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Reaktoren außer Betrieb > Unterweser (Niedersachsen)

Druckwasserreaktor • Leistung: 1.410 MW • Typ: PWR • Hersteller: KWU •
Baubeginn: 1. Juli 1972 • Inbetriebnahme: 16. September 1978 • Abschaltung: 6. August 2011 •[1][2]
Beginn Rückbau: 2016 • Ende Rückbau: 2028


AKW nahe Bremerhaven

Kernkraftwerk Unterweser fotogrfiert von der Weser.jpg

AKW Unterweser

Das Atomkraftwerk Unterweser (KKU) befindet sich bei der niedersächsischen Gemeinde Stadland am Unterlauf der Weser, südwestlich von Bremerhaven.[3]

Der Druckwasserreaktor am Standort hatte eine Leistung von 1.410 MW. Hersteller des Reaktors war die Kraftwerk Union (KWU).[2] Er wurde am 16. September 1978 in Betrieb genommen und ging am 6. August 2011 (offizieller Termin wegen der Änderung des Atomgesetzes) außer Betrieb. Eigentümer und Betreiber ist die E.ON Kernkraft GmbH.[1]

Am Standort befindet sich ein Zwischenlager mit 750 Quadratmeter Lagerfläche, auf der 80 Castor-Behälter deponiert werden können.[4]

Seit Inbetriebnahme ist es zu 359 meldepflichtigen Ereignissen gekommen (Stand: 23. April 2017).[5]

Ereignisse und Störfälle

Am 6. Juni 1998 ereignete sich im AKW ein Störfall, der mit der INES-Stufe 2 angegeben wurde. Eine Schnellabschaltung musste durchgeführt werden, da ein "Sicherheitsventil zum Abblasen von Frischdampf", mit dem überschüssige Wärme abgegeben werden soll, defekt war.[6][7] Vier Wochen später verkeilte sich bei Inspektionsarbeiten ein Brennelement. Am 28. Juni 1999 wurde der Reaktor wegen eines Lecks an einer Schweißnaht in einer Druckmessleitung abgeschaltet.[8]

Im Februar 2000 nahm PreussenElektra Unterweser freiwillig vom Netz, nachdem britische MOX-Brennelemente aus der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield mit gefälschten Sicherheitsdokumenten eingesetzt worden waren.[9] Im November 2002 wurden erhebliche Sicherheitsmängel an Zwischenkühlern festgestellt. Wegen des "Verdachts der Urkundenfälschung, des Betruges oder des Verstoßes gegen atomrechtliche Vorschriften" wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.[10] Im gleichen Monat wurden Risse an drei Dampferzeuger-Rohrleitungen entdeckt, die für die Kühlung des Reaktorkerns sorgen.[11] Am 22. Juli 2007 wurde festgestellt, dass eine Armatur in einem Strang des Kühlsystems nicht korrekt eingestellt war. "Im Falle eines Störfalls hätte der Strang nicht die geforderte Kühlleistung erbringen können."[12]

Am 22. Juni 2009 gelang es 60 Greenpeace-Aktivisten, auf das Gelände des AKW vorzudringen. Etwa die Hälfte besetzte die Reaktorkuppel, bemalte diese mit einem schwarzen Totenkopf und entrollte ein Transparent mit dem Titel "Atomkraft schadet Deutschland". Die Aktivisten forderten die sofortige Stilllegung des AKW Unterweser und weiterer Atomkraftwerke aus den 1970er Jahren.[13]

Direkter Rückbau

E.ON strebt einen direkten Rückbau des Atomkraftwerks Unterweser an.[14] Dieser könnte 2016 beginnen, nach einer Schätzung von E.ON etwa 10 Jahre dauern und mindestens eine Mrd. Euro kosten.[15][16] "In drei Phasen könnte das Kraftwerk nach Darstellung des Unternehmens rückgebaut werden. Zuerst müssten die Brennelemente entfernt werden. Dadurch würde das radioaktive Inventar um 99 Prozent reduziert. Dann würden sowohl kontaminierte als auch nicht strahlenbelastete Anlagen, die für den Restbetrieb nicht mehr benötigt werden, abgebaut. In der letzten Phase würde der Abriss der Gebäude erfolgen." E.ON behält sich allerdings vor, den Antrag wieder zurückzuziehen, wenn nicht rechtzeitig ein Endlager zu Verfügung stehe.[17]

Ein Antrag auf Stilllegung und Rückbau wurde am 4. Mai 2012 gestellt. Im August 2013 gab E.ON bekannt, mit den Rückbauarbeiten nicht beginnen zu wollen, bevor das Bundesverfassungsgericht über die Entschädigungsforderungen des Konzern entschieden habe. 2014 sollen jedoch bereits die 565 strahlenden Brennelemente entnommen und in Castor-Behältern auf dem Kraftwerksgelände zwischengelagert werden, möglicherweise für 40 Jahre, wenn kein Endlager zur Verfügung steht. E.ON hat dafür ein zusätzliches Zwischenlager beantragt. Beim Rückbau, der 2028 abgeschlossen werden könnte, werden 172.000 Tonnen Bauschutt anfallen.[18]

Im September 2013 kritisierten Bremerhaven und Loxstedt die Zwischenlagerung radioaktiver Anlagenteile auf dem Gelände und das Verfahren zum Rückbau und forderten zusätzliche Informationen von E.ON. Die Unterlagen von E.ON müssten durch unabhängige Gutachter geprüft werden, da sonst ein Interessenskonflikt drohe. E.ON wies dies zurück.[19]

Ab dem 1. Oktober 2015 lagen die Unterlagen zum Abriss öffentlich aus. E.ON möchte mit dem Rückbau im Jahr 2017 beginnen.[20]

Fernsehbeitrag

  • Abbau des Reaktors Unterweser
    "Schon in vier Jahren könnten alle radioaktiven Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel entfernt sein. (...) Nach Auffassung von E.ON war die angeordnete Stilllegung ohne Entschädigung eine rechtswidrige Enteignung. Laut des Betreibers hätte die Anlage noch mehrere Jahre satte Gewinne erwirtschaften können. Hinzu kommen die mit dem Abbau verbundenen Kosten. Das Unternehmen rechnet mit 30 Milliarden Euro [Anmerkung: Dies ist wohl ein Fehler im Fernsehbeitrag, richtig wäre 13 Mrd. Euro] für die Entsorgung aller seiner Kernkraftwerke." Quelle: Video
FAN Aktuell - Abbau des Reaktors Unterweser00:52

FAN Aktuell - Abbau des Reaktors Unterweser

FAN Aktuell, hochgeladen am 6. August 2013 auf YouTube



(Letzte Änderung: 29.04.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IAEO: PRIS - Country Statistics/Germany abgerufen am 27. Mai 2014
  2. 2,0 2,1 BfS: Kernkraftwerke in Deutschland abgerufen am 12. August 2014 (via WayBack)
  3. WNA Reactor Database: Unterweser, Germany abgerufen am 9. April 2016
  4. E.ON: Unterweser - Informationen zum Kernkraftwerk abgerufen am 23. November 2014
  5. BfS: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme abgerufen am 23. April 2017
  6. Niedersächsischer Landtag: Störfall im Atomkraftwerk Unterweser (14. Wahlperiode Drucksache 14/112) vom 6. Juli 1998
  7. tagesschau.de: Jod schlucken und Radio hören vom 25. August 2007
  8. Spiegel Online: Atomkraftwerk: Leck in Schweißnaht vom 28. Juni 1999
  9. Spiegel Online: Gefälschte Dokumente: AKW Unterweser wird doch abgeschaltet vom 24. Februar 2000
  10. Spiegel Online: Reparaturpfusch: Das AKW Unterweser ist ein Fall für die Staatsanwaltschaft vom 26. November 2002
  11. BMUB: Risse in Dampferzeuger-Leitungen des AKW Unterweser festgestellt vom 14. November 2002
  12. Spiegel Online: Pannenserie: KKW Unterweser meldet Störung vom 22. Juli 2007
  13. Spiegel Online: Atomkraftwerk Unterweser: Atomkraftgegner besetzen Reaktorkuppel vom 22. Juni 2009
  14. Welt Online: Klagen drohen deutschen AKW-Rückbau zu bremsen vom 18. April 2012
  15. NWZ Online: Eon beantragt Abriss des Kernkraftwerks Unterweser vom 11. Oktober 2012
  16. Wirtschaftswoche: 50 Jahre Atomkraft - eine Bilanz vom 24. Juli 2012
  17. Weserkurier: KKU: Antrag auf Rückbau vom 26. Oktober 2012
  18. Weserkurier: Abbau des Reaktors bis 2028? vom 5. August 2013
  19. Weserkurier: Kritik an Verfahren zum AKW-Abriss vom 27. September 2013
  20. Radio Bremen: Pläne zum Rückbau liegen öffentlich aus vom 1. Oktober 2015 (via WayBack)

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