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Uranabbau und -aufbereitung in Westdeutschland

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Uranabbau in Deutschland > Uranabbau und -aufbereitung in Westdeutschland

Überblick

In den alten Bundesländern wurde schon in den 1950er Jahren intensiv nach Standorten für Uranabbau geforscht. Von 1961 bis 1989 wurden 700 Tonnen Uran abgebaut, in Spitzenzeiten 50 Tonnen jährlich. Nennenswerte Abbaustätten waren Krunkelbach bei Menzenschwand im Südschwarzwald, Müllenbach bei Gernsbach im Nordschwarzwald, sowie weitere Lagerstätten bei Mähring, bei Poppenreuth im Kreis Tirschenreuth und in Großschloppen im Fichtelgebirge. Die Bundesregierung sprach in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von 1984 allerdings nicht von Uranabbau, sondern nur von Erkundungsarbeiten.[1]

Uranabbau in Bayern

1950 wurde mit ersten Uranschürfarbeiten in der Maxhütte im bayerischen Fichtelgebirge begonnen.[2] Franz-Josef Strauß, der nationale Uranvorkommen erschließen und damit einen Reaktor in Karlsruhe versorgen lassen wollte, ließ der Flickschen Maximilianshütte eine Lizenz für Uranforschung und einen Versuchsstollen erteilen. Bis 1956 wurden 50 Tonnen uranhaltiges Gestein gefördert und von der Degussa aufbereitet. Wegen der teuren Aufbereitung lagen die Kosten jedoch weit über dem internationalen Durchschnitt.[3]

In Bayern wurden noch einige weitere Bergwerke eröffnet (Mähring, Poppenreuth, Großschloppen). Ein nennenswerter Uranabbau wurde aber nicht betrieben, und 1989 wurde die Förderung aufgrund mangelnder Rentabilität eingestellt.[4]

Uranabbau in Baden-Württemberg

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Uranhaltiges Mineral aus der Krunkelbach-Grube bei Menzenschwand

Nachdem 1957 eher zufällig zwei Geologie-Studenten uranhaltiges Gestein im Kurort Menzenschwand im Schwarzwald entdeckt hatten, wurde 1961 eine erste Schürfgenehmigung erteilt und im gleichen Jahr mit der Suche nach dem Uran begonnen. Man wies 1.000 Tonnen Uranoxid nach und vermutete ein Vorkommen von 5.000 Tonnen. Anwohner und Naturschützer protestierten gegen die Uranförderung, weil die Grube in einem Naturschutzgebiet liegt.

Auch die bescheidene Uranförderung in Menzenschwand hatte massive Umweltschäden zur Folge. So wird das Waldsterben in der Umgebung zum Teil darauf zurückgeführt. "Die Manager des Abbau-Unternehmens geben eine erhöhte Strahlenbelastung zu, allerdings nur für die Verladestelle. Das Kernforschungszentrum Karlsruhe hingegen hat festgestellt, daß die radioaktive Belastung von Rückstandshalden und Grubengewässern bis zu hundertmal so groß ist wie die natürliche Strahlendosis von durchschnittlich hundert Millirem pro Jahr. Im Krunkelbachtal wurden schon Werte bis zu 10700 Millirem gemessen."[5]

1971 gab es erste Pläne, das freigesetzte radioaktive Gas Radon für Heilzwecke zu nutzen, was am Widerstand von Umweltschützern scheiterte.[5] 1991 wurde das letzte Uran in Menzenschwang gefördert. Nach der Schließung soff der Schacht komplett ab, und die Rekultivierung begann.[6] Nach 2003 wurde in Menzenschwand schließlich doch noch ein Radonbad eröffnet.[7]

Auch in der Lagerstätte Müllenbach bei Baden-Baden, die ab 1973 erkundet wurde, war die Förderung von Uran geplant. Nachgewiesen wurden 3.000 Tonnen Uran. Baden-Baden verbot dem Betreiber "Saarberg-Interlan Uran" das Betreten des Geländes aus Sorge um seine Thermalquellen, unterlag aber 1985 vor Gericht. Erst später stellte der Betreiber die Förderung ein und begann mit der Rekultivierung.[4] Das Aus für Menzenschwand und Müllenbach hatte sich Ende der 1980er Jahre angekündigt, als sich herausstellte, dass die Untertageförderung aufgrund niedriger Weltmarktpreise unrentabel war.[8]

→ Arbeitskreis Regionalgeschichte: Uranabbau in Menzenschwand 1960-1991

Uranerzaufbereitungsanlage in Rheinland-Pfalz

Bei Ellweiler wurde 1957 eine Lagerstätte für Uranerz entdeckt.[9] 1958/1959 wurde daraufhin in Ellweiler die einzige westdeutsche Uranerzaufbereitungsanlage  erbaut und 1961 in Betrieb genommen. Sie stellte Urankonzentrat in der Form von Ammoniumdiuranat (Yellowcake) zu Verwendung in Brennelementen her. Hierbei fielen großen Mengen Produktionsrückstände an, die auf dem Gelände gelagert wurden. Aufgrund zu hoher Grenzwertüberschreitungen durch das Edelgas Radon wurde der Betrieb am 30. Mai 1989 von der Aufsichtsbehörde untersagt, woraufhin die Anlage stillgelegt wurde und der Betreiber Konkurs anmeldete. Sanierung, Rückbau und Rekultivierung begannen 1990 und dauerten bis ins Jahr 2000. Die Kosten beliefen sich auf 48 Mio. Deutsche Mark; für Einlagerung der radioaktiven Stoffe entstanden weitere Kosten.[10][11]

Die Anlage in Ellweiler wurde von anderen Standorten mit Uran beliefert. Nach Angaben des Bundestags wurden 82 Tonnen Uran aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) an die Anlage in Ellweiler weitergegeben.[12] Die Hanauer Firma Nukem ließ jahrelang Tausende Tonnen urankontaminierter Erde zur Aufarbeitung nach Ellweiler transportieren.[13]

Der Betrieb der Anlage hatte vor der Stilllegung schon Jahre lang hohe Wellen geschlagen. 1988 wurde im "Spiegel" auf eine Häufung von Leukämiefällen bei Kindern und Jugendlichen in der Umgebung der Anlage hingewiesen, die zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führte. Ende der 1970er Jahre wurden extrem hohe Strahlenbelastungen gemessen (314 Millirem/Jahr statt der erlaubten 30 Millirem/Jahr). Auch das Trinkwasser, das einige der Leukämieerkrankten tranken, war zeitweise hoch belastet. "Die Ursache für die hohe Strahlenbelastung ist bekannt. Bis 1979 lagerten Uranerze, uranhaltiger Erdaushub und Schlämme offen auf dem Werksgelände." Es kam daher zu Protesten besorgter Bürger. Der ehemalige Umweltminister Hans-Otto Wilhelm (CDU) bestritt jeden Zusammenhang zwischen der Anlage und den Leukämiefällen.[14] Ohne Erfolg: Die Bewohner sahen weiterhin die Anlage als Ursache für die Erkrankungen an. Bürgerinitiativen und Grüne forderten die Stilllegung der Anlage aufgrund der Überschreitung der Strahlenschutzwerte. Im Februar 1990 verlor die Uranaufbereitung deshalb schließlich auch den Rückhalt im Umweltministerium.[13]

Im Jahresbericht 1995 des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums wurde im Zusammenhang mit der Urananlage Ellweiler auf Tritium-Aktivitätskonzentrationen in Grundwasserproben hingewiesen.[15] Die Urananlage Ellweiler wurde im gleichen Jahr auch in der internationalen Konferenz "Uranbergbau und Hydrogeologie" besprochen.[16]

→ Deutscher Bundestag: Drucksache 13/610 vom 16. Februar 1995 (Schäden an der Abdeckung der Abraumhalden)

Weitere Quellen

→ Deutscher Bundestag: Deutscher Bundestag, 85. Sitzung, S. 4158f. vom 11. Oktober 1963 (Anfrage wegen Menzenschwang)
→ Deutscher Bundestag: Uranerzförderung in der Bundesrepublik Deutschland (Drucksache 10/943) vom 31. Januar 1984
→ Deutscher Bundestag: Bundesdeutsche Beteiligung am weltweiten Uranabbau und Uranhandel - Menschen und Landrechte der Betroffenen (Drucksache 11/5788) vom 23. November 1989
→ BFS: Vorkommen und Entstehung von ra diologisch relevanten Boden- kontaminationen aus bergbaulichen und industriellen Prozessen vom 6. Oktober 2006 (via WayBack)
→ BMU: Methodische Weiterentwicklung des Leitfadens zur radiologischen Untersuchung und Bewertung bergbaulicher Altlasten und Erweiterung des Anwendungsbereichs –Teil B: Erweiterung des Anwendungsbereichs auf NORM-Rückstände von 2007

(Letzte Änderung: 28.02.2017)

Einzelnachweise

  1. BMU: ERNEUERBARE ENERGIEN UND ENERGIEEFFIZIENZ ALS ZENTRALER BEITRAG ZUR EUROPÄISCHEN ENERGIESICHERHEIT (S. 338) vom Dezember 2010
  2. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 205.
  3. DER SPIEGEL 34/1956: Flicks Versuchsschacht vom 22. August 1956
  4. 4,0 4,1 wise-uranium.org: Uranabbau im Westen Deutschlands vom Oktober 1991, abgerufen am 7. Dezember 2012
  5. 5,0 5,1 DER SPIEGEL 52/1987 Suchen und Finden vom 21.12.1987
  6. Mineralienatlas: Die Uranlagerstätte im Krunkelbachtal bei Menzenschwand abgerufen am 20. Oktober 2014
  7. radonrevitalbad.de: Der Ursprung abgerufen am 18. Oktober 2015
  8. Badische Zeitung: Das Uran bleibt in der Erde vom 19. Dezember 2011
  9. Zeit.de: Auf der Jagd nach Uran vom 31. Oktober 1957
  10. mwkel.rlp.de: Sanierung der ehemaligen Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler abgerufen am 28. Februar 2017 (via WayBack)
  11. Umweltministerium Rheinland-Pfalz: Sanierung der ehemaligen Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler abgerufen am 20. Oktober 2013
  12. Deutscher Bundestag: Wiederaufarbeitung von Uran und Plutonium - Drucksache 14/1297 (neu) abgerufen am 20. Oktober 2013
  13. 13,0 13,1 DER SPIEGEL 8/1990: Uran-Fabrik vor dem Aus vom 19. Februar 1990
  14. DER SPIEGEL 9/1988: Gelber Kuchen vom 29. Februar 1988
  15. Umweltministerium Rheinland-Pfalz: Jahresbericht 2005 abgerufen am 28. Februar 2017 (via WayBack)
  16. geo.tu-freiberg.de: Zusammenfassung UMH I vom 17. Mai 2010

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