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Atomenergie in Europa > Schweden > Ringhals (Schweden)

1 Siedewasserreaktor, 3 Druckwasserreaktoren •
Leistung: 910 MW/847 MW/1.117 MW/1.168 MW • Typ: ABB-I/W (3-loops)/W (3-loops)/W (3-loops) •
Hersteller: ASEA ATOM (Ringhals-1)/Westinghouse (Ringhals-2 bis -4) •
Baubeginn: 1969/1970/1972/1973 • Inbetriebnahme: 1973/1974/1980/1982 •[1][2]
Geplante Abschaltung: 2019 (Ringhals-2)/2020 (Ringhals-1)/offen/offen


Zwei Altreaktoren aus den 1970er Jahren

Ringhals Vattenfall.jpg

AKW Ringhals (Schweden)

Das Atomkraftwerk Ringhals befindet sich an der schwedischen Westküste, 60 Kilometer südlich der Stadt Göteborg.[3][4]

Am Standort werden ein Siedewasserreaktor und drei Druckwasserreaktoren betrieben, von denen die beiden älteren seit 1973 und 1974, die beiden jüngeren seit 1980 und 1982 Strom liefern. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Ringhals AB.[1] Deren Anteile gehören zu 70,4 % Vattenfall und zu 29,6 % der E.ON Kärnkraft Sverige AB. Die Eigentümer lassen seit 2007 "Modernisierungsmaßnahmen in den Bereichen Umweltschutz und Sicherheit, Laufzeitverlängerung und Verstärkung der Schutzeinrichtungen" durchführen.[5] Hersteller waren ASEA ATOM (Ringhals-1) und Westinghouse (Ringhals-2 bis -4).[2]

Greenpeace fordert die sofortige Schließung der Reaktoren in Ringhals, die wegen "technischer Mängel und einer schlechten Sicherheitskontrollkultur eine große Gefahr für die Bevölkerung in Schweden und seine Nachbarländer" darstellen. Auch sei das AKW laut EU-Stresstest unzureichend gegen Überschwemmungen und Erdbeben gesichert, der Schutz gegen Terrorismus mangelhaft.[6]

Nach einer Meldung vom 2. Februar 2015 haben die Swedish Radiation Safety Authority (SSM) und Vattenfall ihre Vorbereitungen für den Bau eines neuen Atomkraftwerks am Standort Ringhals ausgesetzt. Hintergrund ist, dass die neue schwedische Regierung einen Stopp aller geplanten AKW-Neubauten beschlossen hat.[7]

Vorzeitige Schließung von Ringhals-1 und -2

Am 28. April 2015 gab Vattenfall bekannt, die Altreaktoren Ringhals-1 und -2 wegen mangelnder Rentabilität 2018 und 2020 schließen zu wollen, und nicht wie zuvor geplant erst 2025. Die Einheiten 3 und 4 sollen hingegen bis 2040 weiterbetrieben werden.[8] Als Grund für die geplante Schließung wird das Überangebot an Strom aus erneuerbaren Energien genannt.[9]

Am 15. Oktober 2015 bekräftigte die Ringhals AB in einer außerordentlichen Sitzung die Entscheidung vom April. Ringhals-2 soll 2019, Ringhals-1 2020 endgültig abgeschaltet werden.[10]

Missstände und Zwischenfälle

Die Liste der Missstände im Vattenfall-AKW Ringhals ist, wie auch bei den deutschen AKW Krümmel (Schleswig-Holstein) und Brunsbüttel (Schleswig-Holstein), lange. Anbei nur einige Beispiele für den leichtsinnigen Umgang des Konzern mit seinen Atommeilern.

2006 ereignete sich eine Explosion in Ringhals-3.[11] Am 14. November 2006 brannte ein Transformatorenhaus in der Nähe des Reaktors, der automatisch heruntergefahren wurde.[12] 2007 fasste man mehrere betrunkene Arbeiter auf dem Kraftwerksgelände. "Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 wurden 60 Zwischenfälle auf dem Werksgelände gemeldet, unter ihnen zwei der höchsten Gefahrenkategorie".[11] Die schwedische Aufsichtsbehörde stellte das AKW unter verschärfte Aufsicht.[13]

Im Frühjahr 2011 brach in Ringhals-2 ein Feuer wegen eines Staubsaugers aus. "Der vergessene Staubsauger hatte im Zusammenhang mit einem Belastungstests des inneren Stromkreises in dem Reaktor zu einem Kurzschluss im System geführt und Feuer gefangen." Vattenfall und E.ON kostete der Schaden fast 200 Mio. Euro.[14]

Im September 2011 mussten alle Ringhals-Reaktoren wegen Schlampereien abgeschaltet werden. Man hatte in Rohren des Notkühlsystems Hinterlassenschaften von Schweißarbeiten aus den 1980er Jahren gefunden. "Bei einem Ausfall des normalen Kühlsystem hätte dieser Müll Rohrteile oder Filter verstopfen und die Funktion des Notkühlsystems entscheidend beeinträchtigen können."[15]

Im Juni 2012 wurde wenige Tage nach einer Störung "ziviler Sprengstoff" auf dem Gelände des Ringhals-Reaktors gefunden – angeblich bestand keinerlei Gefahr.[16]

Im Oktober 2012 drangen Greenpeace-Aktivisten in das AKW ein und wurden erst 27 Stunden später entdeckt, nachdem sie sich selbst telefonisch beim Schwedischen Rundfunk gemeldet hatten. "Die Aktion zeigt nach Ansicht der Umweltschützer, wie schlecht es um die Sicherheit bei den Atomreaktoren bestellt ist." Die schwedische Umweltministerin rief die Betreiber zum Rapport.[17]

Im Dezember 2012 drang Meerwasser in das Innere der Anlage ein, das AKW wurde abgeschaltet. Auch das war laut der schwedischen Atombehörde TT wieder völlig gefahrlos.[18]

Im Juni 2013 brach in der Turbinenhalle des AKW Feuer aus.[19]

Schon seit 2005 kämpft der Betreiber mit undichten Stellen im Reaktor Ringhals-2. Derartige Vorfälle traten 2011 sowie zuletzt im September und Oktober 2014 auf. Aus Kostengründen dürfte laut Betreiber und Experten eine Abschaltung die wahrscheinlichste Lösung sein.[20]

→ Vattenfall: Kernkraftwerk Ringhals (Informationen des Betreibers)

(Letzte Änderung: 16.11.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Sweden abgerufen am 1. Juni 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Ringhals 1, Sweden abgerufen am 9. April 2016
  4. Vattenfall: Kernkraftwerk Ringhals abgerufen am 28. April 2015
  5. Vattfenfall: Ringhals abgerufen am 28. April 2015 (viaWayBack)
  6. Tagesspiegel: Mythos Atomkraft vom 4. Oktober 2012
  7. nuklearforum.ch: Ringhals-Ausbaupläne gestoppt vom 2. Februar 2015
  8. Focus Online: Energie-Konzern hat massive Probleme - Vattenfall streicht 1000 Jobs vom 28. April 2015
  9. nzz.ch: Stromschwemme in Nordeuropa vom 30. Mai 2015
  10. nuklearforum.ch: Schweden: nach Oskarshamn nun auch Stilllegungsentscheid für Ringhals-1 und -2 vom 20. Oktober 2015
  11. 11,0 11,1 Zeit Online: "In einem Kernkraftwerk darf es keinen Sprengstoff geben" vom 21. Juni 2012
  12. Hamburger Abendblatt: Fünf Störfälle durch Brände in Kernkraftwerken vom 30. Juni 2007
  13. Spiegel Online: Behörde stellt Vattenfall-Atomkraftwerk unter schärfere Kontrolle vom 8. Juli 2009
  14. ORF: Kurzschluss im System ausgelöst vom 14. November 2011
  15. taz: AKW-Kontrollen in Schweden - 20 Jahre Schlamperei vom 19. September 2011
  16. Focus Online: Alarm in Atomkraftwerk - Sprengstoff in schwedischem AKW entdeckt vom 21. Juni 2012
  17. FR Online: Aktivisten gelangen unbemerkt in AKW vom 10. Oktober 2012
  18. Focus Online: AKW Ringhals bei Göteborg - Meerwasser eingedrungen – Schweden schaltet Atomreaktor ab vom 21. Dezember 2012
  19. Radio Schweden: Schäden in schwer zugänglichem Bereich - Brand im AKW Ringhals vom 12. Juni 2013
  20. Radio Schweden: Leck im Atomkraftwerk Ringhals vom 8. Oktober 2014

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