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Atomenergie in außereuropäischen Ländern > Japan > Tsuruga (Japan)

1 Siedewasserreaktor, 1 Druckwasserreaktor • Leistung: 357 MW/1.160 MW •
Typ: BWR-2/M (4-loop) • Hersteller: GE (Tsuruga-1); MHI (Tsuruga-2) •
Baubeginn: 24. November 1966/6. November 1982 • Inbetriebnahme: 3. Oktober 1969/28. Mai 1986 •[1][2] Stilllegung: 27. April 2015/offen


Stilllegung von Tsuruga-1 erfolgt, von Tsuruga-2 wegen aktiver Erdspalte wahrscheinlich

Tsuruga Nuclear Power Plant

AKW Tsuruga (Japan)

Der Standort Tsuruga befindet sich an der Westküste Japans, im Norden der Stadt Tsuruga in der Provinz Fukui.[3]

In Tsuruga wurden ab 1969 ein Siedewasserreaktor mit 357 MW und ab 1986 ein Druckwasserreaktor mit 1.160 MW Leistung betrieben. Eigentümer und Betreiber der Anlage ist die Japan Atomic Energy Agency (JAEA).[1] Hersteller waren General Electric (Tsuruga-1) und die Mitsubishi Heavy Industries Ltd. (MHI) (Tsuruga-2) [2]

Tsuruga-1 und -2 sollten eigentlich schon 2010 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt werden. Da sich aber der Baubeginn der lange geplanten neuen Einheiten Tsuruga-3 und -4 (Typ APWR mit je 1.420 MW) verschoben hatte, wurde stattdessen eine Laufzeitverlängerung von Tsuruga-1 bis 2016 beschlossen.[4][2]

Wegen Projektänderungen und erhöhten Anforderungen beim Erdbebenschutz wurde am 21. Februar 2011 (kurz vor Fukushima) der Baubeginn von Tsuruga-3 und -4 auf unbestimmte Zeit verschoben; die Inbetriebnahme sollte im Juli 2017 und Juli 2018 erfolgen.[5]

Tsuruga-1 war zur "regelmäßigen Wartung" schon am 16. Januar 2011 abgeschaltet worden, Tsuruga-2 folgte nach der Fukushima-Katastrophe. Beide Reaktoren haben seitdem keinen Strom mehr produziert.[6]

Am 22. Mai 2013 und am 26. März 2015 bestätigte die Aufsichtsbehörde NRA die Analyse von Experten, dass das  Atomkraftwerk Tsuruga auf einer aktiven Erdspalte steht. Obwohl der Betreiber widerspricht, erscheint eine Wiederinbetriebnahme damit als ausgeschlossen.[7][8]

Am 17. März 2015 wurde bekannt, dass Tsuruga-1 endgültig stillgelegt werden soll. Tsuruga-2 wurde nicht erwähnt.[9] Die Abschaltung von Tsuruga-1 erfolgte offiziell am 27. April 2015.[1] Der Stilllegungsplan wurde am 19. April 2017 von der Nuclear Regulation Authority (NRA) genehmigt; es soll 30 Jahre dauern, bis der Rückbau der Einheit abgeschlossen ist.[10]

Störfälle und Vertuschungsversuche

Tsuruga-1 war 1981 in die Schlagzeilen geraten, als am 8. März aufgrund eines nicht geschlossenen Ventils 40 Tonnen radioaktiven Wassers ins Meer flossen und die Betriebsleitung den Störfall vertuschte. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei 278 Menschen verstrahlt. In Tsuruga-1 hatten sich seit der Inbetriebnahme bereits 31 Unfälle ereignet; erst im Januar 1981 waren heimlich zwei Kühlwasserlecks geflickt worden, ohne dass die Behörden informiert wurden.[11][12][13]

1996 und 1999 kam es jeweils zu Leckagen im Primärkreislauf wegen Rohrrissen, die auf eine fehlerhafte Fabrikation von Rohren zurückgeführt wurden. Der Vorfall am 12. Juli 1999, bei dem ein Rohr eines Wärmetauschers in einer Länge von 8 cm aufriss, führte zu einer Freisetzung von 51 Tonnen Primärkühlwasser in den Reaktorsumpf und wurde mit der INES-Stufe 1 klassifiziert.[14] Nach einer anderen Quelle sind sogar 90 Tonnen radioaktiven Wassers ausgelaufen.[15] Während es anfangs hieß, der Grenzwert für Strahlung sei um das 250fache überschritten worden, wurde später bekannt, dass 46.000 Becquerel pro Quadratzentimeter an einem Boden im Reaktorgebäude gemessen wurden – eine Überschreitung des Grenzwertes um das 11.500fache.[16]

Eine Auflistung von meldepflichtigen Ereignissen in den Jahren 1994 bis 2009 findet man bei der Aufsichtsbehörde NRA. Drei dieser Ereignisse erreichten die INES-Stufe 1, darunter die Leckage von 1999.[17]

Kurz nach dem GAU von Fukushima ereignete sich am 2. Mai 2011 ein Zwischenfall im Reaktor 2. Nach technischen Problemen wurden erhöhte Werte an Jod-133 und Xenon im Kühlwasser gemessen, die auf fehlerhafte Umhüllungen von Brennelementen zurückgeführt wurden. Laut Informationen des Betreibers JAPC seien die Messwerte in der Umgebung nicht angestiegen, der Reaktor wurde jedoch zur Überprüfung abgeschaltet.[18][19]

→ Japan Atomic Power Co.: Tsuruga Power Station Unit 1 und Tsuruga Power Station Unit 2 (Informationen des Betreibers)
→ Nucleopedia: Kernkraftwerk Tsuruga abgerufen am 20. April 2014

(Letzte Änderung: 25.05.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Japan abgerufen am 20. März 2015
  2. 2,0 2,1 2,2 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Tsuruga 1, Japan abgerufen am 9. April 2016
  4. nuklearforum.ch: Laufzeitverlängerung für Tsuruga-1 in Japan vom 4. März 2010
  5. nuklearforum.ch: Japan: Bau von Tsuruga-3 und -4 verschoben vom 24. Februar 2011
  6. CNIC: Nuclear Power Plants Operational Status vom 26. August 2011
  7. Asahi Shimbun: NRA: Tsuruga nuclear plant sits on top of fault vom 22. Mai 2013
  8. Japantoday: Nuclear watchdog says Tsuruga reactor sits atop active fault vom 26. März 2015
  9. world nuclear news: Japan retires more reactors as restarts approach vom 18. März 2015
  10. world nuclear news: Decommissioning plans approved for five Japanese units vom 19. April 2017
  11. DER SPIEGEL 18/1981: Gewisse Gleichgültigkeit vom 27. April 1981
  12. Süddeutsche.de: Die schwersten Atom-Unfälle der vergangenen Jahrzehnte vom 12. März 2011
  13. tagesschau.de: Kosten gescheiterter AKW-Projekte - Milliardeninvestitionen ohne Ertrag vom 2. April 2014
  14. nuklearforum.ch: Japan: Rohrriss im Primärkreis von Tsuruga-2 vom 13. Juli 1999
  15. BBC News: Nuclear leak in Japan vom 13. Juli 1999
  16. Spiegel Online: Leck: Hohe Strahlenbelastung in Japan vom 15. Juli 1999
  17. NRA: Tsuruga Power Station abgerufen am 19. April 2015 (via WayBack)
  18. Spiegel Online: Präfektur Fukui: Behörden vermuten Störfall in japanischem AKW Tsuruga vom 2. Mai 2011
  19. Focus Online: Zwischenfall im japanischen Atomkraftwerk Tsuruga Zwei vom 2. Mai 2011

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