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Kernfusion und Fusionsanlagen > Wendelstein 7-X (Deutschland)

Typ: Stellarator • Betreiber: IPP • Plasamatemperatur: bis 100 Mio. Grad •
Baubeginn: 1994 • Inbetriebnahme: 10. Dezember 2015


Derzeit größte Stellarator-Forschungsanlage

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Wendelstein 7-X, Gebäude in Greifswald

Wendelstein 7-X ist eine Anlage zur Erforschung der Kernfusion, die das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) seit 2015 am Teilinstitut in Greifswald betreibt.[1] Die Anlage ist Nachfolger der Versuchsanlage Wendelstein 7-AS, in der von 1975 bis 1985 experimentiert worden war.

Wendelstein 7-X ist nach Angabe des IPP die größte Fusionsanlage vom Typ Stellarator weltweit und soll dessen Kraftwerkstauglichkeit demonstrieren. "Dazu wird sie ein optimiertes Magnetfeld für den Einschluss des Plasmas testen. Es wird von einem System aus 50 speziell geformten, supraleitenden Magnetspulen erzeugt."[1] Atomkerne sollen durch Mikrowellenstrahlung auf 100 Mio. Grad zu Plasma erhitzt werden. Ziel der Experimente ist nicht das Zustandekommen von Fusionen, sondern, "das Plasma möglichst lange in der Schwebe zu halten."[2]

Die Gesamtkosten für das Projekt beziffert das Institut auf 1,060 Mrd. Euro.[3]

Erzeugung von Heliumplasma seit 2015

Fusionsanlage "Wendelstein 7-X" in Betrieb02:01

Fusionsanlage "Wendelstein 7-X" in Betrieb

(veröffentlicht in YouTube am 11. Dezember 2015)

Mit den Planungen für die Forschungsanlage war im Jahr 1980 begonnen worden, mit den Bauarbeiten 1994.[4] Juni 2013 wurde der Rohbau fertiggestellt.[2]

Am 10. Dezember 2015 wurde Wendelstein 7-X in Betrieb genommen und startete mit ersten Tests zur Erzeugung von Helium-Plasma im Vakuumring. Am 3. Februar 2016 wurde das erste Wasserstoff-Plasma erzeugt, womit der wissenschaftliche Experimentierbetrieb begann. Ab Anfang 2017 soll auch Deuterium-Plasma entstehen, und damit geringe Mengen an Radioaktivität.[5][6] Energielieferendes Plasma ist nicht geplant, weswegen auf den Einsatz des radioaktiven Brennstoffes Tritium verzichtet werden kann.[7]

Kritik

Im Juli 2012 kritisierte der BUND, beim Bau der Anlage sei gegen Sicherheitsstandards verstoßen worden, und wies auf Gesundheitsrisiken hin. "So gehe aus den Akten des bisherigen Genehmigungsverfahrens hervor, dass die Hallentore nicht ausreichend gegen den Austritt der im Betrieb entstehenden Neutronenstrahlung abgeschirmt seien und der verwendete Strahlenschutzbeton fehlerhaft sei. Zudem soll das Dach der erst vor wenigen Jahren errichteten Experimentalhalle bereits Risse aufweisen." Das IPP wies die Vorwürfe zurück.[8]

Im August 2012 gab es Differenzen zwischen dem Sozialministerium von Mecklenburg-Vorpommern und dem IPP. So war umstritten, ob der in der Halle Ende der in den 1990er Jahren verbaute Beton den Vorgaben des Strahlenschutzes entsprach. Ein unabhängiges Gutachten sollte erstellt werden.[9]

Nach einem Gutachten des TÜV SÜD vom Oktober 2013 sollen vom geplanten Kernfusionsexperiment keine Gefahren für Menschen und Umwelt ausgehen.[10]

In ihrer Homepage nimmt das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ausführlich zu den Themen Sicherheit und Strahlenschutz bei Wendelstein 7-X Stellung.[3]

  • Wendelstein 7-X - Eine Forschungsanlage geht in die Endphase
Wendelstein 7-X - Eine Forschungsanlage geht in die Endphase06:02

Wendelstein 7-X - Eine Forschungsanlage geht in die Endphase

Greifswald TV, REGIONAL vom 6. Januar 2012

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 IPP: Wendelstein 7-X abgerufen am 11. Dezember 2016
  2. 2,0 2,1 Spiegel Online: Wendelstein 7-X: Letzte Naht an Kernfusionsreaktor geschlossen vom 4. Juni 2013
  3. 3,0 3,1 IPP: Sicherheitsfragen abgerufen am 11. Dezember 2016
  4. Stuttgarter Zeitung: Der Wendelstein von Greifswald vom 20. Mai 2014
  5. IPP: Fusionsanlage Wendelstein 7-X erzeugt erstes Wasserstoff-Plasma vom 3. Februar 2016
  6. n-tv.de: Kernfusions-Forschung - "Wendelstein 7-X" geht an den Start vom 10. Dezember 2015
  7. IPP: Einführung – der Stellarator Wendelstein 7-X abgerufen am 11. Dezember 2016
  8. verivox.de: Kernfusion: Forschungsreaktor könnte Land und Leute verstrahlen vom 27. Juli 2012
  9. NDR.de: "Wendelstein 7-X": Rüffel vom Ministerium vom 1. August 2012 (via WayBack)
  10. heise.de: Gutachten bescheinigt Kernfusionsprojekt ausreichenden Strahlenschutz vom 29. Oktober 2013

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