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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Indien > Tarapur (Indien)

2 Siedewasserreaktoren/2 Schwerwasserreaktoren •
Leistung: 160 MW/160 MW/540 MW/540 MW • Typ: 2 x BWR-1, Mark 2 und 2 x Horizontal Pressure Tube •
Hersteller: GE (Tarapur-1 und -2); DAE (Tarapur-3 und -4) • Baubeginn: 1964/1964/2000/2000 •
Inbetriebnahme: 1969/1969/2006/2005 •[1][2] Abschaltung: offen


Tarapur-1 und -2 dienstälteste Reaktoren Indiens

Model of Tarapur Atomic Power Station

Modell des AKW Tarapur (Indien)

Das Atomkraftwerk Tarapur befindet sich im Bundesstaat Maharashtra im Westen Indiens.[3]

Indien betreibt dort zwei Siedewasserreaktoren mit einer Leistung von je 160 MW, die 1969 in Betrieb gegangen und damit die ältesten in Indien sind. Tarapur-1 war das Kraftwerk, in dem zum ersten Mal Atomstrom in Indien produziert wurde (Datum: 1. April 1969). Außerdem werden dort seit 2005 und 2006 zwei Schwerwasserreaktoren mit einer Leistung von je 540 MW betrieben.

Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Nuclear Power Corporation of India. Hersteller von Tarapur-1 und -2 war General Electric, von Tarapur-3 und -4 das indische Department of Atomic Energy.[1][2]

Laut einer Meldung vom Mai 2015 ist eine Erweiterung des Standorts um zwei Einheiten mit insgesamt 1.000 MW geplant; ein Zeitplan dafür wurde nicht angegeben.[4]

→ Nuclear Power Corporation of India Ltd.: Plants Under Operation/All Plants (Informationen des Betreibers)

Radioaktive Verseuchung 1989 und andere Störfälle

1989 berichtete der "Spiegel", dass im indischen AKW Tarapur nach einem Störfall die radioaktive Verseuchung um den Faktor 500 über dem Limit der Grenzwerte der USA für eigene Reaktoren lag.[5] Das Gebäude des Reaktors war aufgrund einer gebrochenen Gummidichtung überflutet worden. Hunderte von Kubikmetern radioaktiven Wassers gelangten in die Umgebung, und größere Erdflächen mussten abgetragen werden.[6] Drei Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden stark erhöhter Strahlung ausgesetzt. "Experten nennen die Reaktoren eine "Todesquelle"; außer Tschernobyl seien sie "die am meisten verseuchten KKW der Welt"."[7]

Im Mai 1992 wurden am AKW Tarapur wegen eines Leitungsschadens 12 Curie Radioaktivität freigesetzt.[8]

Verarmung, Vertreibung und Krankheiten

High Power Trailer02:43

High Power Trailer

"Tarapur Nuclear Power Plant is India's first nuclear power plant established around 50 years ago, displacing few villages near town named Tarapur. Once a protagonist visits those villages. He observes the situation of thousands of displaced people and he finds that the displaced people lost their land, homes, sea and almost everything but they didn't get proper compensation, instead they got many deceases, which were unknown to them earlier."

Die 2013 gedrehte Dokumentation "High Power" verdeutlichte in Interviews die verheerenden Auswirkungen des AKW Tarapur auf die Menschen, die seit 1999 gegen die Anlage protestieren, und das rücksichtlose Vorgehen der indischen Staatsmacht. Die Polizei vertrieb sie aus ihren Ortschaften und beseitigte ihre Häuser mit Bulldozern.

"Das heiße Kühlwasser vernichtete alle Fische in den Küstengewässern, sodass die Fischer mit Motorbooten weit hinausfahren müssen, um nur wenige winzige Fische zu fangen, die keiner kaufen will. Die meisten Dorfbewohner wurden arbeitslos und verarmten. Viele leiden an vorher unbekannten Krankheiten wie Krebs, Herz-, Atemwegs- und Nierenleiden, Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, hoher Säuglingssterblichkeit, Gehirnschäden und Behinderungen. Bäume und Früchte wachsen deutlich langsamer und werden nur noch halb so groß, sodass sich die Ernte halbierte."[9]

Regisseur des in Indien verbotenen Films ist Pradeep Indulkar, der zwölf Jahre lang als Ingenieur an einem indischen Atomforschungszentrum arbeitete, bevor er zum Anti-Atomkraft-Aktivisten wurde. Er setzt sich auch gegen den geplanten Bau des Atomkraftwerks Jaitapur ein.[10]

→ Indian Television: Indian short on Tarapur power plant gets Yellow Oscar vom 7. Juni 2013

Wiederaufbearbeitungsanlagen

In Tarapur befindet sich die Wiederaufarbeitungsanlage PREFRE (Power Reactor Fuel Reprocessing), mit deren Bau 1969 begonnen war. Sie wurde ab 1977 betrieben, erreichte aber lange Zeit wegen mangelhafter Bahnverbindung und technischer Probleme nicht die geplante Kapazität.[11]

Am Standort soll eine weitere Wiederaufarbeitunganlage errichtet werden: Integrated Nuclear Recycle Plant (INRP).[12]

(Letzte Änderung: 30.12.2016)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/India abgerufen am 3. Juli 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA: Nuclear Power in India abgerufen am 21. August 2014
  4. zeenews.india.com: Two more power units to be added to Tarapur Atomic Plant vom 22. Mai 2015
  5. DER SPIEGEL 2/1989: Jede Menge vom 9. Januar 1989
  6. DER SPIEGEL 17/1987: Mir läuft der kalte Schauer über den Rücken vom 20. April 1987
  7. DER SPIEGEL 1/1988: Lustgewinn wie auf einem Nagelbrett vom 4. Januar 1988
  8. Greenpeace: Accidents at nuclear power plants in India abgerufen am 22. August 2014
  9. bkz-online.de: Betrogen, vertrieben, krank und verarmt vom 27. September 2013
  10. Bamberger Onlinezeitung: Uranium Film Festival zu Gast in Bamberg abgerufen am 22. August 2013
  11. NTI: Power Reactor Fuel Reprocessing Plant vom 1. September 2003
  12. NetIndian: HCC wins Rs 942.58 crore contract from BARC for Nuclear Recycle Plant at Tarapur vom 12. Oktober 2015

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