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Siemens und KWU

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Die Konzerne > Siemens und KWU

Hersteller fast aller deutschen Reaktoren

Der Siemens-Konzern hatte als Hersteller von Atomkraftwerken Jahrzehnte lang eine unangefochtene Monopolstellung in Deutschland. Im Auftrag der deutschen Energiekonzerne hat Siemens über sein Tochterunternehmen KWU bis auf wenige Ausnahmen alle Atomkraftwerke in Westdeutschland entwickelt. Eine genaue Aufstellung ist auf den folgenden Seiten zu finden.

→ BFS: Kernkraftwerke in Deutschland (via Wayback)
→ IAEO: Country Nuclear Power Profiles 2014 - Germany (via WayBack)

Kraftwerk Union (KWU)

Der Einstieg von Siemens ins Nukleargeschäft begann 1953, als das Unternehmen eine Arbeitsgruppe "Kernenergie" ins Leben rief. 1955 gründete Siemens zusammen mit AEG-Telefunken, BASF, Bayer, Degussa, Hoechst und der Metallgesellschaft die Arbeitsgemeinschaft "Atomenergie".[1]

Nachdem Siemens und AEG zunächst separat im Atomgeschäft tätig gewesen waren, gründeten sie 1969 das gemeinsame Tochterunternehmen Kraftwerk Union (KWU) in Mülheim/Ruhr und legten 1970 ihre Produktions- und Forschungsstätten zusammen.[2] Aufgrund finanzieller Probleme übertrug die AEG im November 1976 ihren Anteil an der KWU auf Siemens.[3]

Die KWU stieg in der Folge zum weltweit führenden Hersteller für Atomkraftwerke auf. Mitte der 1970er Jahre betrieb Siemens auch das Konzept des Brennelementekreislaufs und beteiligte sich an NUKEM und ALKEM. Der Konzern übernahm später das Brennelementewerk in Lingen und war Alleineigentümer der Interatom, die für Entwicklung und Betrieb des Schnellen Brüters von Kalkar zuständig war.[4]

Auslandsgeschäft mit Makel

Central Nuclear Atucha I - II.jpg

AKW Atucha (Argentinien)

Siemens/KWU war auch im Ausland tätig. Um an Aufträge zu gelangen, half der Konzern oft mit Bestechung nach, wie später aufgedeckt wurde.

1969 wurde mit dem Iran unter dem Schah-Regime ein Vertrag in Höhe von 12 Mrd. Deutsche Mark für den Bau von zwei Buschehr-Reaktoren vereinbart, und es flossen Schmiergelder von 266,6 Mrd. Deutsche Mark an den Iran.[5] 1974 wurde mit dem Bau begonnen, nach der Revolution zog sich Siemens jedoch zurück, und Russland übernahm 1995 die Fertigstellung.[6]

Siemens errichtete die Atomkraftwerke Borssele (Niederlande 1973), Atucha-1 (Argentinien 1974), Gösgen (Schweiz 1979) und Trillo-1 (Spanien 1988).[7] Siemens war darüber hinaus auch am Bau des brasilianischen Atomkraftwerks Angra beteiligt. Auch für diese Projekte flossen üppige Schmiergelder.[8]

Niedergang nach Three Mile Island

In immer größere Schwierigkeiten kam Siemens/KWU, als nach dem Atomunfall Harrisburg/Three Mile Island die Atomkraft in Verruf kam und 1982 der letzte Neubau bestellt wurde. Nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 wurden neben dem Schnellen Brüter auch andere Großprojekte auf Eis gelegt, und nach dem Wahlsieg von Rot-Grün 1998 wurde der Neubau von Atomkraftwerken grundsätzlich aufgegeben.[9]

1999 kündigte Siemens einen Stellenabbau bei KWU an, da das Atomgeschäft wegen der Liberalisierung der Märkte und fehlender Aufträge eingebrochen war.[10] Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der 1977 bis 1987 bei der KWU Großprojekte betreut hatte, setzte sich 1999 beim Club of Rome unbeirrt für die Rückkehr zu Atomkraft ein, "da das "schwerwiegende Risiko einer Klimaveränderung" durch den Einsatz fossiler Brennstoffe nicht länger hingenommen werden könne."[11]

Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors

Die letzte Hoffnung der Siemens-Atomkraftsparte war die Entwicklung des Europäischen Druckwasserreaktors (ERP) zusammen mit der französischen Framatome seit 1992. Der Reaktor sollte absolut katastrophensicher sein, auch eine Kernschmelze sollte aufgrund eines speziellen Containments unmöglich werden.[12] Jedoch häuften sich die Defekte und Konstruktionsfehler, und die Kosten für Entwicklung und Bau der EPR Flamanville in Frankreich und Olkiluoto in Finnland explodierten aufgrund immer neuerer Verbesserungsmaßnahmen. 2001 fusionierten der Nuklearbereich von Siemens und der Framatome ANP, und der Name Siemens verschwand. Siemens war noch bei der Entwicklung der Reaktorentypen SWR-1000 und WWER-640 und am Bau des slowakischen AKW Mochovce in der Nähe von Wien beteiligt – dank großzügiger Finanzspritzen der Bayerischen Staatsregierung und Hermes-Bürgerschaften der Bundesregierung.[13]

2006 nannte sich Framatome ANP in AREVA NP um. 2009 löste Siemens sein Joint Venture mit AREVA und unterzeichnete eine Absichtserklärung mit dem russischen Konzern Rosatom.[14] Der damalige Siemens-Chef Peter Löscher, auf der Suche nach neuen Geschäften in Russland, erklärte im gleichen Jahr, bestehende russische AKW seien "absolut sicher". Diese Äußerung bezeichnete der russische Atomphysiker Wladimir Kusnezow, der fünf Jahre Ingenieur im Unglücksreaktor Tschernobyl und danach Inspektor der Atomaufsicht war, als "im besten Fall ignorant".[15]

All das half nicht mehr viel. Nach mehr als 50 Jahren erklärte am 18. September 2011 Löscher den Rückzug von Siemens aus dem Atomgeschäft. Es sollen keine neuen Atomkraftwerke mehr gebaut werden, und auch die geplante Kooperation mit Rosatom kam nicht zustande.[1] Der Siemens-Chef Joe Kaeser bekannte sich im Februar 2014 zum Atomausstieg des Konzerns; als Grund gab er den Atommüll an, der bei der Nutzung der Atomkraft entstehe.[16]

→ udo-leuschner.de: Aufstieg und Niedergang der nukleartechnischen Kompetenz von Siemens
→ AtomkraftwerkePlag: Pierer, Heinrich von

(Letzte Änderung: 29.12.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 manager magazin: Siemens steigt aus der Atomkraft aus vom 18. September 2011
  2. DER SPIEGEL 51/1973: Groß im Rennen vom 17. Dezember 1973
  3. DER SPIEGEL 47/1976: Ausverkauf bei AEG vom 15. November 1976
  4. udo-leuschner.de: Aufstieg und Niedergang der nukleartechnischen Kompetenz von Siemens abgerufen am 14. November 2013
  5. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 137ff.
  6. Rianovosti: Iran will drei weitere Atomreaktoren in Bushehr vom 28. Juni 2013 (via WayBak)
  7. IPPNW: Atomkonzern Siemens abgerufen am 13. November 2011
  8. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 140ff.
  9. FAZ.net: Siemens und die Kernkraft - Was bedeutet KWU? vom 7. April 2013
  10. Spiegel Online: Siemens: KWU baut 1220 Stellen ab vom 15. Juni 1999
  11. manager magazin: Atomkraft, ja bitte! vom 7. April 2001
  12. DER SPIEGEL22/1997: Zähmung der Strahlenlava vom 26. Mai 1997
  13. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 142ff.
  14. Sascha Adamek: Die Atomlüge. Heyne, München 2011, S. 147
  15. Welt Online: Atom-Allianz mit den Russen droht das Scheitern vom 9. Mai 2009
  16. Handelsblatt: Joe Kaeser bekennt sich zum Atom-Ausstieg vom 10. Februar 2014

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