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Atomenergie in Europa > Litauen > Visaginas (Litauen)

1 Siedewasserreaktor • Typ: ABWR • Leistung: 1.350 MW • Hersteller: Hitachi •
Projektbeginn: Ende 2006 • Geplante Fertigstellung: 2020-2022 •
Vorläufiges Projektende: Januar 2016[1][2]


2006 bis 2011: Planungsphase

Drūkšiai001

Drukshyai-See (Litauen)

Visaginas ist ein geplantes, aber nicht realisiertes Atomkraftwerk, das die baltischen Staaten als Ersatz und in unmittelbarer Nähe des stillgelegten litauischen AKW Ignalina errichten wollten. Der Standort befindet sich am südlichen Ufer des Drukshyai-Sees, sechs Kilometer von der Stadt Visaginas entfernt und unweit der Grenze zu Lettland und Weißrussland.[1]

Ende 2006 begannen die Energieversorger der drei baltischen Staaten, AB Lietuvos Energija, AS Latvenergo und Eesti Energia AS, mit den Planungen und Vorbereitungen zum Bau des gemeinsamen Atomkraftwerks. 2007 wurde mit einem Gutachten zur Umweltverträglichkeit begonnen und im August 2008 das für das Projekt zuständige Unternehmen Visagino Atominė Elektrinė (VAE) gegründet. Im April 2009 verabschiedete das litauische Umweltministerium eine Resolution zur Bau- und Betriebserlaubnis mit einer Gesamtleistung von maximal 3.400 MW.[1][3]

Nach anfänglicher Planung sollten in das Projekt zwei bis drei Mrd. Euro investiert werden und das AKW 2015 fertiggestellt werden.[4] Die baltischen Staaten wollten damit ihre Abhängigkeit von Russlands Strom- und Gaslieferungen vermindern, die wegen der Abschaltung von Ignalina entstanden war.[5]

Im July 2011 wählte die litauische Regierung aus verschiedenen Wettbewerbern das japanische Unternehmen Hitachi Ltd. als strategischen Investor und Hitachi-GE Nuclear Energy als Vertragspartner für Technik und Konstruktion aus. Hitachi schlug einen einzelnen Advanced Boiling Water Reactor (ABWR) mit einer Leistung von 1.350 MW vor. Für die Fertigstellung wurden nun die Jahre 2020 bis 2022 genannt.[1]

Am 9. Mai 2012 beschloss die litauische Regierung den Bau des neuen AKWs mit japanischer Hilfe,[6] und das litauische Parlament bestätigte im gleichen Monat den Beschluss; der Baubeginn war für 2015 geplant.[7] Die EU-Kommission für Energie unter Günther Oettinger äußerte sich zustimmend und bestätigte, "dass das Projekt die Ziele des Euratom-Vertrags erfüllt".[8]

2012: Votum der Bevölkerung gegen AKW Visaginas

Die litauische Bevölkerung sprach sich jedoch am 14. Oktober 2012 in einer Volksabstimmung, die keinen bindenden Charakter hatte, mit knapp 62 % gegen den Bau der Anlage aus.[9] Greenpeace sah die Volksabstimmung als wichtiges Signal für Europa und für die Förderung erneuerbarer Energien.[10] Im November 2012 erklärte Ministerpräsident Butkevicius, Vorsitzender der Sozialdemokraten und und künftiger Regierungschef, man wolle den Willen der Bevölkerung respektieren und das AKW nicht errichten lassen. Die Sozialdemokraten befürworteten jedoch die Atomenergie, deshalb sei ein Bau zu einem späteren Zeitpunkt nicht ausgeschlossen.[11]

Aber schon im Mai 2013 war die litauische Regierung nicht mehr geneigt, sich an die Volksabstimmung zu halten: Im Gegenteil waren neue Konsultationen mit Estland und Lettland zum Bau des Atomkraftwerks geplant.[12] Am 9. April 2014 erklärten die sieben im litauischen Parlament vertretenen Parteien das AKW Visaginas zu einem zentralen strategischen Ziel des Landes.[13]

2016: "Vorübergehender" Projektstopp

Im Juni 2015 erklärte der Energieminister noch, die Gespräche mit den anderen baltischen Staaten würden fortgesetzt. Hitachi hielt eine binnen Jahresfrist für möglich und schätzte die Kosten auf 4 Mrd. US-Dollar. Ende 2015 wurde jedoch das für das Projekt gegründete Unternehmen abgewickelt.[14]

Am 19. Januar 2016 erklärte der litauische Energieminister Masiulis, dass das Bauprojekt wegen der ungünstigen Marktbedingungen für Atomstrom vorübergehend gestoppt worden sei. In Estland herrsche aufgrund der Nutzung von Schieferöl ein Energieüberschuss, der den Bau eines Atomkraftwerks unnötig mache.[2]

→ Vatesi.lt: New nuclear facilities - The Visaginas Nuclear Power Plant (NPP)

(Letzte Änderung: 06.01.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 IAEO Country Profiles: Lithuania abgerufen am 14. April 2016
  2. 2,0 2,1 The Baltic Course: Masiulis: Visaginas NPP project has been shelved for now vom 20. Januar 2016
  3. vae.lt: Visaginas Nuclear Power Plant project: About the Project abgerufen am 15. April 2016 (via WayBack)
  4. Deutsche Welle: Litauen, Lettland und Estland wollen AKW bauen vom 9. März 2006
  5. FAZ.net: Ein Atomkraftwerk für die Energieinsel vom 15. Juli 2011 (via WayBack)
  6. Focus Online: Litauens Regierung beschließt Atom- und Energiepaket vom 9. Mai 2012
  7. Die Presse: Litauen: Parlament gibt grünes Licht für neues AKW vom 18. Mai 2012
  8. nuklearforum.ch: Litauen: EU-Kommission äussert sich positiv zu Visaginas-Projekt vom 14. Juni 2012
  9. Spiegel Online: Parlamentswahlen - Litauen steht vor einem Machtwechsel vom 15. Oktober 2012
  10. Greenpeace: Litauer wollen keine Atomenergie vom 15. Oktober 2012
  11. solidbau.at: Litauen sagt den Bau des geplanten AKW ab vom 17. November 2012
  12. Deutschlandfunk: Litauen zögert Entscheidung über neues AKW hinaus vom 15. Mai 2013
  13. nuklearforum.ch: Litauen: Visaginas wichtig für nationale Sicherheit vom 9. April 2014
  14. WNA Country Profiles: Nuclear Power in Lithuania abgerufen am 15. April 2016

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