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Radioaktive Verseuchung von Gewässern > Verklappung von Atommüll

Grundlegendes zur Verklappung

Zwischen 1946 und 1992 warfen viele Ländern, darunter auch Deutschland, ihren radioaktiven Abfall einfach ins Meer, eine Praxis, die erst 1993 durch ein internationales Abkommen verboten wurde. Der radioaktive Abfall wurde für die Verklappung in Fässer gefüllt, die nun nach und nach durchrosten und zerplatzen.[1] Für das Internationale Geophysikalische Jahr 1957/1958 wurde sogar als Hauptziel für die Ozeanographie festgesetzt, zu untersuchen, "ob sich die Tiefsee zur Entsorgung radioaktiver Abfälle nutzen ließ".[2]

Die Regierungen der Staaten, die die Verklappung durchführten, erwarten damals, dass die aus Fässern austretenden radioaktiven Stoffe im Ozean verdünnt würden. Heute geht man davon aus, dass die Radioaktivität dadurch nicht verringert, sondern unkontrolliert verteilt wurde.[3]

Infolge der Verklappung von Atommüll ist längst Radioaktivität in das Ökosystem und den Nahrungskreislauf gelangt. Da auch radioaktive Stoffe mit langen Halbwertszeiten, wie z. B. Plutonium, ins Meer gekippt wurden, resultiert daraus zum Teil eine langfristige Verseuchung von Meeren. Die Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague und Sellafield dürfen bis heute ihre radioaktiven Abwässer ins Meer einleiten. Darüber hinaus sind auch radioaktive Abfälle in Flüssen versenkt worden.[1]

Nach der Fukushima-Katastrophe hat auch der japanische Atomkonzern Tepco Millionen Liter kontaminiertes Wasser in den Pazifik gepumpt. Wie hoch das Gefährdungspotenzial ist, lässt sich nicht abschätzen.[4]

Aus dem Wenigen, was zu diesem Thema veröffentlicht wurde, haben wir Fernsehberichte und weitere Informationen in den folgenden Seiten zusammengestellt.

Die Idee zur billigen Verklappung von Atommüll hatte übrigens Deutschland angestoßen.[5]

Verlust und Entsorgung militärischen Materials

In die Weltmeere gelangte auch militärischer Atommüll. 1990 veröffentlichte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage Listen zu US-amerikanischen und sowjetischen Atomwaffen und Reaktoren verschiedener Typen, die in Atlantik und Pazifik verlorengegangen waren. Dabei war eine erfolgreiche spätere Bergung durch die UdSSR, eine nur zum Teil erfolgreiche durch die USA zu verzeichnen. Die Strahlenbelastung stufte die Bundesregierung 1990 aufgrund der "Verdünnung" im Meerwasser als "äußerst gering" ein.[6]

Außerdem wurden viele verseuchte U-Boote der sowjetischen Nordmeerflotte inklusive der Reaktoren einfach im Eismeer entsorgt. In der Arktis ereigneten sich in den Regionen Murmansk und Archangelsk Unfälle bei der sowjetischen Atom-Flotte, wodurch Seeleute radioaktiver Strahlung ausgesetzt und die Umwelt kontaminiert wurden.[7]

Fernsehbeitrag

  • Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten
    "Es war ein ungleicher, lebensgefährlicher Kampf - mit Schlauchbooten gegen Frachter. (...) Fässer mit radioaktiven Abfällen wurden einfach über Bord geworfen. Manche trafen sogar die Boote der Aktivisten. Erst in den 80er Jahren, als die Öffentlichkeit endlich erfuhr, was da auf See geschah, gewann die Umweltorganisation Greenpeace ihren Kampf: Der Druck auf die Politik wurde zu groß. Die Versenkung von Atommüll wurde eingestellt und schließlich weltweit verboten. Aber wie groß ist die Gefahr, die von den Fässern ausgeht, die damals versenkt wurden?"[8]
DOKU Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten52:30

DOKU Versenkt und Vergessen - Atommüll vor Europas Küsten

arte, hochgeladen am 27. April 2013 auf YouTube

Weitere Links

→ IAEA: IAEA-TECDOC-1105 - Inventory of radioactive waste disposals at sea (PDF) vom August 1999
→ Wikipedia: Verklappung und OSPAR

(Letzte Änderung: 28.02.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 greenpeace.de: Report Mainz: Strahlende Altlast im Atlantik vom 1. November 2011
  2. Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem. Goldmann, München 2003. S. 354
  3. swr.de: Strahlende Altlast vom 1. November 2011
  4. stern.de: Atomkraftwerk Fukushima: Wie gefährlich ist das verseuchte Wasser? vom 4. April 2011
  5. swr.de Strahlende Altlast vom 1. November 2011
  6. Deutscher Bundestag: Umweltgefahren durch "verlorengegangene" Atomwaffen und Atomreaktoren (Drucksache 11/6771) vom 22. März 1990
  7. Zeit Online: Tauchfahrt in die Katastrophe vom August 1999 [vermutliches Datum laut Titel des Artikels]
  8. arte.tv Versenkt und Vergessen vom 11. Mai 2013 (via WayBack)

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