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Unvollendete Anlagen > WAA Hambuch/Illerich (Rheinland-Pfalz)

Das Scheitern einer geplanten Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in der Eifel ist ein Beispiel dafür, wie massiver Widerstand aus der Bevölkerung Politik und Atomwirtschaft dazu bringen konnte, ein geplantes Nuklearprojekt aufzugeben.

Im Februar 1982 hatte die Deutsche Gesellschaft für Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen (DWK) die rheinland-pfälzische Landesregierung unter Bernhard Vogel, davon unterrichtet, dass sie eine Wiederaufarbeitungsanlage in der Eifel plane.[1]

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Cochem mit der Reichsburg

Anfangs wurden drei Standorte für die WAA diskutiert: Saarburg, Meisheim und ein Standort nördlich von Cochem. Als die DWK bekannt gab, dass man sich für Hambuch/Illerich entschieden hatte, kam es bereits in den folgenden Tagen zu Protestveranstaltungen. Bis April 1982 waren 10 Bürgerinitiativen entstanden. Im Mai zog der Kreistag mit und lehnte die WAA ab. Nach der Einreichung des Bauantrags durch die DWK kam es zu Großdemonstrationen. Der Wurf eines Molotow-Cocktails blieb ein Einzelfall. Ab September wurde schließlich auch Widerstand von Seiten der CDU laut.[2] Höhepunkt des Protests gegen die WAA war eine Demonstration in Cochem an der Mosel: 8.000 Menschen demonstrierten mit Sensen und Dreschflegel, die Straßen wurden durch Traktoren blockiert.[3]

Die DWK versuchte, der Region die WAA durch Versprechungen schmackhaft zu machen: 1.600 Arbeitsplätze sollten entstehen. in der Bauzeit zusätzliche 3.000, ein Investitionsvolumen von vier bis fünf Mrd. Deutsche Mark wurde diskutiert.[4]

Durch einen FDP-Abgeordneten des Bundestags erging eine Anfrage an die Bundesregierung, in der darauf hingewiesen wurde, dass der Standort der WAA in der Nähe militärischer Anlagen liege. Die Bundesregierung antwortete am 1. Juli 1982, dass ein ausreichender Abstand eingehalten werden und der Bundesverteidigungsminister am Genehmigungsverfahren beteiligt werden solle.[5]

Die Landesregierung war überrascht vom massiven Widerstand von ungefähr 30 Kommunen und den Bürgerinitiativen. Bernhard Vogel stand in intensivem Austausch mit den Ministerpräsidenten in Niedersachsen, Hessen und Bayern, um einen Ersatzstandort zu finden. Da auch noch Landtagswahlen im März 1983 anstanden, wurde beschlossen, die WAA nicht in der Eifel, sondern im bayerischen Wackersdorf zu errichten. Am 29. November 1982 zog die DWK in einem Schreiben an Vogel ihren Antrag zurück. Im Dezember wurde schließlich das Projekt abgesagt. Die Bürger glaubten aber erst nach Ende der Landtagswahl an das Ende der geplanten WAA.[1]

Weitere Links

→ Rhein-Zeitung: Vor 30 Jahren: Protest gegen Wiederaufbereitungsanlage (Bilder des Widerstands)
→ volksfreund.de: Als der Atommüll in die Eifel kommen sollte vom 2. Oktober 2013
→ AtomkraftwerkePlag: Wiederaufarbeitung

(Letzte Änderung: 06.01.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Rhein-Zeitung: Atomkraft in der Eifel: Protest verhindert Bau einer Wiederaufbereitsungsanlage vom 14. August 2013 [Fehler im Titel des Beitrags]
  2. Rhein-Zeitung: Chronik: Stationen des Widerstandes vom 14. August 2013
  3. Rhein-Zeitung: Cochem: Protest mit Sense und Dreschflegel vom 14. August 2013
  4. Rhein-Zeitung: Gegen den "WAAhnsinn": Neun Monate, die die Eifel bewegten vom 13. März 2012
  5. Deutscher Bundestag: Drucksache 9/1821, S. 8 vom 2. Juli 1982

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