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Vandellós (Spanien)

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1 gasgekühlter Reaktor, 1 Druckwasserreaktor • Leistung: 500/1087 MW • Typ: GCR/WE 3-loops •
Hersteller: Groupment Industriel Francais (Vandellós-1), Westinghouse (Vandellós-1) •
Baubeginn: 21. Juni 1968/29. Dezember 1980 •
Inbetriebnahme: 11. Februar 1972/14. November 1987 •[1][2]
Abschaltung: 31. Juli 1990 (Vandellós-1)/offen (Vandellós-2)

AKW in Katalonien

Атомная станция Вандельос.jpg

AKW Vandellós (Spanien)

Das Atomkraftwerk Vandellós befindet sich an der Nordostküste Spaniens, südwestlich von Tarragona.[3]

Am Standort lieferten ursprünglich zwei Reaktoren Strom. Vandellós-1 war ein gasgekühlter, graphitmoderierter 500-MW-Reaktor (GCR), mit dessen Bau 1968 begonnen und der am 11. Februar 1972 in Betrieb genommen wurde. 1990 wurde er nach einem Turbinenbrand, der fast zu einem GAU geführt hätte, abgeschaltet. Vandellós-2 ist ein Druckwasserreaktor mit einer Leistung von 1.087 MW, mit dessen Bau am 29. Dezember 1980 begonnen wurde. Er wurde am 14. November 1987 in Betrieb genommen und ist bis heute am Netz. Eigentümer und Betreiber von Vandellós-1 ist die Gesellschaft Hispano-francese de energia nuclear. Eigentümer von Vandellós-2 sind Endesa/Iberdrola, Betreiber ist die Asociación Nuclear Ascó – Vandellós II (ANAV).[1] Hersteller waren Groupment Industriel Francais (Vandellós-1) und Westinghouse (Vandellós-1).[2]

2010 bewilligte das zuständige Ministerium eine Laufzeitverlängerung für Vandellós-2 um weitere zehn Jahre bis 2020.[4]

Laut IAEO war in Vandellós ein dritter Reaktor mit 1.000 MW Leistung geplant, ein Projekt, das jedoch im September 1995 eingestellt wurde.[5]

Beinahe-GAU in Vandellós-1

Nach Palomares im Jahre 1966 kam es 1989 in Vandellós-1 mit einem Turbinenbrand zu einem weiteren gefährlichen Atomunfall, der auf der internationalen Skala INES mit der Stufe 3 (Ernster Störfall) klassifiziert wurde.[6]

Am 19. Oktober 1989[7] entzündete sich nach Abschaltung einer Turbine im nicht nuklearen Teil des AKW Wasserstoff, woraufhin eine Generatorturbine explodierte und in Brand geriet. Der Brand breitete sich schnell weiter aus und bedrohte das Kühlsystem des Reaktors. Während der Kraftwerksdirektor später erklärte, alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert, war in Wirklichkeit im Kontrollraum Panik ausgebrochen. ""Die Techniker", berichteten Feuerwehrleute, die aus der Umgebung herbeigeeilt waren, "schrien durcheinander und ergriffen die Flucht.""[8]

Die Feuerwehr bekämpfte den Brand nicht, wie es korrekt gewesen wäre, mit Schaum, sondern mit Löschwasser, woraufhin der Kraftwerkskeller überflutet und die Kühlsysteme bedroht wurden. Zwei von vier Kohlendioxidpumpen waren beschädigt, und auch der Sekundärkreislauf wurde beeinträchtigt. Die Reaktortemperatur erhöhte sich stark, sank aber am Folgetag glücklicherweise wieder auf Normalwerte. Das Atomkraftwerk entging nur knapp einer Kernschmelze und einem möglichen GAU. Umweltschützer sahen den Unfall bis zu diesem Zeitpunkt als den gefährlichsten nach der Tschernobyl-Katastrophe an.[8]

Nach Ansicht der Deutschen Bundesregierung, die einen Tag später über den Unfall informiert wurde, handelte es sich um den schwersten Atomunfall, der sich je in Spanien bis zu diesem Zeitpunkt ereignet hatte.[7]

Obwohl Bürger aus der Umgebung des havarierten Reaktors dessen sofortige Stilllegung forderten, wollte der Betreiber diesen "mit Ersatzteilen aus Frankreichs Atomschrottplätzen" vier Monate später wieder hochfahren und bis 2003 weiterlaufen lassen.[8] Dazu kam es jedoch nicht: Am 31. Juli 1990, im Jahr nach dem Atomunfall, ging der Reaktor für immer außer Betrieb[1], da eine Reparatur des Reaktors unrentabel gewesen wäre. 2003 wurde die zweite Phase für den Rückbau eines Großteils der Anlage genehmigt. Nach 30 Jahren sicherem Einschluss, wenn sich die Radioaktivität um 95 % verringert hat, kann das Kraftwerk komplett abgerissen werden.[9]

Rohrbruch und Generatorbrand in Vandellós-2

2004 ereignete sich ein Rohrbruch im Kühlkreislauf des Reaktors Vandellós-2, der wegen seiner Bedeutung für die Reaktorsicherheit als Störfall der INES-Stufe 2 klassifiziert wurde und einen Aktionsplan für die folgenden drei Jahre bewirkte, mit dem man organisatorische und technische Probleme in den Griff bekommen wollte.[10]

Am 24. August 2008 kam es in Vandellós-2 zu einem weiteren Zwischenfall, bei dem ein Stromgenerator in Brand geriet und der Reaktor abgeschaltet werden musste. Der Betreiber gab anfangs an, dass der Brand schnell gelöscht werden konnte, alle Sicherheitssysteme funktioniert hätten und es keine Auswirkungen auf Mitarbeiter oder die Umwelt gegeben hätte.[11][12] Es stellte sich jedoch heraus, dass die katalonische Regionalregierung verspätet informiert und der Notfallplan nur langsam umgesetzt wurden.[13] Und bereits im Juli desselben Jahres wurde ein Lastkraftwagen entdeckt, der Vandellós-2 verlassen wollte, um radioaktiv verseuchte Erde vom Gelände zu entfernen. Es wurde untersucht, wie es zur Verseuchung des Erdbodens gekommen war.[14]

→ AVAV: CD Vandellós II (Homepage des Betreibers)
→ AtomkraftwerkePlag: Spanien

(Letzte Änderung: 03.01.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 IAEO: PRIS - Country Statistics/Spain abgerufen am 28. Juni 2014
  2. 2,0 2,1 IAEO: LES CENTRALES NUCLEAIRES DANS LE MONDE von 1997
  3. WNA Reactor Database: Vandellos 1, Spain abgerufen am 9. April 2016
  4. nuklearforum.ch: Spanien: Laufzeitverlängerung für Vandellos-2 vom 26. Juli 2010
  5. iaea.org: Nuclear Power Reactor Details - VANDELLOS-3 vom 4. Juni 2011 via WayBack
  6. WNA: Safety of Nuclear Power Reactors abgerufen am 16. Dezember 2013
  7. 7,0 7,1 Deutscher Bundestag: Kernkraftunfall im Atomkraftwerk Vandellos I in Spanien (Drucksache 11/6439) vom 13. Februar 1990
  8. 8,0 8,1 8,2 DER SPIEGEL 44/1989: Panik im Kontrollraum vom 30. Oktober 1989
  9. WNA: Nuclear Power in Spain abgerufen am 16. Dezember 2013
  10. Consejo de Seguridad Nuclear (CSN): Vandellós abgerufen am 20. September 2014 (via WayBack)
  11. NZZ: Brand in Atomkraftwerk im Nordosten Spaniens vom 24. August 2008
  12. RP Online: Brand in Atomkraftwerk vom 24. August 2008
  13. taz.de: Pannen-Atomkraftwerk droht Strafe vom 26. August 2008
  14. heise.de: Unfallserie und Vertuschung in spanischen Atomkraftwerken vom 20. Juli 2008

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