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Zur Person

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Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn wird als Ökonom wahrgenommen, der sich in den Medien öffentlichkeitswirksam zu wirtschaftspolitischen Themen äußert und deswegen auch schon als "Boulevardprofessor" bezeichnet worden ist.[1] Dass er darüber hinaus ein überzeugter Anhänger der Atomkraft ist, ist weniger bekannt.

Sinn propagiert zwar die Vorzüge der liberalen Marktwirtschaft, wenn es aber um Atomkraft geht, verschweigt er, dass diese seit Jahrzehnten mit Milliarden subventioniert wird. Die Risiken der Atomenergie werden in seinen Äußerungen ebenfalls nicht thematisiert. Er benutzt die gleichen Gemeinplätze wie andere Atomlobbyisten, zeigt sich aber wortgewandter.

Auffällig ist, dass sein Eintreten für die Atomkraft in früheren Jahren zeitlich mit den öffentlichen Kampagnen der Atomwirtschaft zur Bundestagswahl 2009 und zur Laufzeitverlängerung 2010 zusammenfällt.

Hans-Werner Sinn war vom März 1999 bis März 2016 Präsident des ifo Instituts.[2]

→ Wikipedia Hans-Werner Sinn

2008

Im Juli 2008, als die Bundestagswahl 2009 näher rückte, schaltete sich Hans-Werner Sinn in die energiepolitische Diskussion mit einem Artikel ein, in dem er den Atomkurs europäischer Nachbarländer lobte und Deutschland wegen seines Atomausstiegs als "Geisterfahrer" bezeichnete. Der "grüne Starrsinn" sei nicht kostengerecht, überall herrschten "Illusionen und Pragmatismus", Windräder würden die Landschaft verschandeln. Der Atomstrom sei wesentlich günstiger.[3] Ähnlich äußerte er sich in seinem Im November 2008 veröffentlichten Buch "Das grüne Paradoxon - Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik". In einem Artikel zum Buch arbeitet das "Deutschlandradio" Widersprüche in seiner Argumentation heraus. So verschweigt er beispielsweise Terrorgefahren oder die Milliardensubventionen für Atomkraftwerke. "Hans-Werner Sinn treibt populistische Stimmungsmache."[4]

2009

Im Februar 2009 hielt Sinn eine Rede auf der Wintertagung des Deutschen Atomforums, der wichtigsten deutschen Atomlobbyorganisation, in der er längere Laufzeiten für unverzichtbar, das EEG für wirkungslos bezeichnete.[5]

2010

Als die Diskussion um die Laufzeitverlängerung im Sommer 2010 sich ihrem Höhepunkt näherte, unterstützte Sinn nicht nur die Position der Atomwirtschaft in dieser Frage, sondern forderte den Bau neuer Atomkraftwerke und benutzte einen Gemeinplatz, der mittlerweile längst widerlegt ist: "Die Kernenergie sei "eine konkurrenzlos billige Form der Stromerzeugung"." Außerdem sei Atomkraft "grüne Technologie", da sie keinen CO2-Ausstoß verursache.[6]

2011

TV-Super-GAU Hans-Werner Sinn erklärt Fukushima zum Produkt der Medien01:03

TV-Super-GAU Hans-Werner Sinn erklärt Fukushima zum Produkt der Medien

ZDF, Maybrit Illner, hochgeladen am 15. April 2011 auf YouTube

Angesicht der Fukushima-Katastrophe veröffentlichte Sinn im März 2011 einen Artikel im "Handelsblatt", in dem er vor einem schnellen Atomausstieg warnte und diesen als "Energiewende ins Nichts" bezeichnete. Nur Atomkraft könne eine zuverlässige Energieversorgung gewährleisten. "Wer glaubt, durch den Ausbau grüner Energiequellen ließe sich eine moderne Industriegesellschaft versorgen, verweigert sich der Realität." Sinn lobte den Atomstrom in Frankreich als vorbildlich. Als Alternative zur Atomkraft komme künftig nur die Kernfusion in Frage.[7] In einer Gästerunde bei Maybritt Illner im April 2011 nannte Sinn die Ausstiegspläne "hysterisch". Auf Kritik stieß sein Vergleich, dass beim Bergbau jährlich Zehntausende von Menschen sterben würden, in Fukushima bislang keine Todesfälle aufgetreten seien.[8] Siehe dazu auch den obigen Fernsehbeitrag.

Ab Juli 2011, als der Atomausstieg politisch beschlossen war, kritisierte Sinn auch die Umsetzung der Energiewende. "Ifo-Chef Hans-Werner Sinn fordert, die bisherige Art der Ökostromförderung zu kippen. Ausgerechnet das EEG mache den grünen Strom kaputt - in ganz Europa."[9] Er bezeichnete Deutschland erneut als energiepolitischen "Geisterfahrer", erneuerbare Energien könnten Atomstrom und andere Energieformen nicht ersetzen. "In Frankreich sei das angesichts eines Atomstromanteils von drei Vierteln anders. Auf französischen Straßen würden dann zwar Atomautos fahren, die aber keine Klimaschäden bewirkten. Der Bundesregierung warf Sinn eine zum Scheitern verurteilte Planwirtschaft vor."[10] In einem Streitgespräch behauptete er, dass der Markt über die Energieerzeugung entscheiden solle und es keine Planwirtschaft geben dürfe. Dass Jahrzehnte lang die Atomwirtschaft von der Politik geplant und subventioniert wurde, verschwieg er. Es bestünde aber keine Blackoutgefahr, denn, wie Sinn polemisch hinzufügte: "Wir haben ja zum Glück den tschechischen und den französischen Atomstrom. Der wird uns schon die Lampen und den Fernseher nicht ausgehen lassen."[11]

2012

Auch 2012 hat Sinn seine Ansichten beibehalten, wie Äußerungen von 2012 bei einer Buchvorstellung[12] und einem Interview in der Zeitschrift "et" zeigten, in dem er erneut die Förderung von Atomkraft und Kernfusion forderte.[13][14]

2013

2013 sprach er sich in einem Gastbeitrag im "Focus" für einen Stopp der Energiewende und sicherere Atomkraftwerke aus.[15] Dies artikuliert er auch in seinem 2013 erschienenen Buch "Verspielt nicht eure Zukunft".[16]

In einem Interview mit der atomfreundlichen Zeitung "Die Welt" im Mai 2013 polemisierte Sinn mit religiöser Terminologie gegen die Energiewende. Windkraftwerke seien "Sakralbauten zur Befriedigung grüner Glaubensbekenntnisse". Die Energiewende führe zu einer Deindustrialisierung und gehöre zu den "Sünden, die wir gegenüber unseren Nachkommen begehen."[17]

2014

Energiewende ins Nichts01:36:26

Energiewende ins Nichts

veröffentlicht am 3. November 2014 auf YouTube

Auch Anfang 2014 plädierte Hans-Werner Sinn wieder für eine Rückkehr zur Atomkraft. Die Einstellung der Deutschen zur Atomenergie sei irrational und von Ideologie getrieben. Die Förderung der erneuerbaren Energien müsse beendet werden.[18] Beim Konjunkturgespräch der IHK Schwaben bezeichnete Sinn erneuerbare Energien als "Zappelstrom" und sprach von einer "Energiewende ins Nichts", wofür er von Sachverständigen, Wissenschaftlern und Demonstranten kritisiert wurde. Die IHK wies darauf hin, der "politische Wille" zur Energiewende werde von ihr unterstützt.[19]

In einem Interview mit dem "manager magazin" im Februar bezeichnete Sinn die Energiewende als Irrweg. "Langsam wird klar, dass der Strom aus Wind- und Solarkraftwerken ziemlich nutzlos ist. Er destabilisiert das Netz, und er verschandelt die Landschaft." Atomkraft, so Sinn, war die "einzige Hoffnung der Menschheit".[20]

Im Juni 2014 verwendete Sinn in einem Artikel mit dem Titel "Putin und der Zappelstrom" den Konflikt in der Ukraine und um die Krim als Argument, den Atomausstieg in Deutschland zu überdenken. Dieser verringere die Versorgungssicherheit und erhöhe die Abhängigkeit von russischem Erdgas und Erdöl.[21]

In einem Interview im September 2014 hielt er es für unwahrscheinlich, dass Deutschland seine AKW bis 2022 ausschalten werde, und verwies auf Schweden, dessen Ausstiegspläne schon zweimal verworfen wurden. Die Energiewende könne nur weltweit verwirklicht werden.[22] Hier ist anzumerken, dass der Atomaussteig in Schweden gerade in die dritte Runde geht; in Italien dürfte er nach der zweiten Volksabstimmung wohl endgültig sein.

2015

Im Mai 2015 sah Sinn die Energiewende bereits an ihre Grenzen stoßen. Ein weiterer Ausbau erneuerbarer Energien sei nicht möglich, da es keine Speichermöglichkeiten gebe.[23] Als Alternative schlug er wieder einmal die Atomkraft vor und verwies auf China, wo jeden Monat ein neues AKW in Betrieb gehe. Die "taz" stellte richtig: "2014 waren es fünf, 2013 nur zwei und 2012 gar keins".[24]

(Letzte Änderung: 25.10.2016)

Einzelnachweise

  1. heise.de: Deutscher Ökonomenkrieg vom 8. Juli 2012
  2. CES ifo Group Munich abgerufen am 25. Oktober 2016
  3. business-on.de Hans-Werner Sinn - Geisterfahrer Deutschland vom 22. Juli 2008
  4. dradio.de Egoismus als Ausweg aus der Klimakrise vom 11. November 2008
  5. taz.de Atomtagung und der Protest - Antritt zur Entscheidungsschlacht vom 5. Februar 2009
  6. Süddeutsche.de Ifo-Chef Sinn: Baut neue Atomkraftwerke! vom 19. Juli 2010
  7. Handelsblatt Energiewende ins Nichts vom 29. März 2011
  8. Spiegel Online Atomdebatte bei Illner: Wir sind das Volt vom 15. April 2011
  9. manager magazin online Niedrigerer Strompreis - Ifo-Chef Sinn fordert Aus für das EEG vom 14. Juli 2011
  10. Badische Zeitung Auch die Wissenschaftler streiten über die Energiewende vom 25. Juli 2011
  11. IHK München und Oberbayern Streitgespräch - „Eine Verschandelung der bayerischen Landschaft wird es nicht geben“ vom September 2011
  12. Tagesspiegel Sinnsuche im grünen Paradoxon vom 18. Februar 2012
  13. et-engergie-online.de: "Zu viele unrealistische Hoffnungen und zu wenig Pragmatismus" - Interview mit Hans-Werner Sinn Ausgabe 1/2 2012
  14. etvessen.com: Ausgabe 1/2 2012
  15. Focus Online Wir brauchen eine klügere Politik Seite 2, vom 6. Mai 2013
  16. empfohlene-wirtschaftsbuecher.de: Verspielt nicht eure Zukunft! abgerufen am 27. Juli 2013
  17. Welt Online "Deutschland kann auch ohne den Euro existieren" vom 6. Mai 2013
  18. Wall Street Journal: Hans-Werner Sinn will Rückkehr zur Atomkraft vom 1. Februar 2014
  19. Augsburger Allgemeine: Hans-Werner Sinn misstraut dem "Zappelstrom" vom 20. Februar 2014
  20. manager magazin: ifo-Chef Sinn zur Energiewende - "Die einzige Hoffnung der Menschheit war die Atomkraft" vom 5. Februar 2014
  21. MMnews: Putin und der Zappelstrom vom 17. Juni 2014
  22. wsj.de: Sinn: "Energiewende funktioniert nur weltweit" vom 13. September 2014
  23. Deutsche Welle: Energiewende - Chance oder Risiko? vom 18. Mai 2015
  24. taz.de: Symposium in Berlin - Energiewende ohne Sinn vom 13. Mai 2015

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