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Wiederaufarbeitung und Transmutation > Wiederaufarbeitung

Wiederaufarbeitung ist kein Recycling

Aerial view Sellafield, Cumbria - geograph.org.uk - 50827

Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield (Großbritannien)

Wiederaufarbeitung ist ein Begriff, der an Recycling erinnert. Bei radioaktiven Abfällen führt dies jedoch in die Irre und ist ein Beispiel dafür, wie gefährliche Prozesse sprachlich verharmlost werden können. Mit Recycling hat die Wiederaufarbeitung wenig gemeinsam, da immer nur ein geringer Prozentsatz des Atommülls wiederverwertet werden kann. 98 bis 99 % des Atommülls müssen in Zwischen- oder Endlagern entsorgt werden. Außerdem entsteht bei der Wiederverwendung neuer Atommüll.[1]

Wiederaufarbeitung bedeutet, dass aus Atommüll, der bei der Kernspaltung anfällt, in einem aufwändigen physikalisch-chemischen Verfahren Uran und Plutonium aus abgebrannten Brennelementen herausgetrennt werden. Ein kleiner Teil des Plutoniums kann für MOX-Brennelemente verwendet werden; das abgetrennte Uran ist minderwertig und liegt danach größtenteils auf Halde.[1]

Derzeit wird kommerzielle Wiederaufarbeitung laut der World Nuclear Association (WNA) In Frankreich (La Hague), Großbritannien (Sellafield), Russland (Majak), Japan (Tokaimura, Rokkasho) und Indien betrieben.[2]

Wiederaufarbeitungsanlagen: Fehlschläge und Umweltschäden

Mit Wiederaufarbeitungsanlagen machte man von Anfang an schlechte Erfahrungen: Die WAA West Valley (USA), von 1966 bis 1972 in Betrieb, erwirtschaftete nicht einmal die Investitionskosten und gab mehr Radioaktivität frei als alle amerikanischen Atomkraftwerke. Eine zweite Anlage, von General Electric erbaut, konnte aufgrund technischer Probleme nicht in Betrieb gehen.[3][4]

In Deutschland war die Wiederaufarbeitung ein einziges Fiasko. Die erste deutsche Anlage dieser Art war die Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK), die als Prototyp konzipiert war und von 1971 bis 1990 betrieben wurde. Die WAK erzeugte nur geringe Mengen Plutonium, dafür aber riesige Mengen zusätzlichen Atommülls und verursacht nun Milliardenkosten beim Rückbau. Die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAW) wurde aus politischen und ökonomischen Gründen nie in Betrieb genommen.

Atommüll Frankreich Ein Spaziergang durch La Hague Weltspiegel ARD - 09.0108:13

Atommüll Frankreich Ein Spaziergang durch La Hague Weltspiegel ARD - 09.01.2011 - Podcast

ARD: Weltspiegel vom 9. Januar 2011

In den Anlagen Sellafield (Großbritannien) und La Hague (Frankreich) wird auch deutscher Atommüll wiederaufgearbeitet. Nach Angaben der Bundesregierung wurden bis Ende 2010 insgesamt 851 Tonnen Schwermetall mit ca. 8,5 Tonnen Plutonium nach Großbritannien verbracht, weitere 5.393 Tonnen aus Leistungsreaktoren mit ca. 53,9 Tonnen Plutonium nach Frankreich.[5]

Wiederaufbereitete Brennstäbe wurden und werden anschließend in hochgefährlichen Transporten in deutsche Atomkraftwerke zur neuerlichen Kernspaltung zurückgebracht. Der Prozess wird schon deshalb weiterlaufen, weil kein Endlager zur Verfügung steht und man auf hohen Plutoniumbeständen sitzt, deren Entsorgung ungeklärt ist.[6]

Mit katastrophalen Folgen für die Umwelt: Seit Jahrzehnten werden von Sellafield und La Hague radioaktive Abwässer in den Ärmelkanal und in die Irische See gepumpt, weswegen insbesondere die umliegenden Meeresböden durch Plutonium verseucht sind. → Atommüll im Atlantik

Die Umgebung von Sellafield ist zur radioaktiv verstrahlten Müllkippe verkommen. Da es kaum noch Nachfrage nach Plutonium gibt, soll die Anlage 2018 geschlossen werden. → Sellafield: Größtes Plutoniumlager der Welt

Der von Deutschland zur Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich gelieferte Atommüll muss wieder zurückgenommen werden. "Nach bisherigen Absprachen sollen 21 Behälter aus Sellafield im Jahr 2015 nach Deutschland gebracht werden. Fünf Behälter sollen im selben Jahr aus La Hague kommen. Rund 150 weitere Behälter sollen vom Jahr 2024 an nach Gorleben transportiert werden. Nur für das dortige Zwischenlager gibt es eine Genehmigung zur Lagerung dieses Atomabfalls."[7]

In der Atomanlage Tokaimura in Japan ereignete sich 1999 ein ernster Unfall der Stufe 4 mit vier Toten und Hunderten verstrahlter Personen.

Gefährlicher Irrweg

Spätestens seit der Fukushima-Katastrophe mit der Kernschmelze von MOX-Brennelementen hat sich die Wiederaufbereitung als gefährlicher Irrweg herausgestellt. "Im August 2011 gab Großbritannien die Schließung der Sellafield-Mox-Fabrik bekannt, weil die Anlage von technischen Dauerproblemen geplagt war und mit Japan obendrein ihren letzten großen Auslandskunden verloren hatte." Sellafield sitzt nun auf dem größten Plutoniumlager der Welt mit 112 Tonnen, für das es keine Verwendung mehr gibt, dessen Entsorgung vollkommen ungeklärt ist und das – Stichwort Terrorismus – ein großes Sicherheitsrisiko darstellt. Während der Westen aus der Wiederaufarbeitung aussteigt, möchten China, Indien und Russland weiterhin daran festhalten. So soll in Russland beispielsweise auch Waffenplutonium für die Energieerzeugung verwendet werden.[6]

→ Greenpeace: Wiederaufarbeitung – Eine Risiko-Technologie mit Langzeitfolgen
→ Spektrum.de: Die fünf wichtigsten Fragen zur Wiederaufarbeitung vom 12. Februar 2015

(Letzte Änderung: 17.11.2017)

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 greenpeace.de: Wiederaufarbeitung: Die wichtigsten Fakten abgerufen am 16. Oktober 2014
  2. WNA: Processing of Used Nuclear Fuel abgerufen am 31. Oktober 2014
  3. Joachim Radkau & Lothar Hahn: Aufstieg und Fall der deutschen Atomwirtschaft. oekom, München 2013. S. 148, 200ff.
  4. DER SPIEGEL 20/1977: Was soll man mit dem Zeug tun? Das Schicksal der Atom-Fabrik West Valley vom 9. Mai 1977
  5. Deutscher Bundestag: Stand der Wiederaufarbeitung deutscher Brennelemente im Ausland und des deutschen Plutonium-Inventares (Drucksache 17/8527) vom 31. Januar 2012
  6. 6,0 6,1 Zeit Online: Atomindustrie - Das Weltgifterbe vom 28. Januar 2013
  7. Südwest Presse: 28 000 Kubikmeter Schwermetall vom 26. März 2013

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