württemberg)

Fernsehbeiträge

  • Vertuschte Pannen und Störfälle im AKW Philippsburg
    "Warum pries die Deutsche Bundesregierung deutsche Atomkraftwerke stets als so sicher an, wenn jetzt dringende Sicherheitsüberprüfungen angeordnet sind? Hat sie Gefahren ausgeblendet als sie längere Laufzeiten beschloss? Drei Monate neues Nachdenken hat sich Schwarz-Gelb verordnet; so lange bleiben acht Meiler abgeschaltet, manche davon wohl ganz. Das alles, weil das Schlimmste ja offenbar möglich sei, so die bemerkenswerte politische Begründung für das Wendemanöver." Quelle: YouTube
Vertuschte Pannen & Störfälle im AKW Philippsburg09:04

Vertuschte Pannen & Störfälle im AKW Philippsburg

ZDF, Frontal 21 vom 15. März 2011


(Letzte Änderung: 08.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 27. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 2,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. EnBW: Kernkraft abgerufen am 23. Juli 2014
  4. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 2. August 2015
  5. NWZ Online: 3000 Störfälle in deutschen Kernkraftwerken seit 1965 vom 10. August 2006
  6. Focus Online: Hintergrund: Störfälle in deutschen AKW vom 14. März 2011
  7. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 49.
  8. pressrelations.de: Rückbaustrategie verabschiedet: EnKK stellt Weichen für direkten Rückbau ihrer Kernkraftwerke vom 2. August 2012
  9. Reutlinger General-Anzeiger: Atommeiler werden frühestens ab 2017 abgerissen vom 23. November 2012
  10. Focus Online: EnBW gibt Startschuss für Abriss von abgeschalteten Atommeilern vom 6. Mai 2013
  11. Focus Online: Bilfinger soll EnBW bei AKW-Rückbau helfen vom 4. September 2013
  12. nuklearforum.ch: Rückbau Philippsburg-1: Auftrag an Westinghouse vom 16. September 2015

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