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Atomenergie in Europa > Frankreich > Superphénix/Creys-Malville (Frankreich)

Schneller Brüter • Leistung: 1.242 MW • Typ: Na-1200 • Hersteller: NOVATOME •
Baubeginn: 13. Dezember 1976 • Inbetriebnahme: 7. September 1985 •
Abschaltung: 31. Dezember 1998[1][2]


Schneller Brüter an der Rhône

Superphenix reactor east closed up

AKW Superphénix (Frankreich)

Das Atomkraftwerk Superphénix, auch Creys-Malville genannt, ist ein stillgelegter Schneller Brüter, der sich bei der gleichnamigen Gemeinde im ostfranzösischen Département Isère an der Rhône befindet, östlich von Lyon und nordwestlich von Genf. Superphénix besaß eine Leistung von 1.242 MW und wurde vom 7. September 1985 bis zum 31. Dezember 1998 betrieben – zeitweise, da er viele Jahre stillstand und faktisch schon Ende 1996 abgeschaltet wurde. Eigentümer und Betreiber ist die Électricité de France (EDF).[1][3] Hersteller war NOVATOME.[2]

Grundlagen für die Anlage waren deutsch-französische Vereinbarungen zur Errichtung von zwei Schnellen Brütern, Superpénix in Frankreich und Kalkar in Deutschland. Die politische Entscheidung für den Bau und den Standort Creys-Malville fiel 1976. Der öffentliche Widerstand gegen das Projekt war von Anfang an groß: 1975 protestierten 20.000 Menschen, im selben Jahr drückten 1.300 Wissenschaftler ihre Bedenken in einem Brief an die Regierungen von Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz aus. 1977 protestierten 50.000 Menschen, wobei die Polizei Granaten einsetzte, ein Demonstrant getötet und viele andere verletzt wurden.[4]

Am 18. Januar 1982, während der Bauphase, wurden von Antiatom-Aktivisten fünf Raketen auf den Brüter abgefeuert, die zwar wenig Schaden anrichteten, aber viel öffentliche Aufmerksamkeit erregten.[4]

Hohe Kosten, Sicherheitsrisiken und Störfälle

Die französische Politik hatte Superphénix in höchsten Tönen angepriesen: "Er wird uns Energiereserven verschaffen", frohlockte der damalige Präsident Valéry Giscard d'Estaing, "die vergleichbar sind mit jenen Saudi-Arabiens."[5]

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme ereignete sich jedoch der Unfall von Tschernobyl, die Uranpreise fielen und es entstanden Überkapazitäten am Energiemarkt. Superphénix produzierte nur in den Jahren 1986, 1987, 1989, 1990, 1995 und 1996 Strom, und das nur zu einem Bruchteil dessen, was in der Theorie prognostiziert worden war. Die übrige Zeit stand der Reaktor still.[4]

Superphénix löste große Sicherheitsbedenken aus, weil er mit 5.000 Tonnen reaktionsfreudigem Natrium und mit hochradioaktivem Plutonium arbeitete. Am 3. April 1987 wurde an einem Brennstofflagertank ein Leck entdeckt, aus dem Natrium freigesetzt wurde. Die Ursache war ein Materialfehler.[4] 1995 musste der Reaktor wegen eines Lecks im Kühlkreislaufs vorübergehend heruntergefahren werden.[6]

Der Brüter erwies sich als unrentabel, da zum einen genug günstiges Uran als Brennstoff zur Verfügung stand und zum anderen immer aufwändigere und teurere Sicherheitssysteme notwendig wurden – wegen der schnellen Elektronen, der Hitze im Kern und des explosiven Kühlmittels Natrium. Mit Superphénix wurden umgerechnet rund 18 Mrd. Deutsche Mark (davon 9 Mrd. Baukosten) in den Sand gesetzt.[7] Eine von der französischen Regierung eingesetzte Wissenschaftler-Kommission kam zum Ergebnis, dass der Schnelle Brüter sich weder zur Stromerzeugung noch als "Plutoniumfresser" eigne.[5]

Ende des Feuervogels

Hohe Kosten, geringer Ertrag und massive Widerstände führten schließlich dazu, dass Superpénix ein schnelles Ende fand. Der Reaktor wurde Weihnachten 1996 zur Wartung heruntergefahren und ging danach nie mehr in Betrieb. Erst 2008, zehn Jahre nach einem Stilllegungsdekret des Premierministers und der offiziellen Abschaltung laut IAEO, fiel die politische Entscheidung, den Reaktor nie wieder zu starten. Der Rückbau der Anlage soll 2025 abgeschlossen sein.[4]

Am 1. Dezember 2015 wurde der Auftrag für den Rückbau der Einbauten im Reaktordruckbehälter an AREVA vergeben.[8]

→ Zeit Online: Langsam stirbt der Schnelle Brüter vom 16. September 1988
The Story of the European Fast Reactor Cooperation vom Dezember 1993

(Letzte Änderung: 17.04.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/France abgerufen am 11. Februar 2015
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Super Phenix, France abgerufen am 9. April 2016
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 princeton.edu: Fast Breeder Reactors in France vom 9. April 2009
  5. 5,0 5,1 Zeit Online: Der atomare Nichtsnutz - Gnadenstoß für Frankreichs schnellen Brüter vom 18. Oktober 1996
  6. DER SPIEGEL 46/1995: Keine Zukunft für den Superbrüter? vom 13. November 1995
  7. DER SPIEGEL 6/1997: Phönix in der Asche vom 3. Februar 1997
  8. AREVA: AREVA wins contract to dismantle the vessel internals of the Superphénix reactor vom 1. Dezember 2015

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