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Atomkraftwerke Plag

Pierer, Heinrich von

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Die Lobbyisten > Pierer, Heinrich von

Vorstandsvorsitzender eines Atomkonzerns

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Heinrich von Pierer

Heinrich von Pierer, vom 1. Oktober 1992 bis zum 27. Januar 2005 Vorstandsvorsitzender und anschließend Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens[1], hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Siemens und die Konzerntochter Kraftwerk Union (KWU) Weltgeltung als Hersteller von Atomkraftwerken und anderen nuklearen Anlagen erlangen konnten. → AtomkraftwerkePlag: Siemens und KWU

Von 1977 bis 1987 hatte Pierer bei der Kraftwerk Union bereits nukleare Großprojekte kaufmännisch betreut.[2]

1992, nachdem Siemens infolge der Tschernobyl-Katastrophe erste Einbrüche im Atomgeschäft erlitt, warb Heinrich von Pierer in einem Interview mit dem "Spiegel" für die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke und forderte Atomkraftexperten auf, die Ängste bei den Menschen vor der Atomenergie abzubauen. Wie in USA, Japan, Frankreich und Großbritannien, wo neue Atomkraftwerke gebaut würden, werde sich auch in Deutschland die Einstellung zu Atomkraft wieder ändern.[3]

1992 wollte Siemens das stillgelegte MOX-Brennelementewerk von ALKEM im Hanauer "Atomdorf" durch eine neue, gleichartige Anlage ersetzen, das Projekt scheiterte jedoch u. a. am Widerstand der Anwohner.[4] Im Dezember 2003 reisten Gerhard Schröder und Heinrich von Pierer nach Peking, um das MOX-Brennelementewerk an China zu verkaufen, womit sie einen Koalitionsstreit mit den Grünen auslösten. Obwohl die Verhandlungen abgebrochen wurden, hielt Pierer an seinem Exportantrag fest.[5]

1997, als der Bau einer Brennelementefabrik in Hanau am Widerstand von Politik und Wirtschaft scheiterte, schien Pierer vorübergehend einen Ausstieg aus der Atomkraft erwogen zu haben. "In kleiner Runde rechnet der Chef des Weltkonzerns Siemens gern vor, das Nukleargeschäft des Elektromultis mache etwa 2 Prozent des Umsatzes aus, aber 90 Prozent des Ärgers."[6]

1999 setzte sich Pierer jedoch beim Club of Rome für die Rückkehr zu Atomkraft ein, "da das "schwerwiegende Risiko einer Klimaveränderung" durch den Einsatz fossiler Brennstoffe nicht länger hingenommen werden könne."[2]

Pierer fordert Laufzeitverlängerung

2005, nachdem Pierer den Vorstandsvorsitz aufgegeben hatte und Aufsichtsratsvorsitzender bei Siemens geworden war, forderte er eine Neubewertung der Atomkraft. Er propagierte eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke und verwies auf die Diskussion in den USA über Laufzeiten von 60 Jahren. "Aber reicht es aus zu sagen, wir fördern die regenerative Energie? Warum setzen wohl die Amerikaner, die Chinesen, die Finnen und Franzosen auf die Kerntechnik? Weil diese Technologie ihre Renaissance erleben wird."[7] Der damalige Bundesumweltminister Trittin kritisierte in einer Pressemitteilung, dass Pierer, der zu jener Zeit CDU-Innovationsberater war, als "Lobbyist der Atomkonzerne" agiere.[8]

2006 bekräftigte er seine Forderung nach Laufzeitverlängerungen. "In Frankreich oder den USA würden die Atomkraftwerke "wahrscheinlich 60 Jahre" betrieben, so von Pierer weiter. In Deutschland werde durch die frühere Abschaltung dagegen "Volksvermögen in einer Größenordnung von 30 Milliarden Euro vernichtet"."[9]

2007 beteiligte sich Heinrich von Pierer an einer Anzeigenkampagne der Atomindustrie und bediente sich des beliebten Arguments der Atombefürworter, es drohe ohne die Atomkraft ein Klimakollaps´. Man habe die "Wahl zwischen dem Restrisiko einer nach menschlichem Ermessen beherrschbaren Kernenergie und dem Hundert-Prozent-Risiko einer nicht mehr beherrschbaren, da das globale Klima gefährdenden Energieversorgung durch fossile Brennstoffe".[10]

2009 flog auf, dass Siemens sein Auslandsgeschäft durch massive Schmiergeldzahlungen gefördert hatte, u. a. auch für den Bau von Atomkraftwerken. Die Verhandlungen zum Atomkraftwerk in Buschehr mit dem Iran hatte Pierer in den 1970er Jahren geleitet. Für das Projekt flossen 266,6 von ursprünglich 400 Mio. Deutsche Mark als Schmiergeld. Pierer behauptet bis heute, nichts davon gewusst zu haben.[11]Korruption und Drehtür - Siemens

→ Wikipedia: Heinrich von Pierer

(Letzte Änderung: 06.01.2017)

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Heinrich von Pierer abgerufen am 23. November 2013
  2. 2,0 2,1 manager magazin: Atomkraft, ja bitte! vom 27. April 2001
  3. DER SPIEGEL 12/1992: Das Rennen geht weiter - Siemens-Vorstand Heinrich von Pierer über Schmiergeld, Zukunftstechnologien und Kernkraft vom 16. März 1992
  4. strom magazin: Abriss von Hanauer Atomfabrik geht in die letzte Phase vom 21. März 2005
  5. FAZ.net: "Die Dinge werden geprüft" vom 28. April 2004
  6. DER SPIEGEL 43/1997: Von hinten erwischt vom 20. Oktober 1997
  7. Handelsblatt: "Wir müssen mehr experimentieren" vom 31. August 2005
  8. BMU: Längere AKW-Laufzeiten sind das Gegenteil von Erneuerung vom 31. August 2005
  9. strom magazin: Atom-Ausstieg vernichtet Volksvermögen vom 25. September 2006
  10. Spiegel Online: Klimaschutz: Atom-Manager rechnen falsch vom 12. Februar 2007
  11. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. S138-141.

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