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Weitere Zwischenlager, Sammelstellen und Mülldeponien

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Atommüll - Zwischen- und Endlagerung > Weitere Zwischenlager, Sammelstellen und Mülldeponien

Weitere Standorte

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt es in Deutschland weitere "Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung", u. a. zentrale Zwischenlager, Zwischenlager der kerntechnischen Industrie, sowie Zwischenlager in Forschungseinrichtungen und Landessammelstellen.[1]

Siehe dazu auch folgende Verzeichnisse der "Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung" auf der Website des → BMUB und des → BfS.

 


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[1]

Baden-Württemberg

Karlsruhe

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Als Betreiber der Landessammelstelle Baden-Württemberg wird die Hauptabteilung Dekontaminationsbetriebe der WAK GmbH (HDB) genannt. Für die Landessammelstelle, in der Abfälle aus Medizin, Forschung und Industrie gelagert werden, gibt es keine Kapazitätsgrenze, es werden aber 78.664 m³ angegeben.[2][3] Die WAK GmbH trägt seit 2009 den Namen Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe GmbH (KTE).[4]

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Auf dem Gelände des Forschungszentrums Karlsruhe befindet sich das größte Zwischenlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll in Deutschland (Stand: April 2014). "Sie stammen aus dem Betrieb und der Stilllegung von Reaktoren und Instituten des Forschungszentrums, der WAK, dem Europäischen Institut für Transurane sowie der Landessammelstelle."[5]

Nach einer Äußerung des ehemaligen baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsministers Ulrich Müller befanden sich 1999 im Forschungszentrum 50.000 Tonnen radioaktiven Abfalls und damit über "über 50 % aller schwach und mittelradioaktiven Abfälle der Bundesrepublik".[6]

Insgesamt wurden 2014 dort 13.000 Atommüllbehälter zwischengelagert, die in den 1990er Jahren dort kostengünstig verpackt wurden. Was mit dem Müll geschehen soll, ist unklar. Die Verpackungen entsprechen nicht mehr den heutigen Vorschriften, so dass sie - mit Ausnahme von bis zu 194 Atommüllbehältern - nicht im Schacht Konrad gelagert werden dürfen. Bis Schacht Konrad zur Verfügung steht, müssten die Abfälle entweder umverpackt oder die Vorschriften des Zwischenlagers geändert werden.[7]

In Karlsruhe waren früher große Mengen an hochradioaktivem Müll gelagert worden, der aus dem Betrieb der 1990 stillgelegten Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe angefallen war. Diese Abfälle wurden in einer eigens dafür auf dem Gelände errichteten Anlage verglast. Der verglaste Abfall wurde im Februar 2011 in fünf Castoren mit 140 Edelstahlbehältern ins Zwischenlager Nord bei Lubmin transportiert.

Nähere Informationen dazu unter → Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK)

Bayern

Karlstein

Zwischenlager der kerntechnischen Industrie
Siemens lagert in Karlstein Abfälle aus Abbau und Betriebsabfälle. Das Zwischenlager hat laut Genehmigung eine Kapazität von 5.300 m³.[8]

Mitterteich

Zwischenlager Mitterteich 2011-1.jpg

Zwischenlager Mitterteich, Bayern

Zentrales Zwischenlager und Sammelstelle der bayerischen Energieversorgungsunternehmen aus kerntechnischen Anlagen
Im Zwischenlager Mitterteich (Bayern) wird seit 1987 radioaktiver Abfall vom Land, den Kommunen und der Wirtschaft behandelt. Dies spielt sich direkt in einem Gewerbegebiet neben Banken, Hotels und Tankstellen ab. Und: "Über dem Gelände finden laut Bund Naturschutz regelmäßig Tief- und Transallflüge statt."[9]

Die Landessammelstelle in Mitterteich hat laut Genehmigung eine Kapazität von 10.000 Gebinden.[8]

Kahl (Bayern)

München

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Bei den Forschungsreaktoren in Garching bei München befinden sich Zwischenlager für Betriebsabfälle. Sie besitzen laut Genehmigung eine Kapazität von 100 m³ am Forschungsreaktor FRM und 68 m³ am Forschungsreaktor FRM 2.[8]

Berlin

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die Landessammelstelle in Berlin hat laut Genehmigung eine Kapazität von 800 m³.[8]

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Am Helmholtz Zentrum Berlin werden Betriebsabfälle des Forschungszentrums gelagert. Besorgnis erregend ist, dass dieses Zwischenlager am Forschungsreaktor Berlin, welches direkt im Wohngebiet von Berlin-Wannsee liegt, mittlerweile zu 81 % mit schwach- und mittelradioaktivem Müll gefüllt ist. SPD, Grüne und der Betreiber sehen dringenden Handlungsbedarf aufgrund der geringen Sicherheitsstandards und der drohenden Überfüllung des Zwischenlagers.[10]

Hessen

Ebsdorfergrund

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die Landessammelstelle für radioaktive Abfälle im Forst Roßberg der Gemeinde Ebsdorfergrund (Kreis Marburg-Biedenkopf) wurde Ende der 1960er Jahre gegründet und Anfang der 1990er Jahre modernisiert. "Das Zwischenlagervolumen der Landessammelstelle beträgt etwa 400 m³, was bezogen auf 200 Liter-Behälter etwa 1.500 Einzelgebinden entspricht." Die Landessammelstelle dient als Zwischenlager für Abfälle aus Medizin, Forschung, Industrie und Gewerbe. Aus dem Brennstoffkreislauf dürfen nur freigegebene (aus dem Atomrecht entlassene) Abfälle angenommen werden.[11][8]

Hanau

Zwischenlager der kerntechnischen Industrie
Das Zwischenlager der Nuclear Cargo + Service (NCS) in Hanau enthält vernachlässigbar wärmeentwickelnde konditionierte Abfälle, Betriebs- und Abbauabfälle von

1. Siemens: 1.250 Konrad-Container,
2. NUKEM, AREVA NP, GNS u.a.: 220 m²[8]

Mecklenburg-Vorpommern

Greifswald

Zentrales Zwischenlager für Betriebs- und Stilllegungsabfällen der Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg
Auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Greifswald/Lubmin befindet sich das Zwischenlager Nord, in dem schwach-, mittel- und hochradioaktiver Atommüll gelagert wird. Mehr dazu unter → Zwischenlager Nord.

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
In Halle 1 des Zwischenlagers befindet sich zudem die Landessammelstelle, in der radioaktive Abfälle aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gelagert werden.[12] Grundlage dafür ist eine Vereinbarung vom 17. November 2014 zwischen beiden Bundesländern.[13] Die Landessammelstelle Mecklenburg-Vorpommern in Rubenow/Greifswald hat laut Genehmigung eine Kapazität von 20‘-Container.[8]

→ umwelt-online.eu: Benutzungsordnung der Landessammelstelle für radioaktive Abfälle des Landes Mecklenburg-Vorpommern vom 26. September 2011

Niedersachsen

Braunschweig

Nuklearunternehmen Eckert & Ziegler

Hearing zum Thema Eckert & Ziegler04:54

Hearing zum Thema Eckert & Ziegler

Anhörung vom 25. Januar 2012

In Braunschweig befindet sich seit 1976 der Bereich "Environmental Service", in dem das Nuklearunternehmen Eckert & Ziegler radioaktive Abfälle aus Medizin, Forschung und Technik sammelt und konditioniert. Dazu gehören "Abklingabfälle (Radionuklide mit Halbwertszeiten < 100 Tage), radioaktive Abfälle, die gemäß § 29 StrlSchV freigebbar sind, und dekontaminierbare Abfälle", zu denen es eine "pauschale Einvernehmensregelung" gibt.[14] Der Atommüll wird "gehäckselt, verbrannt, zusammengepresst, sodass er bei der Endlagerung weniger Platz einnimmt."[15]

Eckert & Ziegler möchte expandieren und in einer im Bau befindlichen Halle schwach radioaktiven Atommüll lagern und möglicherweise weiterverarbeiten. Das Gelände befindet sich in einem Wohngebiet, in der Nähe einer Schule und eines Kindergartens. Gegen die geplante Halle protestierten im September 2013 Tausende von Anwohnern, weil sie befürchten, dass sich die Strahlung erhöht und Eckert & Ziegler Atommüll aus der Asse wiederaufbereiten könnte.[16][17]

Auf dem Gelände und am Zaun des Lagers ist pro Quartal ein Millisievert Strahlung erlaubt, der vierfache Wert, der üblicherweise erlaubt ist (ein Millisievert pro Jahr). Umweltminister Wenzel kündigte im Juni 2014 eine Überprüfung aller Genehmigungen an.[18] 2015 war die Frage der Erweiterung noch nicht gelöst, im Gegenteil wollen die Anwohner nach Möglichkeit die ganze Anlage verlegen lassen.[15]

2011 war Eckert & Ziegler schon einmal in die Schlagzeilen gekommen. Von 80.000 Litern radioaktiver Lauge, die aus der Asse ausgetreten waren, ließ das niedersächsische Umweltministerium in Braunschweig probeweise 80 Liter durch Eckert & Ziegler behandeln. Nachdem die Reinigung dieser 80 Liter abgeschlossen war, ging Eckert & Ziegler mit der Meldung an die Öffentlichkeit, es werde nun die kompletten 80.000 Liter Asse-Lauge behandeln und entsorgen. Das Umweltministerium dementierte dies, nachdem es zu massiven Protesten in Braunschweig gekommen war.[19][20]

Eckert & Ziegler besaß laut einer Antwort auf eine Große Anfrage im niedersächsischen Landtag bis Ende 2013 eine Genehmigung, Atommüll nach Los Alamos (USA) transportieren und dort verbrennen zu lassen. Laut Anfrage soll es sich um 800 Tonnen handeln, was aber aus der Antwort nicht hervorgeht.[21] Ob tatsächlich ein Transport in die USA stattgefunden hat, kann nicht belegt werden.

Eckert & Ziegler betreibt bereits ein Zwischenlager im niedersächsischen → Leese.

BürgerinitiativeStrahlenSchutz Braunschweig (BISS) e.v. (Homepage mit weiteren Informationen)
Eckert & Ziegler (Homepage)

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Am Forschungs- und Messreaktor Braunschweig (FMRB) befindet sich ein Zwischenlager für Betriebs- und Stilllegungsabfälle des FMRB. Es besitzt laut Genehmigung eine Kapazität von 174 m³.[8]

Esenshamm

Zentrales Zwischenlager
am AKW Unterweser

Lagerung von radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung aus den Kernkraftwerken Unterweser und Stade

Zwischenlager an Atomkraftwerken - Unterweser

Leese

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Das niedersächsische Zwischenlager Leese in der Nähe des Steinhuder Meers wird von der Firma Eckert & Ziegler Nuclitec GmbH (EZN) betrieben,[22] die die Eröffnung eines weiteren Zwischenlagers in → Braunschweig plant.

Das Zwischenlager in Leese hat laut Genehmigung eine Kapazität von 13.620 Stück 200-l-Fässer.[8]

In Lese hatte die Transnuclear GmbH in den 1980er Jahren zunächst "62 428 kg umdeklariertes und damit illegal eingeführtes Uran" gelagert, was im Rahmen des Nuklearskandals im Hanauer "Atomdorf" aufgedeckt wurde, und noch 1990 weitere radioaktive Stoffe. Das heutige Lager Lese wurde 1997 eingerichtet, die Betriebsgenehmigung ist zeitlich unbefristet. Es werden schwach- und mittelradioaktive Abfallstoffe gelagert, wobei das Zwischenlager auch als Pufferlager für den Betrieb von EZN in Braunschweig dient, weswegen radioaktive Stoffe hin- und hertransportiert werden. "Die Genehmigung umfasst die Lagerung von 12 080 Stück 200-l-Fässern und die Abklinglagerung von kurzlebigen Radionukliden in weiteren 1 540 Stück 200-l-Fässern in Containern auf dem Freigelände." 2012 lagerten in Lese 1.485 Abfallfässer der ehemaligen Landesammelstelle Steyerberg sowie 3.400 weitere Abfallfässer, deren Herkunft zum Teil unklar ist. Umfangreiche Informationen zu den atomaren Abfällen und der Strahlung im Lager Leese findet sich in einer Antwort auf eine große Anfrage aus dem Niedersächsischen Landtag von 2012.[23]

Lingen

Zwischenlager der kerntechnischen Industrie
Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) lagert in Lingen Betriebsabfälle aus der Brennelementfertigung. Das Zwischenlager in Lingen hat laut Genehmigung eine Kapazität von 1.000 200-l-Fässer.[8]

Zwischenlager an Atomkraftwerken - Emsland/Lingen

Munster

Zentrale Sammelstelle der Bundeswehr
Die Zentrale Sammelstelle der Bundeswehr in Munster hat laut Genehmigung eine Kapazität von 1.600 m³.[8]

Nordrhein-Westfalen

Gronau

Zwischenlager der kerntechnischen Industrie
Im Zwischenlager in Gronau deponiert URENCO Betriebsabfälle aus der Urananreicherung. Das Zwischenlager hat laut Genehmigung eine Kapazität von 220 m² und 150 Stück 200-l-Fässer.[8]

Auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage Gronau wird der Ausgangsstoff Uranhexafluorid gelagert, der auch Uran-235 enthält. Das Uranhexafluorid wird zunächst nach Gronau transportiert, Monate dort gelagert und nach der Anreicherung wieder abtransportiert, vor allem ins Ausland. Lagerung und Transport von Uranhexafluorid sind gefährlich, da es mit Wasser oder Wasserdampf reagieren kann und die stark ätzenden Substanzen Fluorwasserstoff und Flusssäure erzeugt, die bei Unfällen die ganze Umgebung verseuchen können.[24]

Am 27. März 2013 gab die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage an, dass bis zu diesem Zeitpunkt 12.700 Tonnen Uranhexafluorid von Gronau zur Dekonversionsanlage von AREVA in Frankreich geliefert wurden. Bis Ende 2012 lagerten weitere 6.700 Tonnen in Gronau. Diese sollen in der Anlage im britischen Capenhurst in U3U8 konvertiert werden; diese Anlage soll 2015 in Betrieb gehen.[25]

In einer weiteren Antwort auf eine Kleine Anfrage bestätigte die Bundesregierung am 21. Mai 2013, dass auf dem Gelände der UAA oberirdisch abgereichertes Uran (U3O8) unbefristet gelagert werden soll, da dieses Anteile des spaltbaren Wertstoffs Uran-235 enthält und deshalb vom Betreiber als Wertstoff angesehen wird. Erst wenn eine Weiterverwendung nicht möglich sei, müsse das Uran als Atommüll deklariert und endgelagert werden. Der Schacht Konrad sei dafür jedoch nicht ausgelegt. Der Betreiber hat der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde jährlich einen Nachweis über Verwertung und Entsorgung zur Prüfung vorzulegen.[26]

2014 soll eine neue Lagerhalle in Gronau für 60.000 Tonnen abgereichertes Uran in Betrieb gehen. Umweltschützer befürchten, dass das Zwischenlager wegen der unbefristeten Betriebsgenehmigung zu einem oberirdischen Endlager und so zu einem Präzedenzfall für ganz Deutschland wird. Sie forderten einen sofortigen Stopp der Urananreicherung.[27]

Im August 2014 wurden 18.510 Tonnen Uranhexafluorid unter freiem Himmel gelagert, gegenüber 2012 mit 6.700 Tonnen fast eine Verdreifachung.[28]

URENCO lagert in Gronau auch 13.000 Tonnen Urantails, die bei der Uranproduktion anfallen. Diese wurden bislang als noch verwertbare "Wertstoffe" angesehen, tauchten jedoch im November 2014 im "nationalen Entsorgungsplan" der Bundesregierung plötzlich als Atommüll auf.[29]

Jülich

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die Landessammelstelle Nordrhein-Westfalen in Jülich hat laut Genehmigung eine Kapazität von 9.000 Stück 200-l-Fässer.[8]

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Nach Informationen des Bundesumweltministeriums ist das Zwischenlager für die Lagerung von vernachlässigbar Wärme entwickelnde Abfälle, AVR-Brennelementkugeln und aktivierte sperrige Abfälle vorgesehen. Es besitzt laut Genehmigung eine Kapazität für 11.470 Fässer und 780 Konradcontainer (KC).[8]

Im Forschungszentrum Jülich kommt der Abfall zunächst in den Keller der Landessammelstelle. Da niemand mehr weiß, was sich wirklich in den Behältern des Forschungszentrums befindet, werden diese durch Kräne herausgeholt, angebohrt und untersucht, ob sie in den Schacht Konrad gebracht werden können. Vermutlich wird aber ein Drittel dieser Fässer aufgrund zu hoher Strahlung in ein anderes Endlager gebracht werden müssen.[30]

Zwischenlager an Atomkraftwerken - Jülich

Duisburg

Konditionierungsanlage für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle
Die GNS (Gesellschaft für Nuklear-Service mbH) betreibt in Duisburg-Wanheim seit 1985 eine Konditionierungsanlage, in der schwach- bis mittelradioaktive Abfälle von deutschen Atomkraftwerken verarbeitet und in Behälter verpackt werden, die sich für die Zwischen- oder Endlagerung eignen. Da die Menge an Betriebsabfällen aus AKW zurückgeht und andere Kapazitäten an AKW-Standorten aufgebaut werden, plant die GNS, die Anlage 2019 zu schließen.[31]

Im Dezember 1989 hatte die Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen bestätigt, dass sich die Anlage in einer Entfernung von 200 Metern zu einem weniger dicht besiedelten und 400 Metern zu einem dichtbesiedelten Wohngebiet befindet. Es sei Müll aus den AKW Würgassen, Stade, Grafenrheinfeld, Biblis, Mülheim-Kärlich, Grohnde, Brunsbüttel, Unterweser sowie aus der KernforschungsanlageJülich und dem Kernforschungszentrum Karlsruhe verarbeitet worden. Der abgegebene freigemessene Schrott enthielt durchschnittlich 10 Bq/g, maximal 74 Bq/g Radioaktivität, die auf Kobalt-60 und Cäsium-137 zurückgeführt wurde. Die Bundesregierung sah die Schutzvorschriften eingehalten und deshalb keine Gefährdung der Bevölkerung durch ionisierende Strahlung. Sie sah auch keine Veranlassung, die Anlage zu schließen.[32]

Die Anlage war immer wieder wegen ihrer Nähe zu Wohngebieten und wegen der anfallenden Mülltransporte kritisiert worden. Eigentlich hatte die GNS die Anlage erst 2022 schließen wollen, kündigte aber am 26. Juni 2014 eine vorzeitige Stilllegung für 2019 an. Umweltschutzverbände begrüßten dies und kündigten ihrerseits eine genaue Beobachtung des Rückbaus an. Der Müll soll nach 2019 auf dem Gelände der Forschungsanlage Jülich konditioniert werden.[33][34]

Rheinland-Pfalz

Ellweiler

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Im rheinland-pfälzischen Ellweiler gab es eine Uranerzaufbereitungsanlage, die von 1961 bis 1989 betrieben wurde.

Uranerzaufbereitungsanlage in Rheinland-Pfalz

1972 ging auf dem Gelände der Anlage die Landessammelstelle Rheinland-Pfalz in Betrieb. 1982 und 1988 wurde die Sammelstelle erweitert und umgebaut, 2007 teilerneuert. "In der Landessammelstelle befinden sich derzeit ca. 1000 Stück 200- bzw. 280-Liter Rollreifenfässer mit endlagerpflichtigen Abfällen. Hinzu kommt ein durchschnittlicher Bestand an Verbrennungsabfällen mit nicht endlagerpflichtigen Nukliden von ca. 200 m³."[35]

Die Landessammelstelle Rheinland-Pfalz in Ellweiler hat laut Genehmigung eine Aktivitätsbegrenzung von α+β/γ: 1,6•1013 Bq.[8]

Nach Informationen des Ministeriums für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung dürfen in der Landessammelstelle nur radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung eingelagert werden, nicht aber aus Atomkraftwerken. "Abfälle, die wegen des schnellen Zerfalls der radioaktiven Inhaltsstoffe ihre Radioaktivität in kurzer Zeit verlieren, werden solange gelagert, bis sie als nicht mehr radioaktive Stoffe entsorgt werden können. (…) Abfälle mit langlebigen radioaktiven Stoffen werden bis zur Abgabe an ein zukünftiges Bundesendlager zwischengelagert, und so behandelt, dass sie den Einlagerungsbedingungen entsprechen."[36]

Saarland

Elm-Derlen

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die saarländische Landessammelstelle im Elmer Wald wurde 1963 in Betrieb genommen. 2011 wurden dort 700 Liter Atomabfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung gelagert, darunter Cäsium-137, Cobalt-60 und Radium-226, die zur Prüfung von Strahlungsmessgeräten eingesetzt worden waren, sowie Strontium-90.[37]

Die Landessammelstelle hat laut Genehmigung eine Kapazität von 50 m³.[8]

Sachsen

Rossendorf

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die Landessammelstelle Sachsen in Dresden/Rossendorf hat laut Genehmigung eine Kapazität von 300 m³.[8] Hier dürfen Abfälle aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gelagert werden, die "geringe Mengen Kernbrennstoffe bzw. Konzentrationen an Kernbrennstoff von maximal 15 Gramm pro 100 kg Abfall enthalten".[38]

Laut "MDR" betrifft dies vor allem Abfälle aus der Industrie (Materialprüfung), Forschungsstellen und von Kleinablieferern, wie z. B. Schulen (Physikunterricht). Es befinden sich dort u.a. Radiumprodukte mit Halbwertzeiten von 1.600 Jahren. Die Abfälle sollen später in das Endlager Schacht Konrad überführt werden; dann würde Rossendorf nur noch als Durchgangslager fungieren.[39]

Da in Sachsen-Anhalt nur geringe Mengen an radioaktivem Restmüll anfallen, hatte das Land auf eine eigene Sammelstelle verzichtet und im September 2003 eine Ver­waltungsvereinbarung mit Sachsen abgeschlossen, die eine Lagerung in Rossendorf ermöglicht.[40]

Weitere Details finden sich in der → Benutzungsordnung der Landessammelstelle des Freistaates Sachsen für radioaktive Abfälle vom 29. April 2010, die seit 1. Juli 2010 gültig ist.

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Beim Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf (VKTA) befindet sich ein Zwischenlager für Betriebsabfälle des Forschungsstandortes. Es besitzt laut Genehmigung eine Kapazität von 2.770 m³ (Gesamtlagervolumen Brutto).[8]

Schleswig-Holstein

Geesthacht

Landessammelstelle für Abfälle aus Industrie, Forschung und Medizin
Die Landessammelstelle der vier norddeutschen Küstenländer in Geesthacht hat laut Genehmigung 68 m² Stellfläche.[8] Dort dürfen schwach radioaktive Abfälle aus Kliniken, Forschung, Schulen und der Farb- und Uhrenindustrie deponiert werden.[41]

Mit diesen Vorschriften hat man es nicht so genau genommen. Im Dezember 2013 wurde in 16 von bislang 28 geöffneten Fässern radioaktives Material gefunden, das unter Bleimänteln verborgen worden war und wegen erhöhter Strahlung in Geesthacht nicht gelagert hätte werden dürfen. "In einem vor 1980 eingelagerten Fass wurden Flüssigkeiten gefunden, die den zulässigen Strahlenwert um das 3 000fache überschritten." Die Fässer waren falsch deklariert. Sie enthielten vor allem Cäsium-137. Das Unternehmen Nycomed Amersham Buchler wies die Vorwürfe zurück.[41][42]

Die 28 Fässer waren ursprünglich für die Asse vorgesehen, wurden aber nach Schließung der Anlage nach Geesthacht überführt. 2010 befanden sie sich immer noch in der Landessammelstelle und sollen dort auch bleiben, was von Umweltschützern kritisiert wird.[43]

Zwischenlager an Atomkraftwerken - Krümmel

Zwischenlager in Forschungseinrichtungen
Im Forschungszentrum Geesthacht befindet sich ein Zwischenlager für Betriebsabfälle des Forschungsreaktors. Es besitzt laut Genehmigung eine Kapazität von 145/112/226 m³.[8]

Radioaktive Stoffe auf Mülldeponien und Schrottplätzen

2011 berichtete der "Spiegel": "Strahlende Metalle aus aller Welt landen auf deutschen Schrottplätzen. Händler fanden dort sogar den Stoff für Atombomben. (...) "Diese Uranfunde zeigen, dass es mit der Sicherheitskultur immer noch nicht stimmt", sagt der Proliferationsexperte Tom Bielefeld vom Belfer Center der Harvard University."[44]

Das bayerische Landesamt für Umwelt bat Schrotthändler und Recyclingbetriebe 2011, Funde radioaktiver Stoffe zu melden, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.[45]

2012 wurden "2292 Tonnen schwach radioaktive Abfälle aus den Atomkraftwerken Philippsburg, Gundremmingen und Biblis" in Hohlräume der Mülldeponie des Heilbronner Salzbergwerks gestopft. Ein Jahr später brach dort Gestein in Größe eines Einfamilienhauses zusammen.[46]

2013 kritisierte der BUND, dass Abfälle, die beim Rückbau von Atomkraftwerken anfallen, nach der sogenannten Freimessung die Bezeichnung Atommüll verlieren und dann einfach auf Mülldeponien landen oder als Baustoffe verwendet werden. "So seien Radionuklide aus dem stillgelegten Akw Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern bereits im Sickerwasser einer Deponie nachgewiesen worden."[47]

Weitere Weblinks

atommüllreport (Bestandaufnahme von verschiedenen Umweltschutzgruppen)
→ Deutscher Bundestag: Verzeichnis radioaktiver Abfälle - Bestand zum 31. Dezember 2013 und Prognose

(Letzte Änderung: 11.02.2017)

Einzelnachweise

  1. BfS: Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung vom 1. Juli 2015
  2. BfS: "Gemeinsames Übereinkommen über die Sicherheit und Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle – Bericht der Bundesrepublik Deutschland für die vierte Überprüfungskonferenz im Mai 2012" vom August 2011 (via WayBack)
  3. Deutscher Bundestag: Zwischenlager und Sammelstellen für radioaktive Abfälle in Deutschland (Drucksache 17/4329) vom 17. Dezember 2010
  4. EWN: Unternehmen abgerufen am 10. Februar 2016
  5. Badische Zeitung: Wohin mit dem Atommüll der Zwischenlager? vom 24. April 2014
  6. Landtag Baden-Württemberg: Plenarprotokoll 12/74 (S. 37) vom 24. November 1999
  7. FAZ.net: Zu wenig Lagerplatz für radioaktive Abfälle vom 2. April 2014
  8. 8,00 8,01 8,02 8,03 8,04 8,05 8,06 8,07 8,08 8,09 8,10 8,11 8,12 8,13 8,14 8,15 8,16 8,17 8,18 8,19 bmub.bund.de: Zwischenlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung (Tabelle, Stand November 2014) abgerufen am 12. Dezember 2014
  9. Abendzeitung München: Atom-Müll: Wo Bayern strahlt vom 20. Oktober 2013
  10. Berliner Zeitung: Atommüll-Zwischenlager Wannsee - Berlins Atommülllager wird zur strahlenden Last vom 25. November 2012
  11. Umweltministerium Hessen: Landessammelstelle Hessen abgerufen am 27. November 2014
  12. EWN: Anlagen des Abfalllagers abgerufen am 6. Dezember 2014 (via WayBack)
  13. lugv.brandenburg.de: Radioaktive Abfälle abgerufen am 7. Dezember 2014
  14. Niedersächsischer Landtag Antwort Ministerium für Umwelt und Klimaschutz Plenarprotokoll 16/71 (S. 9020f.) vom 30. April 2010
  15. 15,0 15,1 NDR: Umweltminister in heikler Mission bei Atomfirma vom 7. Januar 2015 (via WayBack)
  16. NDR Tausende protestieren gegen Nuklear-Firma vom 15. September 2013 (via Wayback)
  17. Weser Kurier Demos gegen Atommüll in Wohngebieten vom 16. September 2013
  18. NDR: Umweltminister will Nuklearfirma prüfen vom 23. Juni 2014 (via WayBack)
  19. BfS: Landessammelstelle Niedersachsen will kontaminierte Lauge probeweise in Braunschweig verarbeiten lassen vom 21. Juni 2011 (via WayBack)
  20. taz.de Wer hat Angst vor strahlender Brühe? vom 28. Oktober 2011
  21. Niedersächsischer Landtag: Atommüll im "radioaktiven Dreieck" zwischen Eckert & Ziegler in Braunschweig, dem Zwischenlager Leese und der niedersächsischen Landessammelstelle in Jülich (NRW) (Drucksache 16/4713, Antwort auf Große Anfrage, S. 7, 12) vom 30. April 2012
  22. Landessammelstelle Niedersachsen: Zwischenlagerung abgerufen am 6. Dezember 2014
  23. Niedersächsischer Landtag: Atommüll im "radioaktiven Dreieck" zwischen Eckert & Ziegler in Braunschweig, dem Zwischenlager Leese und der niedersächsischen Landessammelstelle in Jülich (NRW) (Drucksache 16/4713), Antwort auf eine Große Anfrage vom 30. April 2012
  24. Deutschlandfunk: Zwischenlager durch Urananreicherung - Sendereihe: Ende auf Zeit - Zwischenlager für radioaktiven Müll in Deutschland, Teil 4 vom 28. Juli 2011
  25. Deutscher Bundestag: Umgang mit abgereichertem Uran der URENCO und der Urananreicherungsanlage in Gronau (Drucksache 17/12943) vom 27. März 2013
  26. Deutscher Bundestag: Unbefristete Lagerung von abgereichertem Uran an der URENCOUrananreicherungsanlage Gronau (Drucksache 17/13598) vom 21. Mai 2013
  27. taz.de: Atommüll in Gronau - Vom Zwischen- zum Endlager vom 9. April 2014
  28. RP Online: Uranfabrik lagert Atomfässer im Freien vom 19. August 2014
  29. Süddeutsche.de: Bundesregierung rechnet mit doppelt so viel Atommüll vom 18. November 2014
  30. Deutschlandfunk: Die Lagerung des sonstigen strahlenden Abfalls - Sendereihe: Ende auf Zeit - Zwischenlager für radioaktiven Müll in Deutschland, Teil 5 vom 29. Juli 2011
  31. GNS: Betriebsstätte Duisburg abgerufen am 21. Mai 2015
  32. Deutscher Bundestag: Die Rolle der Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) im Rahmen der Konditionierung und Lagerung von Atommüll und der "Neuordnung der Atomwirtschaft" in der Bundesrepublik Deutschland vom 27. Dezember 1989
  33. RP Online: Duisburg - GNS will sich bis 2019 zurückziehen vom 27. Juni 2014
  34. WDR: GNS schließt Atommüll-Anlage: Keine Nuklearentsorgung mehr in Duisburgvom 26. Juni 2014 (via WayBack)
  35. luwg.rlp.de: Landessammelstelle für radioaktive Abfälle Rheinland-Pfalz abgerufen am 6. Dezember 2014 (via WayBack)
  36. mwkel.rlp.de: Landessammelstelle für radioaktive Abfälle Rheinland-Pfalz abgerufen am 27. November 2014 (via WayBack)
  37. Saarbrücker Zeitung: 700 Liter radioaktiver Abfall in Bunker bei Elm vom 21. Juni 2012
  38. umwelt.sachsen.de: Landessammelstelle abgerufen am 6. Dezember 2014
  39. MDR: Strahlende Reste - Sondermüll aus Industrie und Medizin vom 12. Februar 2014 (via WayBack)
  40. mlu.sachsen-anhalt.de: Landessammelstelle für radioaktive Abfälle abgerufen am 12. Oktober 2015
  41. 41,0 41,1 Handelsblatt: Fässer mit radioaktivem Material gefunden - Illegal eingelagerter Atommüll in Geesthacht gefunden vom 7. Dezember 2000
  42. strom magazin: Falsch deklarierte Fässer mit schwach radioaktiven Abfällen aus Niedersachsen in Geesthacht entdeckt vom 7. Dezember 2000
  43. Bergedorfer Zeitung: Geesthacht: Sammelstelle für strahlende Abfälle vom 14. Januar 2010
  44. DER SPIEGEL 7/2011: Strahlenschutz - Kruste aus Uran vom 14. Februar 2011
  45. Bayerische Landesamt für Umwelt: Erfahrungsaustausch: Radioaktive Stoffe auf Schrottplätzen vom 13. Juli 2011
  46. Schwäbisches Tagblatt: Angst vor "gefährlicher Bombe" im Salzstock - Im Mülldeponiebereich des Heilbronner Bergwerks brachen 700 Tonnen Gestein ab vom 18. Juni 2013
  47. Tagesspiegel: Wo in Deutschland der Atommüll lagert vom 11. September 2013

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