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Die Lobbyisten > Voß, Alfred

Prof. Dr.-Ing. Albert Voß ist Wissenschaftler und überzeugter Anhänger der Atomkraft. Nach seinem Maschinenbaustudium und der Promotion an der RWTH Aachen war er u. a. tätig am Institut für Reaktorentwicklung der Kernforschungsanlage Jülich (KFA) und erhielt 1983 eine Professur am Institut für Kernenergetik und Energiesysteme (IKE) der Universität Stuttgart. 1991 bis 1994 und 2000 bis 2002 war er Sachverständiger in zwei Enquete-Kommissionen im Bundestag.[1] Voß ist heute Mitarbeiter am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER)[2] und stellvertretender Herausgeber des Internetportals Energie-Fakten.de, das den Nutzen der Atomkraft propagiert.

1990 forderte Voß zusammen mit 570 Professoren von 50 Universitäten die rot-grüne Regierung auf, den geplanten Atomausstieg zu überdenken. Dieser sei, so Voß, ein Ergebnis "überholter Parteitagsbeschlüsse" aus den 1970er und 1980er Jahren und berücksichtige die "technischen Weiterentwicklungen", wie z. B. bei Sicherheit und Entsorgung, nicht.[3]

2008, als die Laufzeitdiskussion in Gang gekommen war, hob Voß, zu jener Zeit Leiter des Instituts für Energiewirtschaft der Uni Stuttgart, die angeblich geringen Kosten der Atomkraft hervor: "Beim heutigen Kraftwerkspark liegen die Erzeugungskosten für Atomstrom bei höchstens zwei Cent pro Kilowattstunde. Ein reiner Atomtarif könnte also rund drei Cent unter dem normalen Angebot liegen."[4] Die Milliarden Mark/Euro schweren offenen und verdeckten Subventionen, die Rückbau- und Endlagerungskosten verschwieg er bei dieser Rechnung.

In einer öffentlichen Anhörung im Bundestag am 7. Juli 2010 erklärte Voß, dass sich mit längeren Laufzeiten steigende Energiekosten und der CO2-Ausstoß begrenzen ließen.[5][6]

Die nach Fukushima eingeleitete Energiewende diffamierte Voß. Durch den Atomausstieg, so Voß im Mai 2011, würde ein volkswirtschaftlicher Schaden von 72 Mrd. Euro entstehen, weil dieselbe Energie durch konventionelle und erneuerbaren Quellen nur viel teurer hergestellt werden könne.[7] Im Oktober 2012 behauptete Voß, Strom aus erneuerbaren Energien sei wesentlicher teurer als Atomstrom, der "der wahre grüne Strom" sei. "Berücksichtige man die Vollkosten, zu denen er auch die Risiken der regenerativen Energien zählt, "ist Strom aus der Sonne drei mal so teuer wie Strom aus Steinkohle und fünf mal so teuer wie Atomstrom". (...) Keine Ausführungen machte er zur Frage der ebenfalls nicht gelösten Frage der Entsorgung von Atomstrom [sic] und ihrer Kosten."[8]

Aufgrund seines Einsatzes für die Atomenergie wurde Voß am 20. November 2012 zum Ehrenmitglied der Lobbyorganisation Kerntechnische Gesellschaft (KTG) ernannt. In seinem Festvortrag kam er zum Schluss, "dass die heutige sogenannte Energiewende aus Sicht späterer Generationen zwar ein gravierender Einschnitt, aber wohl kaum ein Fortschritt sein dürfte."[1]

Weitere Links

→ Wikipedia Alfred Voß
→ AtomkraftwerkePlag Energie-Fakten.de (Lobbyorganisation)
Energie-Fakten.de (Herausgeber)

(Letzte Änderung: 30.09.2015)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 KTG: Ehrenmitgliedschaft für Energiesystemanalytiker Prof. Dr.-Ing. Alfred Voß vom 28. November 2012
  2. IER: Mitarbeiter am IER abgerufen am 30. September 2015
  3. Spiegel Online: Deutsche Professoren: Regierung soll Atom-Ausstieg überdenken vom 30. September 1999
  4. Focus Magazin: Atomkraft - Störfall im Koalitions-Reaktor Nr. 29 (2008) vom 14. Juli 2008
  5. Deutscher Bundestag: Kontroverse um längere Atomkraftwerk-Laufzeiten vom Juli 2010
  6. heise.de: Energieversorger klammern sich an die Kernkraft vom 8. Juli 2010
  7. WirtschaftsWoche: Der wirtschaftliche Schaden eines schnellen Atomausstiegs vom 4. Mai 2011
  8. Südwest Presse: "Atomstrom ist der wahre grüne Strom" - Professor kritisiert die Energiewende vom 27. Oktober 2012

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