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Atomtransporte > Transporte auf Straßen

Bereits im Februar 1998 gab es unter Helmut Kohl einen großen Skandal, da Transportbehälter mit abgebrannten Brennelementen, die nach Frankreich unterwegs waren, an der Außenseite stark radioaktiv kontaminiert waren. Die Grenzwerte wurden mit bis zu 13.400 Becquerel erheblich überschritten. Dies war den Betreibern und Behörden seit langem bekannt, wurde aber verschwiegen. Die damalige Bundesumweltministerin Merkel ließ die Transporte aufgrund des großen Aufsehens in den Medien stoppen.[1]

Im Februar 2012 beantragte E.ON den Transport hochradioaktiver Mischoxidbrennelemente in Nordrhein-Westfalen, die das AKW Grohnde versorgen sollen. Diese enthielten "bis zu 400 Kilogramm Plutonium (…). Angelandet werden soll das Gift in einem belgischen Hafen - um das an der Weser liegende AKW Grohnde zu erreichen, führen die Transportrouten dann durch die Ballungsräume des bevölkerungsreichsten Bundeslands NRW. (...) Auch Rot-Grün in NRW müsse jetzt ein Verbot durchsetzen, fordern Atomkraftgegner wie etwa Matthias Eickhoff von der Initiative Sofortiger Atomausstieg. "Die Atomkatastrophe von Fukushima hat gezeigt, dass MOX-Brennelemente absolut unbeherrschbar sind", sagt Eickhoff. Außerdem sei Plutonium zum Bau von Atombomben nutzbar. "[2]

Immer wieder kommt es vor, dass bei Atommülltransporten die Vorschriften nicht eingehalten werden, wie z. B. im Juli 2011: "Einen Transporter mit radioaktivem Stoff haben am Dienstag Spezialkräfte der Polizei Bremen aus dem Verkehr gezogen. Die Fracht war nicht vorschriftsmäßig gelagert worden (...). Der 50 Jahre alte Fahrer aus Celle habe jedoch die für den Transport erforderliche Genehmigung und die schriftlichen Weisungen nicht dabei gehabt. Beide werden im Falle eines Unfall benötigt. (...) Das Versandstück selbst wurde in einem Metallschrank transportiert - war jedoch ungenügend gesichert und konnte sich deswegen frei hin und her bewegen (...) Der Fahrer hatte zudem Lenk- und Ruhezeiten nicht eingehalten."[3]

Darüber hinaus werden hochgiftige radioaktive Stoffe in schwer beschädigten LKW befördert, wie ein Vorfall aus dem Jahre 2010 verdeutlicht, bei der die Urananreicherungsanlage in Gronau beliefert werden sollte. Ein völlig maroder, am Gestell durchgerosteter LKW, der hochgiftiges Uranhexafluorid transportierte, wurde von der Polizei aus dem Verkehr gezogen.[4]

Durch das Saarland rollen auf Autobahnen jährlich 50 Atomtransporte. "Die Atomtransporte, die kürzlich [im Februar 2013] an der Goldenen Bremm Rätsel aufgaben, waren mit schwach strahlendem Uranhexafluorid beladen. Angemeldet werden mussten sie nicht – deshalb wusste die Polizei nichts davon."[5]

In einer Stellungnahme vom Februar 2014 geht die Bundesregierung davon aus, dass bis 2016/2017 die Brennelemente aller 2011 vom Netz gegangenen neun Reaktoren in die Zwischenlager überführt werden, damit in diesen Anlagen "Kernbrennstofffreiheit" herrscht. Es sollen ausreichend Transportkapazitäten für die zu entsorgenden Uran- und MOX-Brennelemente zur Verfügung gestellt werden.[6]

2016 wurden in Nordrhein-Westfalen 539 Atomtransporte abgewickelt, die meisten auf Straßen, ein Teil aber auch mit der Bahn. Die meisten Transporte, nämlich 266, entfielen auf die Urananreicherungsanlage Gronau.[7]

Fernsehbeitrag

  • Atomtransporte durch Thüringen
    "Auf unseren Autobahnen wird per LKW täglich radioaktives Material transportiert, von der Öffentlichkeit unbemerkt. Darunter selbst sogenannte Großquelltransporter mit hochstrahlendem Material wie Kobalt 60." Quelle: Video
Atomtransporte durch Thüringen Quelle ZDF03:01

Atomtransporte durch Thüringen Quelle ZDF

ZDF mittagsmagazin, hochgeladen am 17. Dezember 2010 auf YouTube

(Letzte Änderung: 01.07.2017)

Einzelnachweise

  1. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 350f.
  2. taz.de: Plutonium auf der Autobahn - "Absolut unbeherrschbar" vom 24. Februar 2012
  3. NWZ Online: Bremen: Transporter mit radioaktivem Stoff aus Verkehr gezogen vom 13. Juli 2011
  4. heise.de: Atomtransporte in der Kritik vom 29. März 2010
  5. SOL: Jährlich 50 Atomtransporte durchs Saarland vom 1. März 2013
  6. Deutscher Bundestag: Verfügbarkeit und Zulassungssituation von Transport- und Lagerbehältern für abgebrannte Brennelemente aus Atomkraftwerken (Drucksache 18/444) vom 5. Februar 2014
  7. WDR: 539 Atomtransporte rollten 2016 durch NRW vom 22. März 2017

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