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Atommüll - Zwischen- und Endlagerung > Verbrennung von Atommüll

Verbrennungsanlage Karlsruhe

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Am 1956 gegründeten Kernforschungszentrum Karlsruhe (seit 2009 Karlsruhe Institut für Technologie, kurz "KIT") befindet sich neben den stillgelegten Reaktoren KNK und MZFR und der stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) auch eine Atommüllverbrennungsanlage,[1] die noch heute zur Verbrennung von Fest- und Flüssigabfällen genutzt wird.[2]

Laut Betreiber Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE), die bis 2009 WAK GmbH (Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe Rückbau- und Entsorgungs-GmbH) genannt wurde,[3]  handelt es sich hierbei um die einzige Anlage in Deutschland, die "für α-haltige radioaktive Reststoffe ausgelegt" ist. Das Volumen der Abfälle wird nach Verpressung der Asche um den Faktor 100 reduziert.[4]

Radioaktive Substanzen - Alpha-, Beta-, Gamma-Strahler

Die Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE) ist nicht nur Betreiber der Atommüllverbrennungsanlage, sondern darüber hinaus für Rückbau und Entsorgung aller stillgelegten Anlagen am Standort zuständig.[3]

Weitere Zwischenlager, Sammelstellen und Mülldeponien - Karlsruhe

Bis mindestens 2008 wurden in der Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe (HDB) im Forschungszentrum Karlsruhe plutoniumhaltige Abfälle aus Atomanlagen verbrannt.[1] Hierbei handelt es sich um eine konventionelle Verbrennung, denn an anderer Stelle ist von einer "Bestimmung der Plutoniumisotope in den Verbrennungsrückständen plutoniumhaltiger Abfälle" die Rede.[5]

Verbrennungsanlage Jülich (JÜV)

Auf dem Gelände des Forschungszentrum Jülich (FZJ), der früheren Kernforschungsanlage, befindet sich neben dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor Jülich (AVR) und weiteren Anlagen auch die Mehrkammer-Verbrennungsanlage JÜV 50/2. Der "genehmigte Jahresdurchsatz" dieser Anlage für die Verbrennung schwachradioaktiven Atommülls wird mit 240 Megagramm (Tonnen) Feststoffen und 40 Megagramm Flüssigkeiten angegeben.[6][2] In der Hauptbrennkammer werden Betriebstemperaturen von 850 bis 1.200 Grad Celsius erreicht.[6]

2014 war die Anlage 3.810 Stunden in Betrieb und verarbeitete "0,35 Tonnen flüssige und ca. 82 Tonnen feste Abfälle" aus der "Landessammelstelle des Landes Nordrhein-Westfalen und aus anderen Landessammelstellen", war also bei weitem nicht ausgelastet. Bei der Verbrennung entstehen Emissionen, die durch eine kontinuierliche Abgasmessung kontrolliert werden.[7]

Es gibt unterschiedliche Angaben in den vorhandenen Quellen, seit wann diese Anlage betrieben wird bzw. ob sie im Laufe der Zeit möglicherweise erneuert wurde.

Laut einem Dokument des Bayerischen Landtags aus dem Jahr 1981 ist die Atommüllverbrennungsanlage in Jülich von gleicher Bauart wie diejenige in Karlstein und bereits seit 1977 in Betrieb.[8]

In einer Website von "strahlentelex.de" heißt es hingegen: "Seit Oktober 1988 werden in einer neuen Verbrennungsanlage für radioaktiv strahlende Abfälle auf dem Gelände der Kernforschungsanlage Jülich in Nordrhein-Westfalen radioaktive Abfälle aus Atomanlagen, Krankenhäusern und Universitäten verbrannt. Das Düsseldorfer Arbeitsministerium hat mit Bescheid vom 23.November 1987 für diese Anlage radioaktive Ableitungen an die Umwelt in Höhe von 296 Millionen Becquerel für Jod und 37 Millionen Becquerel für Aerosole pro Jahr genehmigt."[9]

2008 wurde auch die Verbrennung radioaktiver Abfälle des Vereins für Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf e. V. (VKTA) eingeleitet. "Dabei handelte es sich um 4.700 kg verbrennbare radioaktive Abfälle (115 Stück Aerosolfilter und 64 Stück 200 l-Fässer mit Ionenaustauscherharzen u. ä.)." 2009 und 2010 konnte damit wegen technischer Probleme jedoch nicht begonnen werden, die erste Konditionierung sollte im 2. Quartal 2011 erfolgen.[10] Diese wurde letztendlich wegen anhaltender technischer Schwierigkeiten erst im 4. Quartal 2011 durchgeführt.[11]

Weitere Zwischenlager, Sammelstellen und Mülldeponien - Jülich
Weitere Zwischenlager, Sammelstellen und Mülldeponien - Rossendorf

Abfallreduzierungsanlage Karlstein (ARAK)

Atommüllverbrennungsanlage 1986-1989

Die Kraftwerk Union (KWU) betrieb laut Akten des Bundesumweltministeriums ab 1986 im fränkischen Karlstein eine Verbrennungsanlage, die der Veraschungsanlage in Mol (Belgien) vergleichbar war[12] – am gleichen Standort, an dem sich auch die AKW Kahl (Bayern) und Großwelzheim (Bayern) befanden, die zu jenem Zeitpunkt schon abgeschaltet waren.

Da die Bestimmungen zum Emissionsschutz verschärft wurden, lief die Anlage jedoch nur zwei Jahre lang. "Sie wird seit März 1989 nicht mehr betrieben, die letzte Abfallverbrennung erfolgte im Oktober 1988."[13]

Dokumenten des Bayerischen Landtags aus den Jahren 1981 bis 1983 zufolge hatte die KWU schon Jahre zuvor die Errichtung einer Veraschungsanlage für brennbaren schwachradioaktiven Atommüll aus Atomkraftwerken und anderen Atomanlagen, aber auch für Abfälle aus Medizin, Forschung in Industrie geplant. Im November 1980 hatte die KWU einen Antrag für eine atomrechtliche Genehmigung gestellt.[14] Die Abfälle sollten thermisch aufbereitet werden, wobei der größte Teil der Radioaktivität in der Asche verbleiben sollte. Der Austritt von Schadstoffen sollte durch Filteranlagen weitgehend verhindert, radioaktive Abwässer nicht freigesetzt werden.[15]

1982 wurden Bau und Betrieb der "Abfallreduzierungsanlage Karlstein" (ARAK) vom Landratsamt Aschaffenburg und vom Bayerischen Landtag genehmigt. Auf Spezialfilter zur Rückhaltung von Jod-Isotopen sollte verzichtet werden, da deren Konzentration in der Abluft dadurch nicht vermindert werden könne. Stattdessen sollten "radioaktive Abfälle aus dem medizinischem Bereich vor der Lieferung mindestens zwei Jahre und radioaktive Abfälle aus Kernkraftwerken mindestens 100 Tage" vor der Verbrennung zwischengelagert werden und die Radioaktivität der Jod-Isotope so weitgehend abklingen. Darüber hinaus sollte auf dem Gelände abgereichertes Uran (Uranhexafluorid) gelagert werden. Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz sah keine Notwendigkeit, die Container mit Uranhexafluorid gegen Flugzeugabstürze zu sichern. "Die mit der Lagerung von Uranhexafluorid verbundenen konventionellen chemischen Risiken übersteigen (...) die dabei gleichzeitig vorhandenen radiologischen Risiken bei weitem. Chemische Anlagen werden im allgemeinen auch in Fällen mit vergleichsweise größeren chemischen Risiken nicht gegen Flugzeugabsturz gesichert."[16]

Uranhexafluorid
→ Radioaktive Jod-Isotope

1982 wurde ein Widerspruchsverfahren gegen die Anlage mit dem Argument abgeschmettert, dass eine Verzögerung beim Bau "erhebliche Auswirkungen für die Anwendung radioaktiver Stoffe in Medizin, Forschung und Industrie sowie den Betrieb von Kernkraftwerken" hätte. Obwohl die Inbetriebnahme der ARAK eigentlich Anfang 1984 hätte erfolgen sollen, änderte der Betreiber nachträglich sein Verbrennungsverfahren und erhielt dafür im März 1985 eine Genehmigung.[17] [Anmerkung: Dokumente sollten noch recherchiert werden.] Die Anlage ging schließlich erst 1986 in Betrieb.[12]

Im Februar 1988 wurde beim Bayerischen Landtag beantragt, den Genehmigungsbescheid der Anlage "dahingehend zu ändern, daß der Inhalt der Rohabfallcontainer vor der Verbrennung auf seinen Gehalt an Alpha-Strahlern untersucht wird". Auch sollte die Staatsregierung über die Höhe der "Jahres- sowie die maximalen Tages- und Stundenemissionen" und über die  Art und Weise berichten, wie die Emissionen kontrolliert werden.[18] Der Ausschuss für Landesentwicklung und Umweltfragen[19] und der Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr[20] empfahlen eine Ablehnung des Antrags. Am 1. Februar 1989 wurde der Antrag schließlich endgültig abgelehnt.[21] Zur Abstimmmung siehe: Plenarprotokoll 11/84 vom 1. Februar 1989, S. 69-74.

Modernisierung bzw. Neubau 1993 abgesagt

Nach Betriebsende der Atommüllverbrennungsanlage im März 1989 war ein Umbau der Anlage geplant, um verschärfte Emissionsschutzbestimmungen einhalten zu können.[13] Notwendige Nachrüstungsmaßnahmen im Bereich der Abgasreinigung sollten eigentlich bereits 1990 abgeschlossen und die Anlage wieder in Betrieb genommen werden.[22]

1992 hatte jedoch die KWU die Anlage an die Gesellschaft für Nuklearservice (GNS) verkauft, die eine Modernisierung plante. Im März 1992 waren noch keine Anträge eingereicht worden. Über die Art der Anlage wurden im Landtag nur vage Aussagen gemacht, und die Staatsregierung wies darauf hin, dass sie die Sorgen der Bevölkerung zu derartigen Anlagen ernst nehme.[23][24] In einer Sitzung am 16. Juni 1992 stellte ein Gesprächskreis "Entsorgung" des Bundes, an dem als Vertreter des Bundes auch der spätere Atomlobbyist Walter Hohlefelder teilnahm, enttäuscht fest: "Mit Befremden nehmen die Gesprächsteilnehmer zur Kenntnis, daß der Bayerische Umweltminister noch vor Antragstellung Lokalpolitikern mitgeteilt hat, daß er "derzeit keine Chance für eine positive Verbescheidung des Antrages" sieht."[25] Im Juni 1992 antwortete das Staatsministerium auf eine Anfrage im Landtag, dass noch nichts entschieden werden könne, bevor nicht "Untersuchungen alternativer Verfahren zur Verbrennung" durchgeführt würden.[26] Im Dezember 1992 lagen immer noch keine Anträge zur neuen Anlage vor.[27]

Das endgültige Aus für die Verbrennungsanlage kam im November 1993: Die Grünen beantragten, den Plan für Bau und Betrieb vom Landesentwicklungsprogramm zu streichen, was noch im gleichen Monat als "erledigt" erklärt wurde.[28][29] Am 26. November 1993 erklärte die GNS, dass sie ihre Pläne auch wegen politischen Widerstandes aufgegeben habe.[30]

Müllverbrennungsanlage in Bramsche-Achmer

1980 bis Februar 1990 sind in der niedersächsichen Gemeinde Bramsche (Ortsteil Achmer) 87 m³ radioaktiv belasteter Szintillatorflüssigkeiten (Lösungsmittelgemische) in der "Verbrennungsanlage der Firma Gewässerschutz und Städtereinigung GmbH" verbrannt worden.

Die Bramscher Stadtverwaltung versicherte 1989, dass dabei die Grenzwerte eingehalten worden seien, ebenso 2009 der damalige Umweltminister und Atomlobbyist Hans-Heinrich Sander in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im niedersächsichen Landtag.

Laut Berechnungen von Kritikern sind über den Kamin der Verbrennungsanlage jedoch 23,1 Mrd. Becquerel (Bq) an Tritium und 3,2 Mrd.  Bq Kohlenstoff ausgestoßen worden.[31][32]

(Letzte Änderung: 11.02.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Deutscher Bundestag: Übertragbarkeit der Ergebnisse der aktuellen Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken auf kerntechnischen Anlagen in Karlsruhe, insbesondere die Wiederaufarbeitungsanlage (Drucksache 16/8090) vom 14. Februar 2008
  2. 2,0 2,1 BfS: Gemeinsames Übereinkommen über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle (S. 281 Karlsruhe; S. 282 Jülich) vom Mai 2012 (via WayBack)
  3. 3,0 3,1 EWN: Unternehmen abgerufen am 10. Februar 2016
  4. EWN: Verbrennung vom 11. Oktober 2015 (via WayBack)
  5. dip21.bundestag.de Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) (Drucksache 11/8188, Seite 9) vom 24. Oktober 1990
  6. 6,0 6,1 Forschungszentrum Jülich: Dekontamination und Entsorgung - Verbrennung abgerufen am 8. Mai 2015
  7. Forschungszentrum Jülich: Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Emissionen der Jülicher Verbrennungsanlage JÜV 50/2 gemäß § 23 der 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über die Verbrennung und die Mitverbrennung von Abfällen, 17. BImSchV) für den Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2014 abgerufen am 8. Mai 2015
  8. Bayerischer Landtag: Genehmigungsverfahren für eine Atommüllverbrennungsanlage in Karlstein, Lkr. Aschaffenburg (Drucksache 9/8295, Antwort auf schriftliche Anfrage) vom 14. April 1981
  9. strahlentelex.de: Atommüll abgerufen am 12. Mai 2015
  10. VKTA Dresden: Jahresbericht 2010 von 2011
  11. VKTA Dresden Jahrsbericht 2011 von 2012
  12. 12,0 12,1 dip21.bundestag.de: Beschlussempfehlung und Bericht des 2. Untersuchungsausschusses (Drucksache 11/7800) vom 15. Oktober 1990
  13. 13,0 13,1 Bayerischer Landtag: Dioxin-Emissionen aus der Verbrennungsanlage für radioaktive Abfälle Karlstein (Drucksache 11/17844, Antwort auf schriftl. Anfrage) vom August 1990
  14. Bayerischer Landtag: Verbrennungsanlage für schwachradioaktiven Müll in Karlstein (Drucksache 9/8148, Antwort auf schriftl. Anfrage) vom 24. März 1981
  15. Bayerischer Landtag: Genehmigungsverfahren für eine Atommüllverbrennungsanlage in Kalstein, Lkr. Aschaffenburg (Drucksache 9/8295, Antwort auf schriftl. Anfrage) vom 14. April 1981
  16. Bayerischer Landtag Kerntechnische Anlagen im Raum Karlstein (Drucksache 10/1101, Antwort auf schriftl. Anfrage) vom Juni 1983
  17. Main-Netz: Am 27. Mai ... vom 27. Mai 2010
  18. Bayerischer Landtag: Genehmigungsauflage und Emissionkontrolle bei der Firma ARAK (Drucksache 11/5370, Antrag) vom 12. Februar 1988
  19. Bayerischer Landtag: Beschlussempfehlung (Drucksache 11/7968) vom 29. September 1988
  20. Bayerischer Landtag: Beschlussempfehlung (Drucksache 11/8317) vom 20. Oktober 1988
  21. Bayerischer Landtag: Beschluss des Bayerischen Landtags (Drucksache 11/9846) vom 1. Februar 1989
  22. dipbt.bundestag.de: Deutscher Bundestag Stenographischer Bericht 124. Sitzung (Plenarprotokoll 11/124) vom 15. Februar 1989
  23. Bayerischer Landtag: Volumenreduzierung (ARAK) für schwachradioaktiven Abfall (Drucksache 12/5509, Antwort auf schriftliche Anfrage) vom März 1992
  24. Bayerischer Landtag: 48. Sitzung (Plenarprotokoll 12/48, S. 76/79) vom 18. März 1992
  25. dipbt.bundestag.de: Ergebnisvermerk über die 14. Sitzung des Gesprächskreises "Entsorgung" vom 16. Juni 1992
  26. Bayerischer Landtag Antragssituation bei der geplanten Atommüllverbrennungsanlage Karlstein (Drucksache 12/7037, Antwort auf schriftliche Anfrage) vom 26. Juni 1992
  27. Bayerischer Landtag: 71. Sitzung (Plenarprotokoll 12/71, S. 122/154)vom 3. Dezember 1992
  28. Bayerischer Landtag: Änderungsantrag (Drucksache 12/13227) vom 3. November 1993
  29. Bayerischer Landtag: Beschlussempfehlung des Ausschusses für Landesentwicklung und Umweltfragen (Drucksache 12/13393, S. 4) vom November 1993
  30. wiseinternational.org: Victory in Karlstein vom 17. Dezember 1993
  31. NOZ: "Verbrennung von Atommüll klären" vom 20. August 2009
  32. Sächsicher Landtag: Atommüll nach Schließung der Asse in Bramsche verbrannt (Drucksache 16/1714) vom 7. Oktober 2009

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