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Atomenergie in Europa > Spanien

Sieben Reaktoren in Betrieb

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Königlicher Palast und Almudena-Kathedrale in Madrid (Spanien)

Mit der Einführung der Atomkraft begann Spanien in den frühen 1950er Jahren und war 1957 ein Gründungsmitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO).[1][2]

Am 17. Januar 1966 stürzte ein Langstreckenbomber der USA über Palomares ab, wobei zwei Wasserstoffbomben zerplatzten und die Umgebung mit Plutonium radioaktiv verseuchten:
Palomares, Spanien 1966.

In den 1960er und 1970er Jahren wurden zunächst diverse kommerzielle Atomkraftwerke errichtet. 1983 wurde jedoch aufgrund eines neuen Energieplans der damaligen spanischen Regierung ein Moratorium (Baustopp) für die AKW Valdecaballeros, Lemóniz und Trillo-2 in Kraft gesetzt. 1994 wurden diese Projekte endgültig aufgegeben.[1]

Derzeit liefern in Spanien sieben Reaktoren an den fünf Standorten Almaraz, Ascó, Cofrentes, Trillo und Vandellós Energie. Zwei ältere Reaktoren wurden stillgelegt: José Cabrera-1 (Betrieb: 1968 bis 2006) und Santa María de Garoña (Betrieb: 1970 bis 2013). Der letzte Neubau wurde 1988 in Betrieb genommen.[3]

Die Betriebsgenehmigungen der meisten spanischen AKW enden laut WNA 2020/2021. Die Lizenz für das AKW Trillo sollte ursprünglich im November 2014 auslaufen,[4] wurde zum besagten Termin jedoch um weitere zehn Jahre verlängert.

Die schwersten zivilen Atomunfälle waren ein Turbinenbrand, der sich 1989 im Reaktor Vandellós-1 ereignete und bei dem nur mit Glück ein GAU verhindert werden konnte, sowie ein Austritt radioaktiven Wassers im Reaktor Ascó.

Standorte mit aktiven Reaktoren:
Almaraz
Ascó
Cofrentes
Trillo
Vandellós

Standorte mit stillgelegten Reaktoren:
José Cabrera
Santa María de Garoña

Standorte mit nicht realisierten Reaktoren:
→ Cabo Cope[5]
Escatrón
Lemóniz
Regodola
Santillán
Sayago
Valdecaballeros

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Spanien besaß auch vier Forschungsreaktoren, die alle stillgelegt wurden.[6]

Aufgegebene Reaktoren

1995 und 1996 wurden die geplanten AKW Sayago (930 MW) und Regodola (1.075 MW) aufgegeben.[7] Ebenfalls nicht realisiert wurden geplante Einheiten an den Standorten Cabo Cope, Escatron und Santillan.[8]

Erneuerbare Energien oder Rückkehr zur Atomkraft?

In einer Meldung vom Oktober 2011 wurde darauf hingewiesen, dass die spanische Bevölkerung die Atomenergie mit klarer Mehrheit ablehnt. Auch die Regierung spricht sich zwar seit Jahren offiziell gegen Atomkraft aus, verfolgt aber keinen Ausstiegsplan und exportiert weiterhin Nukleartechnologie in Entwicklungsländer.[9] Der energiepolitische Kurs Spaniens ist derzeit nicht klar ersichtlich.

Im ersten Quartal 2013 konnte Spanien etwa die Hälfte seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien decken. Da zu viel Strom produziert wird, sollte die Grundlast der Atomkraftwerke um 20 % gesenkt werden.[10] 2013 wurden die erneuerbaren Energien zum ersten Mal zur wichtigsten Quelle für die Energieerzeugung und haben die Atomkraft knapp überholt.[11]

Am 29. Januar 2014 verkündete die spanische Regierung jedoch, dass die Atomkraftwerke nicht wie vorgesehen dieses Jahr vom Netz gehen sollen, sondern zwanzig Jahre länger laufen sollen als geplant. Die Atomindustrie verlangt im Gegenzug Rechtssicherheit und eine Schadenersatzklausel.[12]

Die kanarische Insel El Hierro wollte noch 2014 zu 100 % auf Ökostrom umzusteigen. Fünf Windräder gehen ans Netz, überschüssige Energie wird in einem Pumpspeicherwerk gespeichert. Da mehr als 600 Mio. Menschen auf weltweit 175.000 Inseln wohnen, wird die Insel von vielen Regierungsvertretern anderer Staaten besucht.[13]

Für die Zukunft wird wegen Überkapazitäten und Sparzwängen mit einer Verzögerung der Energiewende gerechnet; im Mai 2014 wurde sogar eine Wiederinbetriebnahme des 2013 stillgelegten AKW Santa María de Garoña diskutiert.

Umstrittenes Zwischenlager

Im Juli 2015 berichtete "heise.de", dass die konservative Volkspartei offenbar noch vor den Wahlen im Herbst den geplanten Standort Villar de Cañas in Kastilien-La Mancha als Zwischenlager für Atommüll durchdrücken und nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde CSN eine Umweltverträglichkeitsprüfung abgeben möchte. Umweltschützer kritisieren, dass der Untergrund des Standortes noch nicht geotechnisch überprüft wurde und es sich um ein Überschwemmungsgebiet handelt; erst kürzlich sei das Gelände überflutet worden. Unter Verschluss gehaltene Studien weisen darauf hin, dass bei einem Unfall wegen unterirdischer Quellen eine Verseuchung von Trinkwasser drohe.[14]

Als Reaktion darauf weitete die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha 2015 ein Naturschutzgebiet aus, das damit auch den geplanten Standort des Zwischenlagers umfasste, und blockierte so das Vorhaben.[15]

Weitere Links

Ecologistas en Acción (Zusammenschluss von 300 ökologischen Gruppen in Spanien)
→ AtomkraftwerkePlag: Atommüll und Endlagerung in Europa: Spanien
→ AtomkraftwerkePlag: Palomares, Spanien 1966
→ AtomkraftwerkePlag: Uranabbau in Spanien


(Letzte Änderung: 25.06.2017)

Einzelnachweise

  1. IAEO: Country Nuclear Power Profiles/Spain abgerufen am 14. Februar 2015
  2. IAEO: Member States abgerufen am 11. März 2016
  3. IAEO/PRIS: Spain abgerufen am 10. Dezember 2013
  4. WNA: Spain abgerufen am 20. Juni 2014
  5. WNA: Save search (Verschobene und aufgegebene AKW weltweit) abgerufen am 19. Februar 2016 (via WayBack)
  6. IAEO: Research Reactors/Countries: Spain abgerufen am 4. April 2014
  7. IAEO: REGODOLA und SAYAGO abgerufen am 28. Februar 2016(via WayBack)
  8. WNA: Save search (Verschobene und aufgegebene AKW weltweit) abgerufen am 19. Februar 2016 (via WayBack)
  9. presseeurop: Ja zur Atomkraft, aber bitte nicht bei uns vom 4. Oktober 2011 (via WayBack)
  10. heise.de: Portugal deckt 70% des Stroms über erneuerbare Energien vom 3. April 2013
  11. diepresse.com: Wind in Spanien erstmals wichtigste Energiequelle vom 15. Januar 2014
  12. FAZ.net: Spanische Energiewende zurück zur Atomkraft vom 29. Januar 2014
  13. green-wiwo.de: Kanaren-Insel setzt auf 100 Prozent Grünstrom vom 19. Mai 2014
  14. heise.de: Mit Vollgas zum spanischen Atomlager vom 18. Juli 2015
  15. heise.de: "Krieg" um das spanische Atomlager vom 30. Juli 2015

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