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Organisationen und Kommissionen > WHO

Knebelvertrag mit der IAEO

WHO flag - panoramio.jpg

Flagge der WHO

Im Bereich der Atomenergie ist die World Health Organization (WHO) seit der Tschernobyl-Katastrophe immer wieder in die Kritik geraten.

Ursache ist vor allem ein Abkommen zwischen der WHO und der IAEO vom 28. Mai 1958, in dem der IAEO, der wichtigsten internationalen Organisation der Atomlobby, im Bereich der Atomenergie ein Vorrang gegenüber der WHO eingeräumt wird.

→ IAEO: Agreement Between the International Atomic Energy Agency and the World Health Organization abgerufen am 26. Juni 2013

"Dieser Vereinbarung zufolge unterliegen Arbeiten oder Programme der WHO, die als Überschneidung mit dem Tätigkeitsbereich der IAEA betrachtet werden, der Kontrolle und dem Ermessen der IAEO, und die Aufnahme und Weiterführung solcher Arbeiten und Programme wird von der Aushandlung eines Konsens abhängig gemacht (Artikel 1 Absatz 3). Ferner ist in Artikel 1 die explizite und parteiische Forderung der IAEO festgehalten, dass sie vor allem die Aufgabe hat, die Erforschung, Entwicklung und praktische Anwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke weltweit zu ermutigen, zu fördern und zu koordinieren (…)."

In einer schriftlichen Anfrage vom 18. Dezember 2002 wurde die Europäische Kommission aufgefordert, auf eine Änderung des Abkommens zwischen WHO und IAEO hinzuwirken.[1]

Von der Atomlobby diktierte WHO-Berichte

Immer wieder wurde die WHO-Bilanz zum Tschernobyl-GAU kritisiert.

Um die Auswirkungen der Tschernobyl-Katastrophe auf Umwelt und Gesundheit zu erörtern, war im Februar 2003 das sogenannte Tschernobyl-Forum gegründet worden. Es bestand aus Vertretern von: IAEA, FAO, UN-OCHA, UNDP, UNEP, UNSCEAR, WHO, World Bank sowie Weißrussland, Russland und der Ukraine.[2] Das Tschernobyl-Forum spach 2006 von lediglich 50 Todesfällen, die unmittelbar auf den GAU zurückgeführt werden könnten.[3] Die Zahl von 50 Opfern wurde auch in einer UNSCEAR-Studie von 2008 genannt, die 2011 erneut herausgegeben wurde.[4]

Die WHO hatte 2006 außerdem geschätzt, dass es bei den Personen, die sich an den Aufräumarbeiten in Tschernobyl beteiligten, bis zu 9.000 zusätzliche krebsbedingte Todesfälle geben könne. Darüber hinaus schätzte sie, dass in den am schwersten betroffenen Gebieten bisher bei etwa 5.000 Personen, die zum Zeitpunkt des GAUs Kinder oder Jugendliche waren, Schilddrüsenkrebs diagnostiziert wurde.[5]

US-amerikanische und britische Experten gehen jedoch von ganz anderen Zahlen aus: von 900.000 bis 1,8 Mio. Toten infolge des GAU, wobei auch zukünftige Todesopfer mit einbezogen werden. Die Ärzteorganisation IPPNW wirft der WHO vor, die Katastrophe wegen des Abkommens mit der IAEO zu verharmlosen und kritische Informationen über Gesundheitsfolgen in ihren Berichten systematisch zu unterdrücken. Der promovierte Biologe und Mentor der russischen Anti-Atombewegung, Alexej Jablokow, weist zudem darauf hin, dass nicht nur 600.000, wie offiziell behauptet, sondern seinen Berechnungen zufolge 830.000 Liquidatoren (Aufräumarbeiter) eingesetzt wurden. Bis 2006 sind 112.000 bis 125.000 Liquidatoren gestorben, davon 14.000 bis 15.000 direkt an den Folgen der Katastrophe. Der weißrussische Strahlenphysiker Dr. Mikhail Malkow rechnet allein in Europa mit 90.000 Krebserkrankungen. Viel höher dürfte die Anzahl von Todesopfern wegen chronischer Herz-Kreislauferkrankungen sein, die durch Niedrigstrahlung hervorgerufen wurden.[6][7]

Erst im Mai 2011 distanzierte sich WHO-Chefin Margaret Chan von den eigenen Zahlen. Sie persönlich glaube nicht, der Unfall in Tschernobyl habe nur 50 Todesopfer gefordert. Zugleich vollzog die WHO-Chefin auch eine Kehrtwende in Bezug auf die interne, im Körper angereicherte Strahlung, wie sie z. B. aus Isotopen wie Jod 131, Cäsium 137, Strontium 90 und Plutonium resultiert. Bislang hatte die WHO negiert, dass von dieser Strahlung eine Gefahr ausgehe. Erst nach einem Treffen mit Mitgliedern der kritischen "Initiative für eine unabhängige WHO" räumte Chan ein: "Es gibt keine ungefährlichen Niedrigwerte radioaktiver Strahlung". Bis heute hält die WHO jedoch die Dokumente zu Tschernobyl und die Messergebnisse zu Fukushima unter Verschluss. Überhaupt scheint das Thema Radioaktivität nur eine geringe Rolle zu spielen: Es gibt lediglich eine Strahlenbiologin bei der WHO. Die Abteilung wurde 2009 auf Druck von privaten und öffentlichen Geldgebern geschlossen, nachdem deren Versuch, niedrigere Grenzwerte für Jod durchzusetzen, am Widerstand von IAEO und Frankreich gescheitert war.[8][9] Von 700 vorhandenen Dokumenten zu Tschernobyl wurden bis heute nur 12 veröffentlicht; dass die restlichen unter Verschluss gehalten werden, habe die IAEO unter Berufung auf das gegenseitige Abkommen durchgesetzt.[9]

Am 5. November 2012 appellierte die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW an die WHO, die medizinische Forschung zum Ausmaß der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe deutlich auszuweiten. Es wurde kritisiert, dass die Studie von UNSCEAR 2013 nur grobe Abschätzungen japanischer und internationaler Experten berücksichtige.[10]

Im November 2012 wertete IPPNW einen Bericht der WHO zur Fukushima-Katastrophe als "weder unabhängig, noch wissenschaftlich". Der Bericht sei eine "gefährliche Verharmlosung", und die WHO müsste ihre Untersuchungen deutlich ausweiten. Als Ursache dafür wurde die Auswahl der Verfasser des Berichts gesehen. "Die 30 AutorInnen des WHO-Berichts arbeiteten sämtlich für die atomenergiefreundliche Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien oder für regierungsabhängige nationale Nuklearkommissionen und Strahlenschutzbehörden."[11]

→ AtomkraftwerkePlag: UNSCEAR

(Letzte Änderung: 04.02.2017)

Einzelnachweise

  1. Europäisches Parlament: Parlamentarische Anfrage: Änderung des Abkommens WHA 12-40 zwischen der WHO und der IAEA vom 18. Dezember 2002
  2. IAEO: Chernobyl Forum abgerufen am 29. Januar 2015
  3. iaea.org Chernobyl’s Legacy: Health, Environmental and Socio-Economic Impacts and Recommendations to the Governments of Belarus, the Russian Federation and Ukraine Seite 14, vom 23. März 2006
  4. UNSCEAR: Sources and effects of ionizing radiation. S. 184, D258 (13 Opfer) und D259 (19+14+4 Opfer) vom April 2011
  5. who.int World Health Organization report explains the health impacts of the world's worst-ever civil nuclear accident vom 13. April 2006
  6. IPPNW: Ein zweites Tschernobyl rückt näher von 2011
  7. n-tv.de: Die Welt rätselt über Fukushima - IAEA und WHO halten Berichte zurück vom 1. April 2011
  8. taz.de: WHO-Chefin gibt es erstmals zu - Radioaktive Strahlung immer gefährlich vom 5. Mai 2011
  9. 9,0 9,1 Deutsche Welle Atomkraft - WHO-Schlingerkurs bei radioaktiver Strahlung vom 6. Mai 2011
  10. IPPNW: Presseinformation: Das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen untersuchen vom 5. November 2012
  11. taz.de: Fukushima-Folgen heruntergespielt - Atomlobby verfasst WHO-Gutachten vom 6. November 2012

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