Fandom

Atomkraftwerke Plag

UNSCEAR

997Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare0 Teilen

Die Lobbyorganisationen > UNSCEAR

Geschichte

Flag of the United Nations.jpg

Flagge der Vereinten Nationen (UN)

UNSCEAR (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation) wurde im Jahr 1955 gegründet und ist der wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen (UN). Er befasst sich mit den Auswirkungen atomarer Strahlung und war als Reaktion der UN "auf weit verbreitete Bedenken über die Auswirkungen von Strahlenexpositionen auf die menschliche Gesundheit und auf die Umwelt" gedacht.[1]

UNSCEAR ist in der Folge immer wieder kritisiert worden, die gesundheitlichen Folgen der Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima zu verharmlosen. Als Ursache für diese Tendenz wird vor allem ein Abkommen vom 28. Mai 1958 zwischen der WHO, der Sonderorganisation der Vereinten Nationen (UN), und der IAEO, der wichtigsten internationalen Organisation der Atomlobby gesehen. Darin wird der IAEO ein Vorrang gegenüber der WHO eingeräumt.[2] Die UNSCEAR ist insofern selbst als eine Lobbyorganisation für Atomenergie einzustufen.

UNSCEAR zum Tschernobyl-Gau

Um die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe auf Umwelt und Gesundheit zu klären, war im Februar 2003 das sogenannte Tschernobyl-Forum gegründet worden. Es bestand aus Vertretern von: IAEO, FAO, UN-OCHA, UNDP, UNEP, UNSCEAR, WHO, World Bank sowie Weißrussland, Russland und der Ukraine.[3] Das Tschernobyl-Forum spach 2006 von lediglich 50 Todesfällen, die unmittelbar auf den GAU zurückgeführt werden könnten.[4] Die Zahl von nur 50 Opfern wurde auch in einer UNSCEAR-Studie von 2008 genannt, die 2011 erneut herausgegeben wurde.[5] Die "Zeit" schloss sich im Jahre 2009 kritiklos dem UN-Bericht an und behauptete: "Eine dermaßen gründliche Untersuchung eines Unfalls hat es noch nie gegeben. Ihr Ergebnis widerlegt Mythen."[6]

US-amerikanische und britische Experten gehen im Gegensatz dazu von 900.000 bis 1,8 Mio. Toten infolge des GAU aus, wobei auch zukünftige Todesopfer mit einbezogen werden. Der promovierte Biologe und Mentor der russischen Anti-Atombewegung, Alexej Jablokow, weist zudem darauf hin, dass nicht nur 600.000, wie offiziell behauptet, sondern seinen Berechnungen zufolge 830.000 Liquidatoren (Aufräumarbeiter) eingesetzt wurden. Bis 2006 sind 112.000 bis 125.000 Liquidatoren gestorben, davon 14.000 bis 15.000 direkt an den Folgen der Katastrophe. Der weißrussische Strahlenphysiker Dr. Mikhail Malkow rechnet allein in Europa mit 90.000 Krebserkrankungen. Viel höher dürfte die Anzahl von Todesopfern wegen chronischer Herz-Kreislauferkrankungen sein, die durch Niedrigstrahlung hervorgerufen werden.[7][8]

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW wirft UNSCEAR angesichts der Zahl von nur 50 Opfern vor, bagatellisierende Berichte über die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe zu verbreiten. So behauptet UNSCEAR, dass der GAU außer bei Kindern keine größeren Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen gehabt habe. Im Gegensatz dazu ist jedoch ein deutlicher Anstieg von Schilddrüsenkrebs bei Jugendlichen und Erwachsenen festzustellen. Den Grund für die Verharmlosung sieht IPPNW in der Aufgabe und personellen Zusammensetzung: "Die Mitglieder von UNSCEAR werden nicht z. B. durch einen internationalen Fachkongress gewählt. Vielmehr setzt sich UNSCEAR aus Wissenschaftlern zusammen, welche die Regierungen von 21 Staaten bestimmen, die Atomwaffen besitzen bzw. an der Nutzung der Atomenergie starkes Interesse haben."[9]

Alexej Jablokow, Gründer und Präsident des Zentrums für Russische Umweltpolitik, bezeichnete 2011 die Informationspolitik von IAEO und UNSCEAR als "verharmlosend" und "vertuschend".[10]

Erst im Mai 2011 distanzierte sich WHO-Chefin Chan von den eigenen Zahlen. Sie persönlich glaube nicht, der Unfall in Tschernobyl habe nur 50 Todesopfer gefordert. Und sie räumte ein: "Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung".[11][12]

UNSCEAR zum Fukushima-Gau

Im Mai 2013 erklärte UNSCEAR, dass die Fukushima-Katastrophe keine Erhöhung der Krebserkrankungen zur Folge haben würde. In Artikeln von "Spiegel Online" und "Süddeutsche.de" wurde dies unkommentiert und kritiklos übernommen und als Beweis für die Korrektheit die große Anzahl der mitwirkenden Wissenschaftler hervorgehoben.[13][14]

Laut IPPNW-Bericht vom März 2013 sind dagegen bereits jetzt in Fukushima die Folgen der Katastrophe sichtbar: Geburtenrückgang und erhöhte Säuglingssterblichkeit wie nach Tschernobyl sowie Schilddrüsenzysten bzw. -knoten bei 60.000 Kindern in der Präfektur Fukushima. In Japan "ist aufgrund der erhöhten externen Strahlenbelastung mit 37.899 bis 82.606 Krebserkrankungen und aufgrund der kontaminierten Nahrung mit 37.266 Krebserkrankungen zu rechnen".[15]

Im Juni 2013 wurde im Zusammenhang mit dem Ausströmen radioaktiven Wassers aus Fukushima (Strontium-90) in "n-tv.de" darauf hingewiesen, dass sich der UNSCEAR-Bericht von einem wesentlich kritischeren Report der UN unterscheidet. Der UN-Report attestiert den Menschen, die in der Umgebung von AKW leben, ein erhöhtes Krebsrisiko.[16]

In dem am 25. Oktober 2013 von UNSCEAR veröffentlichten neuen Bericht zu den Folgen der Fukushima-Katastrophe wird wiederum behauptet, dass "kein erkennbarer Anstieg der Krebserkrankungen zu erwarten sei". Die Ärzteorganisation IPPNW bezeichnet diesen Bericht als verharmlosend und nicht unabhängig, da er nur auf Angaben der IAEO, TEPCO sowie der japanischen Atombehörden zurückgreife, nicht aber auf diejenigen neutraler Institute und Forschungseinrichtungen und Berechnungen der WHO. Außerdem schließe der Bericht aus Daten von zwei Jahren auf die Auswirkungen kommender Jahrzehnte, was unseriös sei.[17]

Im April 2014 versuchte UNSCEAR nochmals, die Folgen von Fukushima zu verharmlosen. Sie erwarte "keinen signifikanten Anstieg der Krebsrate". Umweltorganisationen wie Greenpeace kritisierten den neuen Bericht scharf.[18]

Weiteres

Bislang hatte UNSCEAR bei den Strahlenrisiken nicht zwischen Kindern und Erwachsenen unterschieden. Aus einer am 24. Oktober 2013 veröffentlichten UNSCEAR-Studie mit dem Titel "Effects of radiation exposure of children" geht nun hervor, "dass Kinder und Jugendliche nach der Exposition einer bestimmten Strahlendosis ein grösseres Risiko zur Entwicklung zahlreicher Krebsarten haben. Dieses Risiko manifestiere sich nicht immer augenblicklich, aber nehme im Verlauf des Lebens zu."[19]

Videobeiträge

  • Kritik am UNSCEAR-Report zu den gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima
    "Wir kritisieren an dem Bericht vor allem drei Sachen: Als erstes basiert er auf geschönten Annahmen. Es werden nur Studien und Daten genutzt von Organisationen, die im Sinne der Atomwirtschaft berichten. Das bedeutet unabhängige Quellen, unabhängige Forschungsinstitute werden ignoriert. (...) Unser zweiter Kritikpunkt ist, dass der Bericht auf fragwürdigen Annahmen basiert. So wird z. B. behauptet, dass die Strahlenempfindlichkeit eines Erwachsenen oder eines Kindes dieselbe ist, wie die eines ungeborenen Kindes, eines Embryos. (...) Und der dritte Kritikpunkt ist, dass die Autoren des UNSCEAR-Berichts einen deutlichen Interessenskonflikt haben." Quelle: Video
Kritik am UNSCEAR-Report zu den gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima05:36

Kritik am UNSCEAR-Report zu den gesundheitlichen Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima

IPPNW, hochgeladen am 2. April 2014 auf YouTube

  • Folgen der Reaktorkatastrophe Fukushima/Japan
    Der am 25.10.2013 "vorgelegte Bericht des Komitees der Vereinten Nationen für die Folgen von Strahlung (UNSCEAR) verharmlost systematisch das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen der Fukushima-Katastrophe. Es handelt sich um eine gezielte Missinformation der Öffentlichkeit. Das kritisieren IPPNW-Ärzte aus Deutschland, den USA, Schweiz, Frankreich, Italien, Nigeria, Malaysia, Ägypten und den Niederlanden in ihrer Analyse des Berichts."[20]
UNSCEAR-Bericht zu Fukushimafolgen Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt01:51

UNSCEAR-Bericht zu Fukushimafolgen Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt

ARD, tagesschau vom 25.Oktober 2013

  • Ärzte: UN verharmlosen Fukushima-Unfall
    Kritik an Filz zwischen UN und der Atomindustrie

    "Mediziner bezweifeln die Einschätzung der UN, dass der Atomunfall von Fukushima keine direkten Gesundheitsschäden bewirken wird. (...) Den Grund für die Verharmlosung des Unfalls sehen die Kritiker in der Verflechtung zwischen UNSCEAR und Atomindustrie. (...) Auch gebe es einen "Knebelvertrag" zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO): Die WHO habe keine eigene Abteilung, die die gesundheitlichen Folgen von Radioaktivität erforscht. Sie sei auf die Daten der Atomenergiebehörde angewiesen."[21]
3sat nano Warum die Katastrophe von Fukushima verharmlost wird06:12

3sat nano Warum die Katastrophe von Fukushima verharmlost wird

3sat nano vom 1. Oktober 2013

Links

→ UNSCEAR: Homepage
→ UNSCEAR: The Chernobyl accident: "For the most part, they were exposed to radiation levels comparable to or a few times higher than annual levels of natural background, and future exposures continue to slowly diminish as the radionuclides decay. Lives have been seriously disrupted by the Chernobyl accident, but from the radiological point of view, generally positive prospects for the future health of most individuals should prevail."
→ UNSCEAR: SOURCES AND EFFECTS OF IONIZING RADIATION (VOLUME II, Scientific Annexes C, D and E) von 2011
→ Spiegel Online International: Greenpeace vs. the United Nations: The Chernobyl Body Count Controversy vom 18. April 2006

(Letzte Änderung: 23.04.2016)

Einzelnachweise

  1. Bundesamt für Strahlenschutz: UNSCEAR-Berichte abgerufen am 27. Juni 2013 (via WayBack)
  2. Europäisches Parlament: Parlamentarische Anfrage: Änderung des Abkommens WHA 12-40 zwischen der WHO und der IAEA vom 18. Dezember 2002
  3. IAEO: Chernobyl Forum abgerufen am 29. Januar 2015
  4. iaea.org Chernobyl’s Legacy: Health, Environmental and Socio-Economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, the Russian Federation and Ukraine Seite 14, vom 23. März 2006
  5. UNSCEAR: Sources and effects of ionizing radiation. S. 184, D258 (13 Opfer) und D259 (19+14+4 Opfer) vom April 2011
  6. Zeit Online Tschernobyl war kein Hiroshima - Eine internationale Studie widerlegt die schlimmsten Angstszenarien vom 8. September 2009
  7. IPPNW: Ein zweites Tschernobyl rückt näher von 2011
  8. n-tv.de: Die Welt rätselt über Fukushima - IAEA und WHO halten Berichte zurück vom 1. April 2011
  9. IPPNW: Knebelvertrag mit der WHO - Die Informationspolitik der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) abgerufen am 19. Juni 2013
  10. taz.de 25 Jahre Tschernobyl vom 8. April 2011
  11. taz.de: WHO-Chefin gibt es erstmals zu - Radioaktive Strahlung immer gefährlich vom 5. Mai 2011
  12. Deutsche Welle Atomkraft - WHO-Schlingerkurs bei radioaktiver Strahlung vom 6. Mai 2011
  13. Süddeutsche.de: UN sehen kein erhöhtes Krebsrisiko nach Reaktorunglück vom 31. Mai 2013
  14. Spiegel Online: Atomunfall: Uno sieht keine Krebsgefahr durch Fukushima vom 31. Mai 2013
  15. IPPNW: Gesundheitliche Folgen von Fukushima vom 6. März 2013
  16. n-tv.de: Auch zwei Jahre nach Fukushima-Gau - Radioaktives Wasser sickert aus Akw vom 19. Juni 2013
  17. IPPNW: Ärzte: Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt vom 25. Oktober 2013
  18. t-online.de: UN-Bericht zu Fukushima erntet scharfe Kritik vom 3. April 2014
  19. nuklearforum.ch: Unscear: Neue Studie zu Strahlenrisiken bei Kinder und Erwachsenen vom 5. November 2013
  20. IPPNW IPPNW-Pressemitteilung - Ärzte: Gesundheitliche Auswirkungen werden systematisch unterschätzt vom 25. Oktober 2013
  21. 3sat.de Ärzte: UN verharmlosen Fukushima-Unfall - Kritik an Filz zwischen UN und der Atomindustrie vom 1. Oktober 2013

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki